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Body-Hacking: Ich, einfach unverbesserlich

    Body-Hacking: Ich, einfach unverbesserlich

(Foto: Jan Helge Petri)

Elektroden, Chips, Magneten – mit verschiedenen Mitteln wollen Forscher und Hacker den menschlichen Körper verbessern. Doch wie ist das so als besseres Ich?

Klack. Klack. Klackklack. So hallt es durch das Krankenhauszimmer, in dem ich sitze. Seit einigen Sekunden schon drückt der Neuropsychologe Zsolt Turi konzentriert auf den Knöpfen seiner Plastikbox herum. Die Box hat die Größe eines sattbelegten Baguettes, nur leider versprüht sie keinerlei kulinarische Attraktivität. Eher schon Spannung und den leicht scharfen Geruch von Gefahr. „Are you ready?“, fragt mich Turi. Ich schaue mich nochmal um. Schon absurd.

Ich sitze auf einem Stuhl mit lila-grauem Polster. Ich starre auf eine grau-weiße Wand. Links von mir hängt ein Poster eines Wasserfalls, das bemüht die klinische Tristesse brechen soll. Und dann wären da noch die Elektroden an meinen Kopf. Vier Kabel verbinden sie direkt mit dem Kasten. Über sie wird Turi gleich Strom durch mein Gehirn jagen. Wie soll man darauf vorbereitet sein? „Ok“, sage ich. Klack.

(Foto: Jan Helge Petri)

Kurz darauf bohrt sich ein heißer, spitzer Stich in meine Stirn. Es schmerzt ein wenig. „Was sehen Sie?“, fragt mich Turi und als ich mich umschaue, merke ich, wie das Licht im Raum zu flackern beginnt. Hell, dunkel, hell. Ein Metallgestänge, das rechts von mir steht, beginnt zu leuchten. Ich beschreibe meine Eindrücke, Turi nickt nur. Er wartet noch ein paar Sekunden, mit einem weiteren Knopfdruck stellt er den Spuk ab. Langsam dimmt sich das Licht. Meine Premiere in Sachen Body Hacking endet.

Cyborg, Transhumanismus, Mensch-Maschine – viele Worte gibt es für die gleiche Idee, die Künstler, Hacker und Forscher wie Turi hegen. Dass da doch mehr gehen müsste. Dass Technik unsere Sinne und unsere Fähigkeiten auf ein neues Level bringen kann. Dass sich unser Körper permanent oder temporär erweitern oder verbessern ließe. Um zu verstehen, was das für den Mensch bedeutet, habe ich mich auf ein Experiment eingelassen, es nennt sich transkranielle Hirnstimulation. Doch weil mir mein Hirn lieb und teuer ist, lasse ich anstatt eines Brain Hackers im Selbststudium lieber Zsolt Turi an mich heran, einen anerkannten Forscher. Der Nervenkitzel ist auch so groß genug.

Unter Strom beim Body-Hacking

Im Verlaufe des Vormittags wird mich Turi einige Male unter Strom setzen und die Nervenzellen in meinem Auge und meinem Gehirn manipulieren. Mal lässt er das Licht in verschiedenen Rhythmen flackern, mal beginnt der Raum zu schwanken wie bei einem Erdbeben. Und jedes Mal, wenn ich verwirrt beschreibe, was ich sehe, beginnen er und seine Kollegen zu feixen wie eine Runde Pubertierender auf dem Pausenhof. „Wir haben das schon seeehr oft mit uns selbst ausprobiert“, sagt Turis Kollege Ivan Alekseichuk und grinst.

tMS, tACS, tDCS - kryptische Kürzel bezeichnen die Methoden, die die Forscher an der Uniklinik Göttingen nutzen, um das menschliche Hirn zu hacken. Ob Magnetismus, Wechselstrom oder Gleichstrom - wenn einem der Forscher ein neuer Versuch einfällt, dauert es nicht lange, bis einer von ihnen sich selbst zum Versuchskaninchen macht.

Anfangs war die Hirnstimulation dazu gedacht, Kranken zu helfen. Nach einem Hirnschlag sollten Patienten wieder schneller Bewegungen lernen. Migränepatienten sollten seltener Attacken bekommen und wenn, dann schwächere. Bald zeigte sich aber, dass auch Gesunde profitieren. Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, mathematisches Denken oder gar das Lernen von einfachen Klavierstücken - all das ließ sich bei Probanden mit Hirnstimulation verbessern. Erste Startups bieten bereits Neurostimulatoren für den kommerziellen Markt an. Das amerikanische Basketballteam der Golden State Warriors experimentiert beispielweise im Training mit Geräten der Firma Haloneuro. „Die Effekte sind klein, aber sie sind da“, sagt der Psychologe Walter Paulus, der die Göttinger Forschungsgruppe leitet. Und so könnte auch meine Reaktionszeit gesenkt, meine Performance um bis zu zehn Prozent gesteigert werden. Der nächste Schritt also im ewigen Höher, Schneller, Weiter.

Der Mensch ist schon immer unzufrieden mit seinem Körper und wollte stets den Makel ausgleichen. Der Neurophilosoph Andy Clark spricht gar davon, dass der Mensch ein „natural born Cyborg“ ist. Denn Werkzeuge wie Faustkeil, Hammer oder Tennisschläger haben uns nicht nur geholfen, die Herausforderungen des Gestern und Heute zu meistern. Sobald die Geräte in unserer Hand liegen, beginnen sie unser Denken zu formen. Wir begreifen sie als Verlängerung unseres Arms. Sie werden ein Teil von uns. Andere sagen, dass wir spätestens mit dem Smartphone ein bisschen Mensch-Maschine geworden sind. „Das Smartphone ist ein Sinnesorgan, um das Internet zu spüren“,  sagt Enno Park. Er ist Mitbegründer des Cyborg e.V., ein Verein, der sich als „Gesellschaft zur Förderung und kritischen Begleitung der Verschmelzung von Mensch und Technik“ versteht.

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