Die Tatsache, dass es sich viele Menschen offenbar leisten können und auch leisten wollen, bei freien, das heißt gemeinnützigen Projekten wie GNU/Linux oder Wikipedia mitzuarbeiten, ohne dabei unmittelbar an Bezahlung zu denken, ist vielleicht der erstaunlichste Aspekt der Bewegungen. Es handelt sich bei ihnen keineswegs nur um reiche Philantropen oder um Studenten, die von den Eltern finanziert werden – die meisten von ihnen sind eher in den mittleren Einkommensklassen zu finden und würden mitnichten behaupten, ihre finanzielle Situation sei in irgendeiner Weise „entspannt“. Ihr Engagement dürfte eher unbewusst motiviert sein und nur indirekt darauf hinweisen, dass sie offenbar über die nötigen Ressourcen vor allem an Lebenszeit verfügen. Was das Engagement für sie so attraktiv macht, ist wahrscheinlich, dass sie der kapitalistischen Gesellschaft mit ihrer Erwerbsfixierung, ihrer abhängigen Beschäftigung und ihrer entfremdeten Arbeit zumindest punktuell entgehen können. Es macht ihnen großen Spaß, ein Problem zu sehen und es zu lösen, ohne es zu müssen.
Folgt man der Argumentation, die zum Beispiel Eric S. Raymond vorgeschlagen hat, dann ist die Entwicklung wahrscheinlich mit dem allgemeinen Zuwachs an Wohlstand zu erklären. Es ist gewissermaßen die Dividende der technischen Weiterentwicklung, die sich im 20. Jahrhundert in bislang beispielloser Weise beschleunigt hat. Kulturkritiker fragen, wo eigentlich die ganze Zeit geblieben ist, die durch Erfindungen wie die Waschmaschine und das Interkontinentalflugzeug eingespart wurde. Eine Antwort ist möglicherweise, dass sie heute in Projekten wie GNU/Linux oder Wikipedia steckt – Arbeiten, die nicht mehr der direkten wirtschaftlichen Existenzsicherung dienen.






