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Wie Social Media die Finanzwelt verändert

Aus dem
t3n Magazin Nr. 27

03/2012 - 05/2012

Wie Social Media die Finanzwelt verändert

Die Bankenbranche steht vor einem gravierenden Umbruch, der die bisher fast ausschließlich provisionsorientierte Vertriebsstruktur in Frage stellt. Soziale Netzwerke wie beschleunigen diesen Wandel.

Kaum eine Branche ist einem derart massiven Vertrauensverlust ausgesetzt wie die Banken seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Image und Reputation der Finanzdienstleister befinden sich global im Abwärtstrend. In diversen kanalisieren die Kunden ihren Frust und zeigen auf, was sie von einer kundenorientierten Bank heute erwarten, nämlich vor allem faire Gebühren und transparente Produkte ohne unverständliches Kleingedrucktes.

Einerseits verdeutlichen Facebook, Google+, Twitter und Co. den massiven Vertrauensverlust in der Finanzindustrie. Andererseits stellen gut informierte Verbraucher im Netz nicht nur das bisherige Geschäftsgebaren in Frage, sondern fordern auch mehr aktive Beteiligung und transparente Produkte.

In der Kritik steht dabei besonders das provisionsorientierte Vergütungsmodell, das aus einem vermeintlich neutralen Bankberater letztlich einen reinen Produktverkäufer macht, dessen beruflicher Erfolg nicht vom jeweils geeigneten Anlagetipp abhängt, sondern ausschließlich von der höchsten Provision. So kam es durchaus vor, dass Anlageberater über 80-jährigen Menschen in dieser späten Lebensphase noch längerfristige oder riskante Anlageprodukte wie Aktienfonds oder Zertifikate offerierten, die man selbst bei wohlwollender Betrachtung kaum als bedarfsgerecht einzustufen vermag.

Provisionen als Auslaufmodell

Geändert hat sich an dieser fragwürdigen Beratungspraxis freilich in den letzten Jahren aus Sicht der Verbraucherschützer kaum etwas. Die Anreizsysteme für Verkauf und Vertrieb sind nach wie vor dieselben. Es zählt das Endergebnis unter den Abschlüssen und nicht die individuell für den Kunden beste Anlageform. Aufgrund des gewachsenen Misstrauens halten die Nutzer im Internet nach besseren Informationen Ausschau – und sie tauschen sich vermehrt mit anderen Mitgliedern von spezialisierten Communities und Foren zum Thema Geldanlage aus.

Dadurch bröckelt die im Fachjargon als Informationsasymmetrie bezeichnete Dominanz der Bankenindustrie. Die Riege der Finanzdienstleister wiederum steht den sozialen Netzwerken meist abwartend bis passiv gegenüber. Zahlreiche Banken haben zwar mittlerweile eine Präsenz auf Facebook, Twitter oder Youtube etabliert. Jedoch scheut das Gros immer noch den direkten Dialog mit den Nutzern auf Augenhöhe – wohl wissend, dass die eigene Produktphilosophie das offene Gesprächsangebot nicht gerade fundamental begünstigt.

Wie eine Bank den Umgang mit Social-Media-Richtlinien nicht betreiben sollte, zeigte sich im vergangenen Jahr am Beispiel der Commonwealth Bank, dem zweitgrößten australischen Institut, das in ganz Asien und Ozeanien aktiv ist. Auf zwei Seiten gab das Institut eine Social-Media-Policy heraus, die harte disziplinarische Maßnahmen für den Fall vorsah, dass Mitarbeiter sich jenseits der Bürozeiten allzu intensiv in sozialen Netzwerken tummeln.

Vollends zum PR-Desaster entwickelte sich schließlich der wenig verhohlene Hinweis, Nutzer auch für die Aktionen ihrer Online-Freunde haftbar zu machen. In zahlreichen Presseberichten werteten die Kommentatoren dies als einen direkten Aufruf zur Bespitzelung von Kollegen, Familie und Freunden. Rasch sah sich das australische Institut gezwungen, eilends wieder zurück zu rudern und die Social-Media-Richtlinien gründlich zu überarbeiten.

Existenzkrise der Banken

Die Commonwealth Bank ist kein Einzelfall. An verlässlichen, neutral gehaltenen wissenschaftlichen Studien zum Umgang der Banken mit sozialen Medien mangelt es zwar noch, aber Branchenexperten vermuten, dass rund die Hälfte der Finanzinstitute den Umgang mit am Arbeitsplatz komplett untersagen. Die Institute begründen diese Politik der geschlossenen Festungsmauern in der Regel mit diversen gesetzlichen Regularien, dem Datenschutz und der (IT)-Compliance. Auf der Strecke bleibt dabei die notwendige größere Dialogbereitschaft mit dem Kunden, die aufzeigt, dass die Branche grundlegende Lektionen aus der Finanzkrise gelernt hat und zum inneren Wandel bereit ist.

Kurzum, Social Media im Bankenbereich ist nur dann ein nützliches Instrument, wenn die Produkte dahinter stimmen. Ansonsten belässt es die Branche lieber bei dem alt bekannten Motto: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Das aber funktioniert, wie am Beispiel der Commonwealth Bank zu sehen, nur mit einem indirekten Maulkorb oder gar Bespitzelungsauftrag an die eigenen Mitarbeiter bis in den privaten Freundeskreis hinein. So entsteht kein produktives Arbeitsklima, geschweige denn eine innovative Unternehmenskultur.

Nicht von der Hand zu weisen ist angesichts einer strikten Festungsmentalität der Umstand, dass die jüngere Generation an aufstrebenden Spezialisten sich anderen Arbeitgebern zuwenden könnte, die nicht auf einer derart fragwürdigen Social-Media-Policy aufbauen, sondern sich stattdessen für den konstruktiven Dialog mit allen relevanten Gruppen öffnen. Gerade für global operierende Großbanken scheint diese Zielmarke jedoch weit entfernt, wenn hier nicht in einer komplexen Matrixorganisation ein allgemeiner Wertewandel einsetzt.

So stellt die Bank of America (BofA) ein weiteres drastisches Beispiel für einen nur vordergründig gepflegten konstruktiven Dialog via Social Media dar. Bereits im Jahr 2009 hatte sich eine langjährige Kundin über deutlich erhöhte Überziehungszinsen für die Kreditkartennutzung beschwert. Und zwar via Youtube, eine Videobotschaft, die immerhin mehr als eine halbe Million Mal angeklickt wurde. [1]

Die Reaktion der BofA lief zunächst nach dem eingespielten Motto ab: man hält den Kunden hin, statt auf ihn zu hören und aus dessen kritischem Feedback zu lernen. Am Ende gewann in diesem seltenen Fall ausnahmsweise mal die Kundin, vor allem weil die Medien, wie etwa die Huffington Post, auf den Fall aufmerksam wurden und die BofA zum Einlenken zwangen. [2]

Ebenfalls betroffen von einem Shitstorm war die Deutsche Bank. [3] Aufgrund der unklaren Haltung zur Nahrungsmittelspekulation geben zahlreiche Nutzer bis heute auf Facebook & Co. negativen Kommentare ab. Derartige Beispiele zeigen, das alte Geschäftsgebaren einer Black Box namens Bank wird künftig immer seltener funktionieren.

So titelte die Financial Times Deutschland im vergangenen Herbst anhand des neuerlich in den medialen Fokus geratenen Gebührenmodells der BofA folgerichtig: „Kunden zwingen US-Bank zum Einlenken“. Nach öffentlichem Druck knickte die Großbank erneut ein. [4]

Die Schlussfolgerungen aus den aktuellen Geschehnissen sind offensichtlich. Der Proteststurm verlagert sich neben den klassischen Medien immer mehr in die sozialen Netzwerke hinein. Verändern sich die Banken nicht, wird sich der schleichende „Braindrain“ von innen wie von außen fortsetzen. Davon profitieren in den USA kleinere Community-Banks, die etwa den deutschen Volksbanken und Sparkassen entsprechen.

Auf die Gewinnerseite rücken zudem moderne Online-Banken wie Ally oder die noch relativ junge Bank Simple, die sich mit effizienten Dienstleistungen und niedrigen Gebühren am Puls des Kunden positioniert haben. Banksimple hat sich beispielsweise auf die Fahne geschrieben, die kundenfreundlichere Bank zu sein. Man will mit Transparenz und Einfachheit punkten. Banksimple verfügt zwar über keine eigene Lizenz für Bankgeschäfte, arbeitet aber mit anderen Banken zusammen, um ihren Kunden die entsprechenden Dienstleistungen bieten zu können.

Moderne US-Banken wie die Bank „Simple“ bieten ihren Kunden unter anderem Online-Tools und mobile Apps, die dabei helfen, die eigenen Finanzen besser im Blick zu behalten.

Auch in Deutschland haben findige Finanzleute die Unzufriedenheit vieler Kunden erkannt und kleine Banken gegründet, die einen neuartigen Fokus verfolgen. Ein Beispiel dafür ist die EthikBank, die sich auf „ethisch-ökologische Girokonten, Geldanlagen und Kredite“ spezialisiert hat. Diese neuartigen Banken werden wachsen, während andere hoffen, nicht zu schrumpfen.

So nutzen Banken Social Media

Doch es gibt auch positive Vorbilder, die zeigen, wohin sich die Bankenwelt mit Hilfe von Social Media künftig hinbewegen könnte. Während die meisten Banken es bislang bei einer bloßen Kontaktpräsenz auf Facebook belassen, geht etwa die neuseeländische ASB Bank einen Schritt weiter. Das besondere Element an dieser weltweit ersten „Facebook-Bankfiliale“ ist, dass die Kunden sich mit „echten“ Bankberatern sieben Tage in der Woche über ihr konkretes Anliegen austauschen können.

Die ASB Bank setzt dabei auf eine Chat-Anwendung als Facebook-App. Die Mitarbeiter, die für ein virtuelles Gespräch jeweils zur Verfügung stehen, sind entsprechend gekennzeichnet. Ein Klick auf einen freien Mitarbeiter öffnet den Dialog. Eine komplizierte Anmeldung ist dafür nicht erforderlich. Das Gespräch selbst wird offenbar nicht aufgezeichnet. Dadurch soll die Netzgemeinde sich auf Augenhöhe mit der Hausbank fühlen.

Die bisherigen Erfahrungen hätten, so bilanzieren es jedenfalls die Verantwortlichen, bereits widerlegt, dass die Kundschaft mit einem gewissen Fremdeln auf das virtuelle Bankbüro reagiere. Mehr noch: Laut Einschätzung der ASB Bank konnte man die Kundenbeziehung durch das neue Angebot sogar deutlich intensivieren und festigen. Die Kunden erlebten ihre Bank als „cool“ und auf der Höhe der Zeit.

Natürlich ersetzt eine dialogorientierte Chatanwendung auf Facebook noch kein zukunftsweisendes Geschäftsmodell. Manche Kunden wittern dahinter einen neuen Versuch, sie aufs Glatteis zu führen, durch eine bunte Bilderwelt und harmlos daher kommende Apps, die über mobile Geräte von jedem Ort aus den direkten Zugriff auf das Online-Konto und alle übrigen Finanzinformationen ermöglichen.

Wer mischt vorne mit in der interaktiven Bankenwelt?
  • Die Deutsche Bank stellt über verschiedene Social-Media-Plattformen aktuelle Informationen bereit. Dazu gehören „Tweets“, aktuelle Videos und Bilder sowie abonnierte Nachrichten über personalisierte Kanäle. Eine strategisch positionierte Social Media Unit befindet sich jedoch erst noch im Aufbau (http://www.db.com/de/content/company/social_media.htm).
  • Ing-DiBa: Deutschlands größte Direktbank hat die innovative Plattform „finanzversteher“ (www.finanzversteher.de) etabliert. Neben Basisinformationen über Risiken und Chancen einzelner Anlageklassen gibt es dort einen „Geldautomaten-Radar“, aktuelle Nachrichten über ein regelmäßig gepflegtes Blogformat sowie ein Youtube-Fernsehzimmer.
  • GLS Bank: Der strategische Ansatz der Ökobank über diverse Social-Media-Kanäle besteht darin, eine Konsistenz in der Innen- und Außendarstellung jenseits von reinem Marketing herzustellen, durch ein permanent gepflegtes Dialogsystem, verortet in einer konstruktiv-offenen Öffentlichkeitsarbeit. Voraussetzung: Support aus der Chefetage.
  • Fidor Bank: Die Münchner gelten auch im internationalen Vergleich als eine der weltweit innovativsten Geldhäuser. Die Fidor Bank AG setzt dabei konsequent auf die Wirkmechanismen des Web 2.0. Für Interaktion und Kommunikation nutzt die Bank neben einer eigenen stetig wachsenden Community alle gängigen Social Media Plattformen, beispielsweise Twitter, Xing, YouTube und Facebook.
  • ASB Bank (Neuseeland): Chat-Anwendung als Facebook-App. Vorteile: Virtuelle Kundenberater zum Anfassen schaffen eine zweite Erlebnis- und Kommunikationsebene zur Bankfiliale. Die Netzgemeinde fühlt sich auf Augenhöhe mit der Hausbank. Aktive Rückkoppelung schafft Mehrwert und erhöht Kundenbindung.
  • Caja Navarra (Spanien): In seinem persönlichen Konto (Civic Banking) kann jeder Kunde bis zu drei soziale Vorhaben mit bis zu 30 Prozent seines Depotgewinns fördern. Nutzer können sich auch gegenseitig Geld leihen. Im Gegenzug erhält das Mitglied detaillierten Zugriff auf alle Informationen, wofür die Bank ihre Mittel konkret einsetzt.

Überzeugen statt Überreden

Ein vordergründiger Versuch der übertünchten Fassadenpflege verspricht indes kaum mehr Erfolg bei der Kundensuche oder -bindung. Wer Social Media nur als reinen Werbe- und Vertriebskanal ansieht, der dürfte durch den Kunden eines Besseren belehrt werden, denn diese Philosophie funktioniert in einer „nutzerzentrierten“ Umgebung nicht so recht, weil gerade in sozialen Netzwerken der Kunde selbst eine Art von „sozialer Killerapp“ darstellt, die bei jeder noch so kleinen Fehlentwicklung wie ein Frühwarnsystem vor einem Erdbeben ausschlagen kann.

Aus diesem Grund sind jene Finanzinstitute im Vorteil, die ihr Geschäftsmodell nicht nur kritisch überdenken, sondern in der Lage sind, ihre Produkte neu auszurichten. Schaut man sich entsprechende Vorbilder in Deutschland an, so stechen vor allem jene Banken hervor, die auf ernsthafte Art und Weise den Dialog mit den Kunden aufnehmen. Dazu gehört beispielsweise die auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierte GLS Bank, die seit Jahren mit den Kunden intensiv über Twitter, Facebook, Blog oder Youtube kommuniziert.

Weitere Innovationstreiber stellen jene „Social Banks“ der zweiten internetbasierten Generation dar, die Social Media als integratives Gen in ihr alltägliches Geschäftsgebaren notwendigerweise bereits integrieren. Denn die sozialen Medien entwickeln sich in naher Zukunft in der Bankenwelt zur Schnittstelle der technischen Umsetzung von Mobile Banking, virtuellen Währungen, Peer-to-Peer-Lending oder Elementen von Crowdfunding.

Zu den innovativen Vorreitern auf diesem Gebiet gehört beispielsweise die Münchner Fidor Bank AG, die sich laut eigenem Bekunden als das erste vollständig „Web 2.0-basierte Finanzinstitut“ einstuft. Tatsächlich wird dort vieles sichtbar, was den neuen Kosmos einer nutzerzentrierten Bank ausmachen könnte, mit der Einschränkung, dass es wohl global kein Institut gibt, das eine vollständige Transparenz nach innen wie nach außen offeriert.

Die deutsche Fidor Bank ist eine der Vorreiterinnen unter den modernen Geldinstituten. Die Münchner setzen zur Interaktion und Kommunikation auf soziale Kanäle wie Facebook, Twitter und Google+.

Dennoch gilt die Fidor Bank als wegweisend, wenn es um den richtigen Mix von moderner Technik und aktiver Kommunikation geht, und zwar oben bei der Geschäftsleitung angefangen, bis hinein in die intensive Auseinandersetzung zu Geldanlagen unterschiedlichster Typen, die überwiegend in den Community-Foren erfolgt. Hinzu kommen technisch anspruchsvolle Applikationen, wie bei der Fidor Bank eine eWallet zum (mobilen) Geldtransfer, der direkt zwischen den Nutzern erfolgen kann.

Die Banken zögern

Das virale Netzwerkmanagement stellt für die hoch regulierte Bankenbranche eine große Herausforderung dar, weil gerade dort strikte Regeln und Vorschriften dominieren, was den ungehinderten Dialog deutlich erschwert. Soziale Netzwerke stellen den bis dato praktizierten reaktiven Ansatz in Frage, sich vor allem auf die passive Beobachtung und Trendanalysen in Social-Media-Tools zu beschränken. Aufgrund der hohen Risiken für Image und Reputation bis hin zur Betriebsspionage und dem drohenden Datenverlust ziehen es deshalb die meisten Institute vor, sich nicht allzu intensiv auf das als „indiskret“ empfundene Glatteis von Social Media zu begeben, um ihre sorgsam gehütete Innenwelt nach außen zu kehren.

Die von vielen Banken – unabhängig von ihrer Größenordung – als zu anspruchsvoll empfundene Aufgabe bestünde darin, das in den internen Managementsystemen und Personen vorhandene Wissen einzubinden und die jeweiligen Teilsysteme mit den Regelwerken einschließlich aller Aspekte rund um die Compliance mit sozialen Netzwerkaktivitäten zu synchronisieren. Jedoch wird sich an dieser Stelle schwerlich eine vollständige Deckungsgleichheit zwischen den Absichten und Zielstellungen des Unternehmens sowie den Interessen der Nutzer herstellen lassen. Die Auflösung dieses inhärenten Widerspruchs setzt folglich ein hohes Maß an innerer wie äußerer Souveränität im Umgang mit kaum zu vernachlässigenden Zielkonflikten voraus.

Profit aus Social Media

Andererseits kann das Top-Management die Nutzung von sozialen Medien auch als Instrument zur Herbeiführung eines sozialen Wandels im eigenen Geschäftsgebaren begreifen und die ergebnisoffene Interaktion mit Interessenten und Kunden in den Mittelpunkt rücken. Dies zieht jedoch auch den Auftrag nach sich, neben einer technischen und einer organisatorischen Ebene eine weitere „soziale“ beziehungsweise „kommunikative“ Ebene (Social Layer) zu etablieren, die sich durch die gesamte Internetumgebung der Bank hindurch zieht. Dieser Social Layer bindet alle relevanten Informationskanäle mit ein, um „user generated content“ durch individuelle Bewertungen, Empfehlungen und weitere rückkoppelbare Elemente in die neu gestaltete Implementierung zu integrieren.

Die positive Folgeerscheinung eines umsichtig und sorgsam agierenden Social Media Managements zögen ein verändertes, deutlich offeneres Darstellungsprofil der Bank nach sich, statt einer vom Nutzer oftmals als „Black Box“ wahrgenommenen Institution, bei der sich alle wichtigen Entscheidungen hinter den Kulissen abspielen. Demgegenüber rücken durch den Social Media Manager auch Kundenberater „zum Anfassen“ nach vorne, die mit ihrer offenen Visitenkarte überzeugen und punkten. Das Bindeglied dazu stellen schließlich grade jene sozialen Medien und Netzwerke dar, mit dessen Hilfe das Team eine produktive Brücke zwischen Binnenkosmos und Außenwelt schlagen kann.

Letztlich geht es beim Social Media Management im Finanzbereich zum einen darum, verloren gegangenes Vertrauen (zurück) zu gewinnen. Zum anderen geht es darum, eine eigene kundenzentrierte Markenwelt im Netz zu kreieren. Mit „fakes“ allein funktioniert letzteres sicherlich nicht. Sofern die schöne neue Bankenwelt nur ein Blendwerk und eine Marketingfassade darstellt, wenden sich die Aktivitäten sogar direkt gegen den Urheber derartiger Kampagnen.

Neue Player als Finanzdienstleister

Wenn etablierte Finanzdienstleister sich lediglich damit begnügen, Fans mit Gewinnspielen via Facebook & Co. „einzukaufen“, dürfte ihre Strategie allenfalls kurzfristig von Erfolg gekrönt sein. Mittel- und langfristig im Vorteil sind all jene Institute, die sich einem permanenten Dialog öffnen, ohne dabei das eigene geschäftliche Interesse komplett zu verleugnen oder kleinlaut auszublenden. Beiderseitige Fairness lautet das Gebot der Stunde in sozialen Netzwerken.

Eine in ihrem Produktdesign und der gesamten Wertschöpfungskette durch produktive Einbindung des mündigen Finanzkunden stärker dehierarchisierte Unternehmensstrategie wäre das neue Idealbild, bei der die Masse der Kunden nicht mehr das letzte Rad am Vertriebswagen darstellen.

Dies wäre nicht zuletzt deshalb wichtig und richtig, weil die Wechselbereitschaft bei den Bankkunden enorm zugenommen hat, was binnen kürzester Zeit zu einer schleichenden oder gar beschleunigten Kundenabwanderung führen kann. Hinzu kommt, dass insbesondere die führenden Innovatoren aus der IT-Industrie wie Google, Amazon, Facebook, Paypal und andere durchaus in der Lage sind, eine neue Generation von (mobilen) Bezahlmodellen im Netz zu starten und über bereits etablierte Absatzwege in kürzester Zeit in den Massenmarkt zu treiben.

So wird nicht nur Google, dass sogar über eine europäische Banklizenz verfügt, das mobile Bezahlen ermöglichen, etwa per Google Wallet und NFC. Facebook Apps werden mit Facebook Credits und dadurch mit Kreditfunktionen kombiniert. Paypal verfügt über eine Vollbanklizenz und könnte dem Markt der Internetbezahlverfahren so erneut einen Schub verleihen. Auch andere IT-Größen aus dem geschäftlichen Umfeld könnten vorrücken. Und von der Basis der Finanzverbraucher aus rücken in diesem Jahrzehnt neue Innovationstreiber nach vorne, die sich mit Begriffen wie Community Banking, Social Lending und Banking sowie Crowdfunding (siehe Artikel ab Seite 72) verbinden. Diese üben einen nicht unerheblichen strategischen Innovationsdruck auf die gesamte Branche aus, wobei aus Sicht der klassischen Direktbanken der Wettbewerbsvorteil gegenüber den um soziale Medien angereicherten neuen Akteuren schrumpfen wird.

Illustriert werden kann der damit verbundene Weckruf am Fallbeispiel von Nokia, ein Unternehmen, das zu Beginn dieses Jahrtausends immerhin den Mobilfunkmarkt dominierte. Nur wenige Jahre später war der finnische Konzern wieder von der Spitze der Innovationspyramide verdrängt, um heute in der Partnerschaft mit dem „großen Bruder“ Microsoft sein Heil zu suchen. Die gelernte Lektion: Wer die Klaviatur der neuen Spielregeln auf Augenhöhe mit dem Kunden möglichst kreativ beherrscht, konsequent integriert und fortlaufend anwendet, der wird sich in diesem Jahrzehnt einen signifikanten strategischen Wettbewerbsvorteil erarbeiten können, den andere nicht so leicht kopieren können, wie dies vielleicht bald schon bei einer kostengünstigen Anwendung für das Onlinebanking mit attraktiven Konditionen beim Tages- oder Festgeld der Fall sein wird.

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2 Antworten
  1. von Christine am 24.09.2012 (10:07 Uhr)

    Solange es Bloomberg & Reuters gibt und beide Einzel-Lizenzen zusammen einen entspannten hohen 4 stelligen Betrag (im Monat!) kosten, kann mir niemand etwas zur Aufhebung der Informationsassymetrie erzählen. Daran ändert Social Media auch nichts.

    Oder welcher Anleger berechnet sich zu Hause die Spreads im Excel Sheet aus tausenden im Netz schwirrenden Informationen?

    Für normales, "langweiliges" Banking mag sich online hervorragend mit Social Media ergänzen (s. diverse Vergleichsportale), aber wer mehr möchte als ein Geldkonto mit Kreditkarte, ist besser beraten, nicht bei Sharewise zu schauen, sondern lieber einen Vermögensberater seines Vertrauens zu suchen (und merke: Dienstleistungen, die im ersten Schritt nichts kosten, bezahlt mal später umso bitterer mit schlechten Produkten, weil es für die mehr Provision gibt) oder schlicht und ergreifend auf spekulative Geschäfte zu verzichten (merke hier: Zins entspricht Risiko; ein "langweiliges", konservatives Produkt mit aktuell mehr Rendite als 4% ist genauso seriös wie ein Bausparvertrag für 80 jährige).

    Wer dennoch sein Portfolio aktuell einzig anhand von online Empfehlungen anderer Laien und einer Handvoll Analysten zusammenstellt, sollte später nicht jammern, dass seine Risikostreuung nicht stimmt, eine Diversifikation im Portfolio nicht auseichend vorhanden ist und er Produkte gekauft hat, die er eigentlich nicht versteht....

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  2. von Björn am 24.09.2012 (17:59 Uhr)

    Ich sehe keine Veränderung. Ich sehe Ergänzungen und neue Konzepte. Die Veränderungen werden wohl erst kommen wenn die Kundschaft ebenfalls umdenkt. Ist es in Deutschland nicht so das es keinen Unterricht zum Thema Finanzen gibt und das Kunden nicht einsehen für ordentliche Beratung zu bezahlen? Die hier angesprochenen Banken können (müssen aber nicht) in meinen Augen Wegweiser für die ganze Branche sein. Erinnere ich nur mal daran wie die ING-DiBa das Sondertilgungsrecht bei den Baufinanzierungen etablierte und die Kundschaft es angenommen hat bzw. dies dann auch bei den regionalen Banken eingefordert hat! Ich frage mich zum Beispiel warum Kunden immer noch für Ihre Girokonto bezahlen? Es gibt genug kostenfreie gute Angebote. Hoffen wir mal das Social Media schneller gute Veränderungen bewirkt.

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