Freie Software und Open Source, die Online-Enzyklopädie Wikipedia, Peer-to-peer-Netzwerke und Internet-Tauschbörsen oder die Ansätze zum „Bürgerjournalismus“ in der Blogger-Szene: All die Phänomene haben Gemeinsamkeiten. Es scheint, als sei in ihnen gewissermaßen dieselbe Handschrift zu erkennen, die letztlich auf die schnelle Entwicklung der Computertechnik zurückgehen. Drei Faktoren lassen sich dabei ausmachen.
Erster Faktor: Das kinderleichte Kopieren
In der digitalen Welt ist es extrem einfach geworden, Information zu kopieren und zu vertreiben. Es geschieht ständig während des normalen Betriebs eines Computers, es ist geradezu seine Grundoperation: Um ein Programm auszuführen, muss es von der Festplatte in den Arbeitsspeicher kopiert werden. Um ein Musikstück anzuhören, müssen die Bits von der CD ebenfalls in den Arbeitsspeicher und von dort in die Soundkarte kopiert werden. Zur Einfachheit des Kopierens tritt die Tatsache, dass es für Daten, gleich welcher Art, inzwischen ein planetares Informationsnetz gibt, dessen Kosten gesamtgesellschaftlich amortisiert und nicht auf die einzelnen Datentransfers umgelegt werden. In der Folge ist eine Situation entstanden, die es historisch so noch nie gegeben hat: Eine Situation, in der prinzipiell jede Information jedem Erdenbürger augenblicklich zur Verfügung stehen kann, ohne dass direkte Kosten entstehen. So neu und ohne Beispiel die Situation auch sein mag, gehen die Menschen doch äußerst gelassen und selbstverständlich mit ihr um. Da praktisch keine Kosten damit verbunden sind, gehört es heute zum guten Ton, einander an den Bits, über die man verfügt, teilhaben zu lassen. Wer die Bitte „Machst du mir mal eine Kopie davon?“ mit dem Hinweis auf die Rechtslage ablehnt, dürfte wenigstens für ziemlich wunderlich gehalten werden. Den Zugriff auf eine Ressource zu verweigern, mit dem keine erkennbaren Kosten verbunden sind, scheint sehr grundlegenden menschlichen Instinkten zu widersprechen.





