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Feierabend um 15 Uhr? Der Abschied vom Acht-Stunden-Tag

    Feierabend um 15 Uhr? Der Abschied vom Acht-Stunden-Tag

(Bild: Shutterstock / Sharomka)

Nine-to-Three statt Nine-to-Five: Bei manchen Unternehmen arbeiten die Mitarbeiter nur sechs beziehungsweise fünf Stunden. Trotzdem wachsen die Startups weiter. Wie kann das funktionieren?

Wenn Anneli Bergqvist anderen von ihrem Job erzählt, dann reagieren viele mit „Oh, cool“ oder „Wie kann ich bei euch anfangen?“. Diese Art der Resonanz hängt nicht mit der Arbeit selbst zusammen. Die rotblonde Schwedin verdient ihr Geld als Expertin für Suchmaschinen-Marketing bei dem Startup Brath – nicht gerade die Tätigkeit, die bei anderen bewundernde Kommentare auslöst. Ihr Arbeitgeber lockt auch, anders als andere Startups, nicht mit Tischtennisplatte, Kicker und gemütlicher Sofa-Ecke. Brath punktet mit einem fast banal anmutenden Aspekt: der Arbeitszeit.

Bei dem Stockholmer Unternehmen verbringen alle Mitarbeiter nur sechs Stunden am Tag im Büro. Statt nach den üblichen acht Stunden haben sie um 15 Uhr frei. Nine-to-Three statt Nine-to-Five. Die Idee dazu entstand schon vor der Gründung. Als Magnus Brath das Unternehmen aufbaute, fragte er sich, ob nicht auch sechs Stunden Arbeitszeit reichen würden. Gemeinsam mit seiner Mutter listete er das Für und Wider auf – am Ende habe es mehr Pro-Punkte gegeben, sagt seine Schwester Maria, die Brath heute leitet. Das Konzept hat sich bewährt: Mittlerweile arbeiten rund 20 Personen bei dem Startup, es zählt nach eigener Aussage zu den schnellstwachsenden SEO-Unternehmen in Schweden.

Ein Bruch mit einer jahrzehntealten Tradition: Seit Henry Ford hat sich an unserer Arbeitszeit wenig geändert. Der Autopionier führte 1914 die 40-Stunden-Woche in seinem Unternehmen ein. Auch wenn er den Acht-Stunden-Tag nicht erfand, so verkörperte er einen der einflussreichsten Fabrikanten, die die neue Arbeitszeitrechnung damals implementierten. Hundert Jahre später gehört das Modell in vielen Ländern zum Alltag: Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Leben, acht Stunden Schlaf. Aber warum arbeiten wir überhaupt acht Stunden? Und nicht neun oder vier oder sechs?

Dass Bücher wie „Die Vier-Stunden-Woche“ heute die Bestseller-Listen stürmen, weist darauf hin, dass das Thema die Arbeitswelt beschäftigt. Viele Arbeitnehmer sind unzufrieden mit ihrer Stundenzahl, je nach Untersuchung zehn bis 50 Prozent. Besonders lange Arbeitszeiten stellen sich als problematisch dar: Je länger jemand an seinem Schreibtisch sitzt oder am Fließband steht, desto stärker steigen der Stress und die Müdigkeit. Das reduziere die Produktivität und erhöhe das Risiko für Fehler, Unfälle und Krankheit, heißt es in einer Studie der Stanford University und des Instituts zur Zukunft der Arbeit. Für Beschäftigte ab 40 Jahren stellt sich gar die Frage, ob der Acht-Stunden-Tag überhaupt altersgerecht ist. Denn wer in diesem Alter mehr als 25 Stunden in der Woche arbeitet, dessen kognitive Fähigkeiten nehmen ab. Aber Teilzeit bedeutet bisher: weniger Arbeit, weniger Geld.

Einige Startups versuchen sich nicht nur an neuen Geschäftsmodellen, sondern auch an alternativen Arbeitsmodellen. Sie brechen mit den alten Vorstellungen der Generation Ford – und führen neue Arbeitszeiten zu den gleichen Bedingungen ein. Weniger Arbeit, gleiches Gehalt. Was utopisch klingt, führt trotzdem zum Erfolg. Oder gerade deswegen.

Wer gut organisiert ist, schafft mehr

Noch seien Fünf- oder Sechs-Stunde-Tage eher selten, sagt Susanne Wanger. Sie arbeitet am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Arbeitszeitrechnung. „Es gibt Studien, denen zufolge der Wunsch nach mehr Freizeit zunimmt“, so die Forscherin. Ohnehin sei es heute schwierig, die Arbeitszeit zu messen, weil der Mitarbeiter auch abends mal eine Mail beantworte oder an einem Projekt weiterarbeite. Wanger geht davon aus, dass flexible Modelle und kürzere Arbeitszeiten in Zukunft häufiger werden.

Nach fünf Stunden ab nach Hause? Bei Stephan Aarstol kein Problem! (Foto: Tower / usdentrepreneurship.com)

Dass sich viele das nicht vorstellen können, erlebt Stephan Aarstol regelmäßig. Der Gründer hat seinen Mitarbeitern noch eine Stunde weniger Arbeitszeit verordnet als das schwedische Unternehmen Brath: In seinem Startup Tower Paddle Boards, das Paddelboote herstellt und online verkauft, bleiben die zehn Angestellten nur fünf Stunden im Büro. Die Arbeitszeiten: 8 bis 13 Uhr. Wenn Aarstol davon erzählt, fragen ihn viele ungläubig, dass das ja nicht für ihn als Chef gelten könne. Der Gründer hat für die Zweifler nur eine Antwort: „Ich arbeite sogar noch weniger.“ Sein Credo: Wer gut organisiert ist, schafft in kürzerer Zeit mehr Arbeit.

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8 Reaktionen
Micha von machen.de
Micha von machen.de

Wohooo. Als Digisaurier 40+ bin ich begeistert von der Aussage das bei mehr als 25h/Wo mein Hirn nicht mehr mitspielt. Also Leute, jetzt wisst ihr wieso ich heute ab 15 Uhr weg war. Und ab Mittwoch im Urlaub. Kognitive Pause! Genau. Warum nicht gleich die Arbeitszeit an das Wetter koppeln. Bei Sonne max. 4h/Tag, an Freitagen frei! Flugmodus ist der neue Urlaub. Digital detoxen hat neulich einer aus dem Liegestuhl gepostet. Schon klar. Wenn es nach Dr. Spitzer geht ist das ganze Digital-Gedöns per se Gesundheitsschädlich. Also, weniger arbeiten, mehr Geld. Und zwar für alle. Die Maschinen machen die Arbeit für uns Humanoiden. Und bezahlen Steuern womit uns das bedingungslose Grundgehalt (3000/Monat, 1000 sind zu wenig) bezahlt wird. Einverstanden? Ein Appell an die Politik. Oder an Google. Ecisia pflanzt Bäume fürs nutzen, Google zahlt in Bitcoins. Sorry, jetzt war ich vom Thema weg. Arbeite ich eigentlich gerade? Es fängt an sich so anzufühlen. Also lieber Schluss mit kommentieren. Sonst behaupte ich noch das im gut organisierten Flow die Zeit gar keine Rolle spielt. Berufung rockt. 24-7 am machen. Irgendwie. Außerdem brauche ich eine Denkpause. Feierabend. Lautlos.

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Gembinski

Toller Ansatz, denke auch wenn die kürzere Arbeitszeit produktiever genutz wird eine WIN WIN Situation für Arbeitgeber u Nehmer. Allerdings wird es soetwas nur in kleinen Firmen geben.

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Micha von SEO-Triebwerk

Ich finde solch ein Arbeitsmodell prima: Ergebnis- und nicht Arbeitszeit-orientiert.
Natürlich lässt es sich nicht in allen Branchen umsetzen, darüber braucht man nicht diskutieren.

Grundsätzlich könnte man sich vielleicht zukünftig in einigen Branchen trennen von der Vergütung per Stundenlohn für geleistete Arbeitszeit und umstellen auf eine pauschale Vergütung. Also nicht: ich arbeite 6 Stunden und bekomme 6 Stunden bezahlt oder 8 Stunden.... Sondern: ich bekomme eine pauschales Gehalt und habe dafür dies, das und jenes zu erledigen.

Diese ganze Stunden-Diskussion wäre damit hinfällig.
Man müsste sich dazu nur mal im Kopf von der Stundenbezahlerei verabschieden. ;-)

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Marc
Marc

Ich denke das diese Modelle nur in ausgewählten Branchen möglich sind.

In einer Fabrik oder im Einzelhandel sind solche Modelle kaum umsetzbar denke ich.

Im Schreinerbetrieb meines Schwagers wird aber z.B.auch nur bis 16 Uhr und Freitags nur bis 15 Uhr gearbeitet. Aber Aufträge haben die trotzdem mehr als genug (und schaffen diese auch zeitig).

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Eva S
Eva S

Persönlich finde ich diese Ansätze gut. Jedoch frage ich mich auch, warum wir uns in der heutigen Leistungsgesellschaft immer noch die Zeit als Messwert zu Grunde legen. Es gibt definitiv Arbeitsbereiche in denen dies zur Organisation sinnvoll ist (Produktion und Fertigung). Allerdings gibt es auch andere Bereiche, in denen könnte man gänzlich auf die Zeitenvorgabe verzichten. Es kommt am Ende ja auf die umgesetzte Aufgabe und die erledigte Arbeit an. Wie man sich das als Mitarbeiter im einzelnen organisiert könnte, wenn gewünscht, freigestellt werden. Dazu bedarf es aber auch klarer Zielsetzungen vom Manager. Das stellt vielleicht in dieser Betrachtung die höhere Hürde da als das altmodische Argument der Zeitenkontrolle. Der Artikel zeigt ja bereits auf, dass Vertrauen in motivierte Mitarbeiter zur Selbstorganisation und damit zur Übernahme von Verantwortung sich, für beide Seiten, auszahlen kann.

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sonnyxq
sonnyxq

Super Artikel :>

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Klaus

Und immer wieder SEO Unternehmen die einen Wind mit Merkwürdigkeiten erzeugen. Damit die "Presseartikelabschreib" Praktikanten in den Redaktionen einen Artikel verbreiten, den andere Werbung.

Bekommen die 6 Stunden Seo's denn auch 6 Stunden oder 8 Stunden bezahlt. Oder wird das einfach damit kompessiert das das Monatsgehalt etwas geringer ist als anderswo. Denn so ne Firma arbeitet ja nicht im leeren Raum. Da kann man nur schneller arbeiten oder weniger bezahlen um konkurrenzfähig zu sein.

Oder hat jemand das perpedum mobile erbaut - wieder einmal

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Stefan Rütsch
Stefan Rütsch

Bitte erst den Artikel lesen dann kommentieren. Es steht an mehreren Stellen, dass der Arbeitslohn davon nicht beeinträchtigt ist. In einem Fall steigt er sogar. Bevor Sie also den Verfasser des Artikels kritisieren: lesen!

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