von André Spiegel, 04.09.2007

Kopien verändern die Welt: Die Befreiung der Information

Aus dem
t3n Magazin Nr. 9

Das Internet hat nicht nur die Kommunikationsinfrastruktur des Planeten auf eine neue Grundlage gestellt, es verändert auch die Wege der Kommunikation. Am Ende des 20. Jahrhunderts bestanden die Wege vor allem aus 1-zu-1-Beziehungen (individuelle Kommunikation per Brief oder Telefon), oder aus 1-zu-n-Beziehungen (den klassischen Massenmedien, bei denen wenige, staatlich zugelassene „Sender“, also Fernsehstationen, Zeitungen oder Radiosender, die „Vielen“, d. h. die Bevölkerung, mit Informationen versorgen). Das Internet bringt demgegenüber zunehmend n-zu-n-Beziehungen hervor, bei denen prinzipiell jeder zum Informationslieferanten für viele werden kann. Beispiele dafür sind Nachrichtendienste wie Slashdot, Kuro5hin oder Digg. Hier reichen die Leser selbst Beiträge ein, die dann von einer Redaktion gesichtet und ausgewählt werden, beziehungsweise über deren Publikation wiederum die Leser selbst in einer Abstimmung entscheiden. Auch das Projekt WikiNews, eine Wikipedia-Schwestersite, versucht, das Wiki-Prinzip auf klassische Nachrichten anzuwenden. Rapide an Bedeutung gewinnt auch die Szene der Weblogs beziehungsweise der Blogger. In der Zukunft wird ein Nutzer Informationen über ein Ereignis vielleicht vor allem dadurch einholen können, dass er sich anschaut, was die Augenzeugen vor Ort in ihren Weblogs zu sagen haben.

Im Umfeld der Free Software Foundation (FSF) wird noch weiter gedacht: Schon heute ist der Preis, den der Einzelne für die Anbindung an das weltweite Kommunikationsnetz bezahlen muss, zumindest in den westlichen Gesellschaften sehr stark gesunken. Er könnte aber buchstäblich bei Null liegen, wenn die Technik der drahtlosen Vernetzung, heute bekannt unter den Namen WiFi beziehungsweise WLAN, konsequent ausgenutzt würde. Das Netz könnte dann weitgehend ohne physische Infrastruktur, das heißt ohne Kupfer- und Glasfaserkabel im Boden, aufgebaut werden. Es würde sich, entsprechende Software vorausgesetzt, vollkommen selbst regulieren können. Schon heute gibt es in den meisten Metropolen der Welt Bürgerinitiativen, deren Mitglieder ihre ohnehin vorhandenen Internet-Zugänge per Funk frei für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Die Stadt San Francisco plant, in Kürze allen ihren Bürgern einen kostenlosen, drahtlosen Internet-Zugang anzubieten. Die Gebühren, die anderswo für die Erlaubnis, einen Hotspot zu benutzen, aufzubringen sind, wirken vor diesem Hintergrund anachronistisch – sie werden mittelfristig keiner realen Ressource, die „knapp“ und somit verhandelbar wäre, mehr entsprechen.

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