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t3n 44

Das optimale Interface für internationale Websites: Andere Länder, anderes Design

    Das optimale Interface für internationale Websites: Andere Länder, anderes Design

(Bild: Shutterstock / ESB Professional)

Webdesigner müssen die kulturelle Prägung der Menschen nach wie vor berücksichtigen. Dabei helfen Standards der Lokalisierung. Doch wirklich gutes, interkulturelles Webdesign geht darüber hinaus.

Der erste und kleinste Schritt, um Websites interkulturell zu gestalten, ist die Lokalisierung: Kunden erwarten Websites in ihrer Muttersprache. Und das bedeutet nicht, dass Website-Betreiber einfach nur Worte in eine andere Sprache übertragen. Auch die Formate von Zahlen können unterschiedlich sein, im Englischen trennt man zum Beispiel 1.000er Stellen in Zahlen mit einem Komma, nicht mit einem Punkt. Auch Zeitangaben gehören zu den typischen Übersetzungsaufgaben, etwa bei der Verwendung von „1 p.m.“. Und schließlich kann die Schreibrichtung wechseln. Im Arabischen schreibt man beispielsweise von rechts nach links.

Generell gilt: Wo eine Website einen Kunden ansprechen soll, muss sie die einer Kultur eigenen Regeln von Höflichkeit und Etikette beachten. Daher sollten Webdesigner auch Grafiken und Screenshots lokalisieren. Idealerweise passen sie dabei nicht nur das Interface an, das auf dem Screenshot zu sehen ist, sondern auch Bilder von Personen, wie es die To-do-Listen-App Wunderlist zeigt: Dort sehen Nutzer aus China keine westlichen Profilbilder, sondern asiatische Personen. Auf diese Weise können sie sich einfacher mit dem Produkt identifizieren (siehe auch t3n Nummer 42, Bildsprache im Webdesign).

Wunderlist passt nicht nur die Sprache, sondern auch die Profilbilder der gezeigten Personen an.

Wunderlist passt nicht nur die Sprache, sondern auch die Profilbilder der gezeigten Personen an.

Die Aussage ihrer Marke sollten Unternehmen möglichst sinngemäß übersetzen. Asiatische Konsumenten schätzen bildhafte Aussagen stärker als rein sachliche. So heißt BMW in China beispielsweise übersetzt „kostbares Pferd“, Mercedes „schnell und sicher fahren“. Wichtig ist außerdem, dass sich Markennamen in der Landessprache leicht aussprechen lassen und die richtigen Assoziationen auslösen.

Kreative Wortspiele lassen sich natürlich nicht immer wörtlich übersetzen. Die Umweltschutz-Initiative I Plant a Tree macht aus dem deutschen „Jetzt aufbäumen“ im Englischen „I have a tree!“ und erinnert damit an die berühmte Rede von Martin Luther King. Auf diese Weise erzeugt sie in jeder Sprache mit einem kreativen Wortspiel Aufmerksamkeit, statt an einer wörtlichen Übersetzung zu kleben.

Assoziationen: Farben und Symbole

Schätzungen zufolge beeinflussen unmittelbar sichtbare Aspekte wie die Sprache die Nutzer aber nur zu zehn Prozent. Kulturen unterscheiden sich aber auch in Bezug auf die Assoziationen, die verschiedene Design-Elemente hervorrufen. Beispielsweise haben Farben verschiedene Bedeutungen. Die Farbe Weiß ist im Westen mit Hochzeiten assoziiert – sie steht für Unschuld und ist der Braut vorbehalten. Inder, Japaner oder Chinesen dagegen assoziieren Weiß mit Trauer und Tod. Farben haben zudem nationale Bedeutungen: Orange steht in den Niederlanden für das adelige Haus der Oranier und ist sehr positiv belegt. Die Post ist in Deutschland gelb, in Großbritannien rot und in den Vereinigten Staaten blau. Auch Religionen sind Quelle für die Bedeutung von Farben. Grün steht etwa für den Islam, Orange für den Buddhismus.

Was als ästhetisch und schön empfunden wird, hängt ebenfalls stark von der Kultur ab. Ein gutes Beispiel dafür ist der japanische Musikhändler Ishibashi, dessen Website mit vielen bunten Bildern und Slogans gespickt ist – für das westliche Auge sind das tendenziell zu viele Eindrücke auf einmal. Solche Gestaltungen sind jedoch typisch für funktional ausgerichtete Websites in Japan und treffen dank ihrer Emotionalisierung den Geschmack der Menschen dort. Eine Studie belegt das. Sie zeigt, dass es Japaner und Koreaner schätzen, wenn der verfügbare Raum effizient genutzt wird – also möglichst viele Informationen gleichzeitig zu sehen sind.

Blickfänge und Weißräume

Unsere Kultur beeinflusst auch, was wir besonders beachten. Eine Blickaufzeichnungsstudie zeigte, dass die westlichen Teilnehmer bei verschiedenen Bildern besonders auf Hauptpersonen und -objekte achteten, während asiatische Probanden die Bilder stärker ganzheitlich betrachteten. Das führt dazu, dass westliche Designs eher auf einen Blickfang setzen, der die Aufmerksamkeit der Besucher steuert, während dies für asiatische Nutzer schnell uninteressant wirkt. Auch hier ist Ishibashi ein gutes Beispiel.

Den Raum voll ausnutzen, bunte Farben und viele Eindrücke: Der Musikhändler Ishibashi aus Japan trifft mit diesem Design den Geschmack seiner japanischen Kunden.

Den Raum voll ausnutzen, bunte Farben und viele Eindrücke: Der Musikhändler Ishibashi aus Japan trifft mit diesem Design den Geschmack seiner japanischen Kunden. Interkulturelles Webdesign ist also gar nicht so einfach, denn wie alle Menschen haben auch Designer immer ihre eigene kulturelle Brille auf. Die Wissenschaftler Anthony Faiola und Sorin Matei ließen eine Website von einem chinesischen und einem amerikanischen Designer gestalten und legten sie Studenten aus beiden Nationen vor.

Keiner der Teilnehmer wusste, woher der Designer stammte, und natürlich sahen sie die Inhalte in ihrer jeweiligen Muttersprache. Das Ergebnis: Die Nutzer fanden gesuchte Informationen schneller, wenn die Website von einem Gestalter aus ihrer Kultur stammte – und das, obwohl keiner der Designer die Gestaltung bewusst für die eigene Kultur optimiert hatte.

Geert Hofstede: Kulturelle Dimensionen

Wie aber können sich Designer ihre kulturelle Sicht bewusst machen? Wie kann man Kultur verstehen und feststellen, wie sie sich auf die Designpraxis auswirkt? Antworten liefert die Forschung des Kulturwissenschaftlers Geert Hofstede. Er sprach zwischen 1978 und 1983 mit IBM-Mitarbeitern aus 53 Ländern und analysierte die Daten auf kulturelle Unterschiede hin.

Links und Literatur

  1. Markennamen
  2. I plant a Tree
  3. Intercultural Aspects
  4. Asiatisches Webdesign
  5. Effiziente Raumnutzung im Webdesign
  6. Kulturell bedingte Blickrichtungen
  7. Homepage von Aaron Marcus
  8. Hofstede Centre
  9. Universiti Utara Malaysia
  10. Technische Universität München
  11. Web Strategies
  12. Cultural Probes erheben
  13. Paper: Cultural Differences
  14. Paper: Readability Formulars

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