Die E-Commerce-Branche ist nicht zu beneiden. Kaum sind die trägen Jahre 2005 bis 2008 abgehakt und die Anbieter mit stabileren Konzepten neu aufgestellt, werden aus Trends Must-Haves: Live- und Club-Shopping, Mass-Customizing, Web-Währungen, Augmented-Reality, Social-Media-Plattformen und deren Shop-Integrationen sowie mobile Anwendungen (Apps) stehen entweder noch auf der To-Do-Liste oder sind mitten in der Umsetzung.
Wie das iPad den E-Commerce verändern wird
Und schon kommt mit dem iPad ein neues potenzielles Device um die Ecke, dem das erfolgreiche E-Commerce-Konzept Rechnung tragen muss. Erste Usability-Tests zeigen, dass die Benutzer eines iPads beim Besuchen von iPad-optimierten Onlineshops mehr wünschen als nur blätterbare Kataloge.
Fakt ist, dass der Onlinehändler durch das iPad noch näher an den Kunden heranrückt. Die mobile Nutzung des Internets wird allgegenwärtig: unmittelbar auf Knopfdruck, und nicht nach minutenlangem Starten des PCs, ist der User mit dem Internet verbunden. Das Onlineangebot diverser Händler buhlt um die Gunst der Kunden – und zwar nicht mehr im Arbeitszimmer, sondern direkt auf der Couch. Spontankäufe werden wirklich spontan.
Interessant ist das iPad auch als Einkaufshelfer im stationären Handel: als elektronischer Katalog, Bestell- und Kassa-Device oder Informationsplattform. Es wird damit auch für eine Belebung des Themas Multichannel-Fulfilment sorgen. Schade ist nur, dass die fehlende Kamera das spannende Trend-Thema „Augmented Reality“ komplett ausschließt. Für innovative Konzepte lässt das iPad aber trotzdem noch viel Raum, was Beispiele wie der Shopping-Club für Luxusartikel Gilt.com und andere Seiten eindrucksvoll zeigen.
Schlüsselfunktionen für eine iPad Shopping-App
Grundsätzlich eröffnet das iPad ein neues Einkaufserlebnis, das den Weg auf die Couch des Endkunden erfolgreich schaffen wird. Das Gerät befindet sich mit dem 9,7-Zoll-Display zwischen dem PC mit einem durchschnittlich 20 Zoll großen Monitor und einem modernen Smartphone mit 3-Zoll- bis 4-Zoll-Display. Da das iPad über eine Auflösung von 1024x768 verfügt, stellt es die meisten Websites und Online-Shops normal dar, sagen sich wohl die meisten und schieben das Thema zur Seite – mit verheerenden Folgen. Zu kleine Links, zu verschachtelte Menüs, nicht funktionierende Mouse-Over-Effekte sowie Orientierungslosigkeit durch ständiges Ein- und Auszoomen sind die Folge. Somit können Entwickler vorhandene Software und Webseiten nicht eins zu eins auf das iPad übertragen, da sie entweder zu komplex oder die iPhone-Apps zu minimal erscheinen.
Konzepte für iPad-Apps müssen daher die goldene Mitte finden. Das iPad funktioniert gestenbasiert, darum müssen Entwickler eine iPad-App konsequent darauf ausrichten. Dazu kommt Apples Anti-Flash-Politik, die wohl die Einführung von HTML5 noch beschleunigen wird.
Apple hat sozusagen die Usability für Tablet-PCs und Touch-Only-Geräte neu erfunden und de-facto zum Standard erklärt. Einmal mehr – ist man geneigt zu sagen – wenn man sich an die Revolution bei den MP3-Playern mit dem iPod erinnert. Aber es gilt auch, die Apple Usability richtig zu interpretieren. Zum einen wird auf dem iPad mittels Gesten navigiert, Maus und Keyboard entfallen. Das verspricht eine komplett neue Haptik und die Bedienung wird vom Menschen als natürlicher empfunden.
Zum anderen hat Apple neue Bedienelemente eingeführt, die in den eigenen Anwendungen konsequent umgesetzt werden; beispielsweise die Wahl von Optionen aus Select-Trommeln oder die neue, aber äußerst intuitive Datums- und Zeitauswahl. Wie schwer sich E-Commerce-Anbieter beim adäquaten Integrieren in ihre Anwendugen tun, zeigt die iApp von LaRedoute [1]. Die Shopping-App des französischen Anbieters verwendet die Apple-Controls schon fast konsequent anders, als vom Erfinder gedacht. Diese Abweichungen muss man negativ bewerten, denn sie irritieren den User. So verwendet die genannte App beispielsweise im Checkout bei der Adresseingabe die Select-Boxen für die Anrede falsch. Oftmals sind auch die Eingabefelder als solche nicht zu erkennen, da sie das selbe Layout wie die Labels haben.
Eine ganz besondere Herausforderung bei der Entwicklung von Shopping-Applikationen für das iPad stellt die Halteweise dar. Der Seitenaufbau unterscheidet sich komplett – je nachdem, ob der Nutzer das iPad horizontal oder vertikal hält. Mehr Platz in der Breite wird oft dazu genutzt, die Navigation besser darzustellen. Hingegen wird die größere Höhe dazu verwendet, die Produktinformationen oder auch das Cross-Selling zu fördern, wie die beiden Screenshots aus der LaRedoute-Anwendung zeigen.
Thomas Lang

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