2. Ziele definieren

Bevor es an die Konzeption der technischen Infrastruktur und Architektur der geht, gilt es, die verfolgten Ziele und anzusprechenden Zielgruppen zu definieren. Sollen zum Beispiel die eigenen Inhalte zur Distribution auf externen Plattformen und Geräten verfügbar gemacht oder Partnerintegrationen vereinfacht werden? Bekommen Entwickler die Möglichkeit, die eigene Plattform um Applikationen zu erweitern?

Auch wenn sich die gesteckten Ziele noch ändern können, ist es sinnvoll, diese frühzeitig klar abzugrenzen und zu priorisieren, um so eine Roadmap mit klaren Milestones zu besitzen.

Um möglichst schnell am Markt präsent zu sein, sollte man die Schnittstelle in kleinen Releasezyklen Stück für Stück aufbauen. Eine erste Fokussierung auf eine kleinere Zielgruppe kann Unternehmen helfen, von deren Nutzungsgewohnheiten und Feedback zu lernen.

3. Umsetzung

Wie bei allem, was man neu beginnen möchte, ist es die größte Hürde, einfach anzufangen. Bei der Umsetzung sollte man in Hinblick auf Sicherheit, Skalierbarkeit, Versionierung und API-Key-Vergabe auf webübliche Best-Practices setzen. Das dafür notwendige Expertenwissen ist in den meisten Unternehmen nicht zwangsläufig direkt vorhanden. Wie Michael Otto, CTO der XING AG, erklärt, kann hier zwar auf externe Berater und Spezialisten zugegriffen werden. Es sei aber viel wichtiger, jemanden im Team zu haben, der auch die eigene Anwendung in- und auswendig kennt.

Für die Bereitstellung der fertigen Schnittstelle gibt es spezialisierte „Data-sharing Service Provider“ wie zum Beispiel Mashery [3], die als externe Dienstleister für Kunden wie Netflix oder Open Calais fungieren. Unternehmen sollten Wert darauf legen, dass die Web API für ihre Nutzer einfach zugänglich ist. Ein einfach gestalteter Registrierungsprozess und eine verständliche Dokumentation stellen einen oft außer Acht gelassenen Erfolgsfaktor dar. Vorgefertigte Bibliotheken und Codebeispiele in verschiedenen Programmiersprachen geben dem Nutzer Orientierung und helfen, den Supportaufwand zu minimieren.

4. Laufender Betrieb

Spätestens mit dem Launch der Web API sollte ein engagierter und spezialisierter Produktmanager für das API-Produkt gefunden werden, der als Schnittstelle zwischen Produktmanagement, Business Developement, Content Direction und Community Management die Leitung über den laufenden Betrieb übernimmt. Sevenload setzt für die Betreuung seiner API einen hauptverantwortlichen „API- Evangelisten“ ein, der das Produkt auf Konferenzen vorantreibt und die Weiterentwicklung zusammen mit drei Entwicklern leistet. Einen besonders wichtigen Punkt stellt die Kommunikation mit der Community beziehungsweise dem über die API angeschlossenen Partnernetzwerk dar. Hier sollten Unternehmen auf Blogs, Foren, Google Groups oder spezialisierte Feedback-Communitys wie GetSatisfaction [4] oder UserVoice [5] setzen.

Anbieter sollten die Chance nutzen, ihr Angebot über die eigenen Kanäle und API Verzeichnisse wie Programmable Web [6] bekannt zu machen. Laut Florian Munz von Qype sind auch „API-Wettbewerbe oder Hack Days, an denen Entwickler eingeladen werden, um an einem oder zwei Tagen eine Aufgabe mit der neuen API umzusetzen, ein gewinnbringender Hebel zur Motivation“.

5. Erfolgsmessung

Erfolgsmessung ist wichtig, um die richtigen Anpassungen und Feinjustierungen vornehmen zu können. Vorher sollten Unternehmen jedoch die Kriterien festlegen, nach denen sich ihr Erfolg definiert. So können Site-Traffic, Zahl der Anmeldungen (vergebene API-Keys), Engagement (API-Aktivität und Zahl der Transaktionen) oder die direkten Kosteneinsparungen bei der eigenen Entwicklung als Key-Performance-Indikatoren dienen. Abgesehen von diesen eindeutig messbaren Größen sollten auch nicht messbare Langzeiteffekte wie die Erhöhung der Markenbekanntheit sowie Imageverbesserung in die Gesamtbetrachtung mit einbezogen werden. So besitzt Qype keinen strengen Business-Forecast, der Anfragen (Calls) oder Transaktionen bewertet. Primär ist die API von Qype „erst einmal einfach PR“.

Fazit

Durch die Öffnung über eine API bieten sich Unternehmen völlig neue Chancen der Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung und Verbreitung des eigenen Produkts. Da es sich jedoch um ein ressourcen- und kostenintensives Projekt handelt, lässt sich die Frage der Refinanzierung und Monetarisierung meist schwer beantworten. Erfolge sind auf kurze Zeit nicht direkt quantifizierbar und stellen sich meist erst mittelfristig durch Reichweitengewinne, positive PR, Markenbekanntheit oder eine mögliche nachgelagerte, direkte Monetarisierung, wie zum Beispiel dem Ad-Revenue Share-Modell von Sevenload, ein. Ein sensibler Umgang mit der Akzeptanz der Nutzer und Partner, für extern genutzte Daten oder Funktionalität Geld zu zahlen, ist notwendig.

Neben technischer Kompetenz und Verständnis für die Bedürfnisse der Anwender ist die größte Herausforderung die Bereitschaft, einen Teil der Kontrolle an die Nutzer abzugeben. Eine offene Architektur über Web APIs stellen für Anbieter, Entwickler und Nutzer große Mehrwerte, aber auch ein Wagnis dar und haben ihr enormes Potenzial derzeit bei weitem noch nicht ausgereizt. Sie stehen im Gegensatz zu proprietären „Walled Gardens“ dem Open-Source-Gedanken näher und sind für Unternehmen eine große Chance, mit dem Innovationspotenzial des Internets zu wachsen.

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Links und Literatur

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