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Apples Tablet erschließt neue Käufergruppen, erfordert jedoch ein Umdenken: E-Commerce-Konzepte für die iPad-Generation

Aus dem
t3n Magazin Nr. 21

09/2010 - 11/2010

Das iPad – für die einen ein Geniestreich, für die anderen ein weiteres teures elektronisches Gadget. Trotz heftiger Kritiken über fehlende Anschlüsse und Kamera für Augmented Reality, verkaufte sich das iPad bereits über drei Millionen Mal. Apples Erfolg weckt auch Erwartungen an entsprechend angepasste und optimierte Online-Angebote. Den E-Commerce-Anbietern stehen äußerst spannende Zeiten bevor, doch mit kleinen Anpassungen bestehender Plattformen ist es noch lange nicht getan.

Die E-Commerce-Branche ist nicht zu beneiden. Kaum sind die trägen Jahre 2005 bis 2008 abgehakt und die Anbieter mit stabileren Konzepten neu aufgestellt, werden aus Trends Must-Haves: Live- und Club-Shopping, Mass-Customizing, Web-Währungen, Augmented-Reality, Social-Media-Plattformen und deren Shop-Integrationen sowie mobile Anwendungen (Apps) stehen entweder noch auf der To-Do-Liste oder sind mitten in der Umsetzung.

Wie das iPad den E-Commerce verändern wird

Und schon kommt mit dem iPad ein neues potenzielles Device um die Ecke, dem das erfolgreiche E-Commerce-Konzept Rechnung tragen muss. Erste Usability-Tests zeigen, dass die Benutzer eines iPads beim Besuchen von iPad-optimierten Onlineshops mehr wünschen als nur blätterbare Kataloge.

Fakt ist, dass der Onlinehändler durch das iPad noch näher an den Kunden heranrückt. Die mobile Nutzung des Internets wird allgegenwärtig: unmittelbar auf Knopfdruck, und nicht nach minutenlangem Starten des PCs, ist der User mit dem Internet verbunden. Das Onlineangebot diverser Händler buhlt um die Gunst der Kunden – und zwar nicht mehr im Arbeitszimmer, sondern direkt auf der Couch. Spontankäufe werden wirklich spontan.

Interessant ist das iPad auch als Einkaufshelfer im stationären Handel: als elektronischer Katalog, Bestell- und Kassa-Device oder Informationsplattform. Es wird damit auch für eine Belebung des Themas Multichannel-Fulfilment sorgen. Schade ist nur, dass die fehlende Kamera das spannende Trend-Thema „Augmented Reality“ komplett ausschließt. Für innovative Konzepte lässt das iPad aber trotzdem noch viel Raum, was Beispiele wie der Shopping-Club für Luxusartikel Gilt.com und andere Seiten eindrucksvoll zeigen.

Schlüsselfunktionen für eine iPad Shopping-App

Grundsätzlich eröffnet das iPad ein neues Einkaufserlebnis, das den Weg auf die Couch des Endkunden erfolgreich schaffen wird. Das Gerät befindet sich mit dem 9,7-Zoll-Display zwischen dem PC mit einem durchschnittlich 20 Zoll großen Monitor und einem modernen Smartphone mit 3-Zoll- bis 4-Zoll-Display. Da das iPad über eine Auflösung von 1024x768 verfügt, stellt es die meisten Websites und Online-Shops normal dar, sagen sich wohl die meisten und schieben das Thema zur Seite – mit verheerenden Folgen. Zu kleine Links, zu verschachtelte Menüs, nicht funktionierende Mouse-Over-Effekte sowie Orientierungslosigkeit durch ständiges Ein- und Auszoomen sind die Folge. Somit können Entwickler vorhandene Software und Webseiten nicht eins zu eins auf das iPad übertragen, da sie entweder zu komplex oder die iPhone-Apps zu minimal erscheinen.

Der Webshop  von lascana.com gilt bereits heute als für das iPad optimiert. Der integrierte YouTube-Player spielt Videos  ab und umgeht so die  Flash-Beschränkung des Geräts.
Der Webshop von lascana.com gilt bereits heute als für das iPad optimiert. Der integrierte YouTube-Player spielt Videos ab und umgeht so die Flash-Beschränkung des Geräts.

Konzepte für iPad-Apps müssen daher die goldene Mitte finden. Das iPad funktioniert gestenbasiert, darum müssen Entwickler eine iPad-App konsequent darauf ausrichten. Dazu kommt Apples Anti-Flash-Politik, die wohl die Einführung von HTML5 noch beschleunigen wird.

Der Fashionshop von Gilt.com fällt durch  seine intuitive Bedienung positiv auf.  Jedoch ist die App nur in den USA verfügbar.
Der Fashionshop von Gilt.com fällt durch seine intuitive Bedienung positiv auf. Jedoch ist die App nur in den USA verfügbar.

Apple hat sozusagen die Usability für Tablet-PCs und Touch-Only-Geräte neu erfunden und de-facto zum Standard erklärt. Einmal mehr – ist man geneigt zu sagen – wenn man sich an die Revolution bei den MP3-Playern mit dem iPod erinnert. Aber es gilt auch, die Apple Usability richtig zu interpretieren. Zum einen wird auf dem iPad mittels Gesten navigiert, Maus und Keyboard entfallen. Das verspricht eine komplett neue Haptik und die Bedienung wird vom Menschen als natürlicher empfunden.

Zum anderen hat Apple neue Bedienelemente eingeführt, die in den eigenen Anwendungen konsequent umgesetzt werden; beispielsweise die Wahl von Optionen aus Select-Trommeln oder die neue, aber äußerst intuitive Datums- und Zeitauswahl. Wie schwer sich E-Commerce-Anbieter beim adäquaten Integrieren in ihre Anwendugen tun, zeigt die iApp von LaRedoute [1]. Die Shopping-App des französischen Anbieters verwendet die Apple-Controls schon fast konsequent anders, als vom Erfinder gedacht. Diese Abweichungen muss man negativ bewerten, denn sie irritieren den User. So verwendet die genannte App beispielsweise im Checkout bei der Adresseingabe die Select-Boxen für die Anrede falsch. Oftmals sind auch die Eingabefelder als solche nicht zu erkennen, da sie das selbe Layout wie die Labels haben.

Eine ganz besondere Herausforderung bei der Entwicklung von Shopping-Applikationen für das iPad stellt die Halteweise dar. Der Seitenaufbau unterscheidet sich komplett – je nachdem, ob der Nutzer das iPad horizontal oder vertikal hält. Mehr Platz in der Breite wird oft dazu genutzt, die Navigation besser darzustellen. Hingegen wird die größere Höhe dazu verwendet, die Produktinformationen oder auch das Cross-Selling zu fördern, wie die beiden Screenshots aus der LaRedoute-Anwendung zeigen.

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