Die Industrie hat das durchaus erkannt und versucht nach Kräften, die Menschen umzuerziehen. In Kinospots werden unbescholtene Familienväter in Handschellen abgeführt, um die Ansicht „Raubkopierer sind Verbrecher“ durchzusetzen. „Gedankendiebe“ war das Thema eines bizarren Filmwettbewerbs, zu dem die Firma Microsoft Teenager in Großbritannien einlud. Ob es den Konzernen gelingen wird, sich auf diese Weise neue Menschen, das heißt gefügige Kunden zu schaffen, ist allerdings fraglich.
Dabei sind mit den Bits durchaus Kosten verbunden, nämlich die ihrer Erschaffung durch Künstler, Programmierer, Journalisten, Wissenschaftler und so weiter. Da die Herstellung und das Aneignen einer Kopie jedoch derart einfach geworden sind, werden die vertrauten Vorgänge bald nicht mehr die Basis für die Entlohnung der Bitschaffenden sein können – es sei denn, die Kopiervorgänge und Datenwege würden derart stark reglementiert und die Re- glementierung derart drakonisch überwacht, dass es die technische Entwicklung ad absurdum führen würde.
Richard Stallman, der Begründer des GNU-Projekts und der Idee der Freien Software, verglich die Situation mit einer Raumstation, in der für die Bewohner Sauerstoff produziert werden muss. Eine Möglichkeit, die Sauerstoffproduktion gerecht zu finanzieren, bestünde darin, den Bewohnern Gasmasken mit Volumenzählern aufzusetzen und jeden nach der Menge Sauerstoff, die er einatmet, bezahlen zu lassen. Das wäre freilich eine bizarre Gesellschaft und sie würde zudem auch nur funktionieren können, wenn es eine Geheimpolizei gäbe, die überwacht, dass niemand etwa die Gasmaske abnimmt und „einfach so“ atmet. Sinnvoller und fast genauso gerecht wäre Stallman zufolge zum Beispiel eine Sauerstoffsteuer, mit der die Kosten auf die Bewohner umgelegt werden und damit die Gasmasken erspart.
Zweiter Faktor: Kommunikation und Kooperation
Der zweite gemeinsame Faktor der jüngsten Entwicklungen ist, dass sie alle auf hochgradig dezentraler, selbstorganisierter Kommunikation zwischen Individuen beruhen. Es ist die stetige und durch die Gegebenheiten im Internet praktisch kostenlose Kommunikation in Mailinglisten, Chaträumen und Diskussionsforen, die die Kooperation erst ermöglicht, ohne die Projekte wie GNU/Linux oder Wikipedia nicht denkbar wären.






