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Fidor-Chef Matthias Kröner: „Die Bank der Zukunft ist unsichtbar”

(Foto: Fidor Bank)

Als Fidor-Chef führt Matthias Kröner das wohl digitalste Bankinstitut in Deutschland. Im Gespräch mit t3n erklärt der 51-Jährige seine Vision vom Konto der Zukunft – und verrät, warum er keine Bitcoins besitzt.

Nein, auf klassische Banker ist Matthias Kröner wirklich nicht gut zu sprechen. Fragt man ihn nach den Verfehlungen der Branche, hagelt es Schimpftiraden. Innovationsfreude? Fehlanzeige! Die Werbespots der Großbanken? Unglaubwürdig! Der Berater in der Filiale um die Ecke? Nichts als ein getarnter Verkäufer mit Gewinnabsichten! So überrascht es kaum, dass der Fidor-Chef mit gängigen Regeln brechen und als Musterbeispiel für die Digitalisierung im angestaubten Bankgeschäft verstanden werden will. Sein Rezept: Eine engagierte Community gepaart mit dem offenen Plattformgedanken von Facebook.

Tatsächlich ist die Entwicklung der Fidor Bank beachtlich. 2003 nach einem Zerwürfnis mit seinem ersten Bank-Startup gegründet, hat Kröner – eigentlich gelernter Hotelfachmann – innerhalb eines Jahrzehnts die wohl innovativste Internetbank in Deutschland aufgebaut. Der Vergleich mit Facebook ist durchaus gewollt, denn: Statt einfach nur Kontostände abzurufen oder Überweisungen zu tätigen, können sich die 500.000 registrierten Nutzer auf der Website der Fidor Bank wie in einem Onlineforum austauschen. Jeder kann Fragen stellen, Finanzprodukte bewerten oder neue Ideen zur Verbesserung des Girokontos einreichen.

Der Clou: Jeder Ratschlag und jeder Tipp wird mit kleinen Geldbeträgen belohnt. Social Banking nennt das Kröner. Auf diese Weise will er besonders Otto Normalverbrauchern einen leichten Einstieg in das Thema Geldanlage verschaffen – und zeigen, dass Banking nach der Finanzkrise auch offen und transparent funktionieren kann. Dieses Mantra verfolgt die Fidor Bank sogar in technischer Hinsicht: Über die hauseigene Softwareplattform können Entwickler und Gründer eigene Bankanwendungen programmieren und an das Konto andocken. Wohin das führen soll? Matthias Kröner hat es uns in Berlin verraten.

t3n Magazin: Matthias, besitzt du eigentlich Bitcoins?

Matthias ­K­röner: Nein.

t3n Magazin: Warum nicht? Du bist doch ein Pionier im Fintech-Bereich – und Bitcoins gelten als das nächste große Ding.

Matthias ­K­röner: Zunächst einmal beschäftigen wir uns bei Fidor als eine der wenigen Banken in Deutschland schon ernsthaft mit Kryptowährungen. Seit zwei Jahren kooperieren wir mit dem Bitcoin-­Markplatz Bitcoin.de. Dass ich keine Bitcoins besitze, hat andere Gründe.

Und welche?

Matthias ­K­röner: Klassische Fehleinschätzung. Neulich kam auf einer Veranstaltung eine ehemalige Mitarbeiterin zu mir und meinte: „Herr ­Kröner, wissen Sie eigentlich noch, wie Sie mir vor drei Jahren geraten haben, die Bitcoins beim Kurs von 120 Euro zu verkaufen? Weil eine Blase droht?“ Asche auf mein Haupt.

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Eine Reaktion
puz65
puz65

Ich teile die Einschätzung des Fidor-Chefs zu Bitcoins nicht. Wie kann man den ernsthaft behaupten, Bitcoins seien bereits heute ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel, weil es von Verbrechern genutzt wird? Das ist ja eher ein Gegenbeispiel und dient vor allem der Geldwäsche. Habe vor kurzem eine Doku gesehen, in der jemand sein Bier in einer Berliner Bar mit Bitcoins gezahlt hat. Beim aktuellen Kurs umgerechnet 200 Euro für ein Bier! Für eine Währung sind Bitcoins viel zu volatil, und ich bezweifle, dass sich dies jemals ändern wird, und zwar aus Prinzip. Die größte Schwäche von Bitcoins ist, das deren Menge nicht an die Nachfrage/Wirtschaftsleistung gekoppelt ist, sondern an die Rechenleistung. Das macht Bitcoins nicht zu einer Währung, sondern zu einem Rohstoff wie Tulpenzwiebeln. Bitcoins sind also keine Revolution, sondern eher eine Restauration, wieder weg vom Fiatgeld. Demokratisch sind Bitcoins auch nicht. Es gibt keine Kontrolle durch eine demokratisch legitimierte Instanz wie eine Zentralbank, die mit geldpolitischen Massnahmen für Stabilität sorgen könnte. Es gibt insgesamt nur etwas mehr als 16 Millionen Bitcoins mit einem Wert von nichtmal 200 Mrd, Euro - Peanuts für die Big Player, und diese haben bereits jetzt immer mehr EInfluss auf den Bitcoin-Markt. Ein Bankenkonsortium könnte sich mühelos die Mehrheit an den Bitcoins sichern und so den Markt kontrollieren - somit wäre das eigentliche Ziel fehlgeschlagen, eine von Banken unabhängige Währung zu schaffen. Statt einer Währung , die von einer demokratisch kontrollierten Zentralbank gesteuert wird hätte man dann sozusagen eine von Privatbanken kontrollierte Währung - vermutlich aus China oder Japan. Auch das Bitcoins keine nationale Währung sind, bringt noch wesentlich mehr Probleme mit sich, als sie z.B. der Euro hat. Solange es keinen weltweit einheitlichen Wirtschaftsraum gibt, und die Transportkosten nicht marginal sind, scheiden Sie damit für reale Wirtschaftsgüter aus. Geld basiert auf Vertrauen - das plötzlich von sich aus Wirtschaftsverbände und Verbraucher Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn irgendwann Staaten Digitalwährungen einführen - wieso sollten es dann vom Ausland kontrollierte Bitcoins sein und nicht eine eigene Digitalwährung?

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