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Direktüberweisung im Onlinehandel: Das müssen Shop-Betreiber wissen

Aus dem
t3n Magazin Nr. 38

12/2014 - 02/2015

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Überweisungen quasi in Echzeit: Das leisten Direktüberweisungen im Onlinehandel. Bei diesem Verfahren profitieren Kunde und Händler, denn durch ein ausgeklügeltes technisches System ist die Zahlung im Moment der Überweisung garantiert und der Händler kann die Bestellung direkt versenden. Ein Überblick über die technischen Verfahren, die Anbieter und die Relevanz von Direktüberweisungen auf dem deutschen Markt.

Direktüberweisung im Onlinehandel: Das müssen Shop-Betreiber wissen

(Foto: IPGGutenbergUKLtd / iStock)

An der Auswahl der richtigen Zahlungsmethoden hängt viel für einen Shopbetreiber: Die Kunden sollen die gewünschten Zahlungsweisen vorfinden, damit kein Umsatz verloren geht, die Kosten für die Zahlungsweisen sollen nicht zu hoch sein, damit nicht zuviel Ertrag verloren geht und sicher sollen die Zahlungsweisen auch sein – für den Kunden genauso wie für den Onlinehändler. Immer noch sehr weit verbreitet ist in Deutschland die Vorauskasse: Der Kunde zahlt per Überweisung, der Händler wartet auf den Zahlungseingang und versendet dann nach Zahlungseingang die Bestellung an den Kunden. Der Vorteil: Händler bezahlen keine Transaktionsgebühren und tragen kein Risiko. Der Nachteil: Kunden warten lange auf ihre Bestellung, deshalb leidet die Konversionsrate und der Händler muss die eingehende Zahlung manuell bearbeiten. Verschiedene E-Payment-Verfahren bieten eine direkte und überprüfbare Überweisung aus dem Onlinebanking des Kunden an: die Direktüberweisung.

Die Direktüberweisung

Schematisch dargestellt schaltet sich bei einem Direktüberweisungsverfahren ein Zahlungsdienstleister als technischer Mittler zwischen Bank, Kunde und Onlineshop. Die Zahlung wird zwar immer noch über eine ganz normale Überweisung abgewickelt, aber die technische Plattform des Zahlungsdienstleisters verfolgt die Durchführung der Überweisung im Hintergrund. Wird die Durchführung der Überweisung vom Onlinebanking-System der Bank bestätigt, leitet der Zahlungsdienstleister diese Information an das Shopsystem weiter. Die Zahlung ist bestätigt, der Onlineshop ist informiert, dass das Geld unterwegs ist und der Onlinehändler kann sofort den Versand der Bestellung an den Kunden freigeben.

Einordnung in den deutschen Markt

Laut der EHI-Studie Online-Payment-2014 sind die am meisten ausgewiesenen Zahlungsarten in den deutschen Top-1.000-Shops Paypal, Kreditkarte, Vorauskasse und Sofortüberweisung. Wichtig: Aus dem Zahlungsangebot der Onlineshops lässt sich aber noch kein Rückschluss auf die tatsächliche Nutzung der Zahlungsverfahren schließen. Die Studie errechnet Marktanteile in Höhe von 25,4 Prozent für Kauf auf Rechnung, 19,9 Prozent für Paypal, 19,3 Prozent für die Lastschrift und 2,9 Prozent für Sofortüberweisung. Für die Anbieter Giropay und Skrill Direct weist die Studie für den B2C-Retail-Markt keine signifikanten Marktanteile aus.

Die Funktionsweise

Es gibt zwei gängige Verfahren, die bei den Anbietern der Direktüberweisungsverfahren verbreitet sind: entweder nutzt der Anbieter eine eigene grafische Umgebung um den Überweisungsvorgang samt Pin- und Tan-Eingabe abzuwickeln, oder der Anbieter nutzt die grafische Umgebung der Bank, also den Onlinebanking-Bereich der kontoführenden Bank, und hält sich selbst im Hintergrund. Bei ersterem Verfahren wird eine getunnelte, verschlüsselte Verbindung vom Shop zum Zahlungsdienstleister und von diesem zum Onlinebanking hergestellt. Die Daten werden dann vom Dienstleister als technischer Mittler sozusagen „durchgereicht“. Beim zweiten Verfahren übernimmt der Dienstleister über eine verschlüsselte Verbindung die Transaktion vom Shop, reicht diese an die Online-Banking-Umgebung weiter, den Kunden erwartet dort dann ein bereits ausgefülltes Überweisungsformular. Ist die Überweisung abgeschlossen, übernimmt der Shop die Transaktion wieder vom technischen Dienstleister.

Schematische Darstellung einer Direktüberweisung von giropay: Die Bank bestätigt die Ausführung der Überweisung, der Händler kann jetzt liefern. (Grafik: giropay)
Schematische Darstellung einer Direktüberweisung von giropay: Die Bank bestätigt die Ausführung der Überweisung, der Händler kann jetzt liefern. (Grafik: giropay)

Technische Integration

Händler können zur Nutzung der Zahlungsart entweder einen einzelnen Vertrag mit Sofort, Giropay, Skrill oder Safetypay abschließen oder, falls der Händler mit einem Payment-Service-Provider (PSP) zusammenarbeitet, die Zahlungsart dort zusätzlich buchen. Die Einbindung in gängige Shopsysteme ist durch vielfach vorhandene Plugins relativ problemlos möglich. Für den Fall, dass kein Plugin vorhanden sein sollte, lässt sich das Verfahren meist auch vom Payment-Service-Provider (PSP) auf dessen Zahlungsschnittstelle aufschalten. Eine Integration über eine API ist bei allen Anbietern im Feld ebenfalls möglich.

Wieso die Direktüberweisung anbieten

Direktüberweisungen sind eine bequeme Alternative zu einer klassischen Vorkassezahlung: Der Händler bekommt einen sicheren Zahlungseingang und hat keinen Aufwand mehr bei der Zuordnung der Zahlung, denn der Zahlungsdienstleister ordnet die Zahlung gleich der Bestellung im Shop zu. Der Kunde erhält seine Ware früher, denn der Händler muss nicht mehr auf den Zahlungseingang warten – sondern kann gleich versenden. Bequemlichkeit ist aber nur einer von vielen Gründen, die für Direktüberweisungen sprechen: Kunden ohne ausreichende Bonität für eine Kreditkarte, den Rechnungskauf oder das Lastschriftverfahren bekommen eine Zahlungsalternative. Ebenso Kunden ohne Kreditkarte, denn Kreditkarten sind in Deutschland immer noch deutlich geringer verbreitet als im internationalen Vergleich.

Eine Zahlung per Vorkasse zu ermöglichen ist wichtig, die ibi-Research-Studie „Erfolgsfaktor Payment 2013“ zeigt aber auch, dass das ausschließliche Angebot von klassischen Vorkasseverfahren keine gute Idee ist: 67 Prozent der Kunden verlassen den Shop, wenn nur Sofort-Überweisung oder Vorkasse zur Verfügung steht, nur 9 Prozent sind bereit, das umständliche Vorkasseverfahren zu akzeptieren und 25 Prozent nutzen stattdessen lieber die Sofortüberweisung.

Die Direktüberweisung wirkt sich aber auch positiv auf die Kaufabbruchquote aus. Wie positiv, will das 2ECC Köln in der Studie „IZ 2013" untersucht und festgestellt haben: die Einführung von Sofort-Überweisung hat laut der Studie einen Umsatzzuwachs von 33,1 Prozent, die Einführung von giropay 32,9 Prozent erbracht.

Vor- und Nachteile des Verfahrens

Das Zahlungsverfahren ist nahezu ausfallsicher, da Banken einmal ausgeführte Überweisungen nicht wieder stornieren oder zurückbuchen. Es gibt die theoretische Möglichkeit eines Zahlungsausfalls, falls eine Bank nicht in der Lage ist, eine in Auftrag gegebene Überweisung auszuführen – die statistische Wahrscheinlichkeit für einen solchen Zahlungsausfall soll laut Banken und Dienstleistern aber verschwindend gering sein. Ansonsten überwiegen die Vorteile: Im Vergleich zu anderen Zahlarten sind Direktüberweisungen nicht kostenintensiv, sowohl die direkten Kosten durch Tansaktionsgebühren als auch die indirekten Kosten für Buchhaltung, Zahlungsausfälle, Risikomanagement und Rückabwicklung sind 3laut einer Studie von ibi Research so niedrig, dass es sich um die günstigste Zahlart am Markt handelt. Zum Vergleich: Sofortüberweisung wird in der Studie mit durchschnittlichen Gesamtkosten von 1,88 Euro beziffert, die klassische Vorkasse mit 3,54 Euro. Fehlender Aufwand spielt eine entscheidende Rolle: Die eingehende Zahlung wird beispielsweise der jeweiligen Onlineshop-Bestellung bereits automatisch zugeordnet, manuelle Zahlungszuordnungen gehören damit der Vergangenheit an. Endkunden profitieren vom sofortigen Versand der Ware, es wird jedoch immer Kunden geben, die das Verfahren nicht nutzen möchten: das Gefühl, einem fremden Anbieter Zugriff auf das Bankkonto zu gewähren, kann manchem Kunden zu unangenehm sein.

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3 Antworten
  1. von Marco am 10.02.2015 (13:43 Uhr)

    Sofortüberweisung.de hat keinen Tarif ohne monatliche Grundgebühr, die beträgt 4,90 EUR. Habe eben mit denen telefoniert.

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    • von Uwe am 10.02.2015 (16:02 Uhr)

      Das ist wohl abhängig von irgendwas, denn meine Kunden zahlen auch keine monatlichen Grundgebühren bei Sofortüberweisung.
      Vielleicht ist das ja bei Altverträgen oder Aktionsangeboten so.

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  2. von Armin Happel am 11.02.2015 (08:26 Uhr)

    Ist es nicht so, dass die Banken die Nutzung der Dienste Dritter (Weitergabe der Zugangsdaten) untersagen?

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