Diese Rechtspraxis, die in der Open-Source-Community schon lange angewendet wird, ist zunehmend auch für andere Bereiche relevant, in denen das Urheberrecht zuständig ist. Der Softwarebereich ist exemplarisch: Ging es früher hauptsächlich darum, dass technisch versierte Fachleute für sich und ihresgleichen spezielle Anwendungen entwickelten, wächst heute Open Source über seine eigenen Grenzen hinaus. Die Community ist sich nicht mehr selbst genug und wird stattdessen ernst zu nehmender Dienstleister mit spezifischen Lösungen für die verschiedensten Anwendungsbereiche. Inzwischen stellen ganze Kommunen zunehmend auf Open Source um, Online-Shops basieren auf TYPO3 und klassische Software-Anbieter beginnen zu schwitzen.
In dieser Situation erscheint das altbewährte deutsche Urheberrecht nicht mehr zeitgemäß. Seit einiger Zeit wird heftig über die Änderung der Paragrafen diskutiert. Und während viele um ihr Auskommen aus den ihnen zustehenden Rechten als Urheber fürchten, zeigt sich immer mehr, dass das gültige Recht vielen guten Ideen den Weg zur erfolgreichen Vermarktung erschwert. Das gilt zum Beispiel auch für die Musik: Die kanadische Band Arcade Fire hätte es wahrscheinlich nie in die Charts geschafft, wenn sie nicht selbst ihre Songs als MP3-Dateien aktiv im Internet verbreitet hätte. Für die großen Musiklabels war ihre Musik viel zu abwegig, der kommerzielle Erfolg auf dem althergebrachten Weg völlig undenkbar.
Einer der Vordenker der „Creative Commons“ ist Lawrence Lessig. Der Professor an der Stanford Law School wollte mit seiner Idee dem Urheberrecht ein alternatives Modell entgegensetzen. Musiker, Fotografen, Filmemacher und Autoren können auf Grundlage der alternativen Lizenzen freiwillig auf einen Teil ihrer Rechte verzichten. Sie können beispielsweise die Verbreitung zu nicht-kommerziellen Zwecken oder die Änderung ihrer Werke explizit erlauben. Die Idee der Creative-Commons-Lizenzen hat sich inzwischen schnell verbreitet. Schon im Dezember 2005 fand sich ein kleines graues Logo auf über 45 Millionen Internetseiten – Tendenz steigend. Mit einem Klick auf das Logo wird die jeweilig gewählte Lizenz sichtbar. Aus mehreren Möglichkeiten lässt sich die für die eigene Arbeit sinnvollste Lizenz auswählen. Auf der deutschen Website von Creative Commons finden sich viele weitere Informationen zu den verschiedenen Lizenzierungsmodellen in Deutschland [5].
Zurück zum Bier: Ganz im Sinne des Open-Source-Gedankens wäre es schön, wenn sich auch in Deutschland Free-Beer-Entwickler finden würden, damit es bald auch hier erhältlich ist. Immerhin müssten es nicht selbst gebraut werden: Jede Brauerei kann das Bier herstellen, solange sie nicht die Credits und die Lizenz auf dem Aufkleber vergisst. Das dänische Vorbild schmeckte der Redaktion jedenfalls sehr gut, trotz oder vielleicht gerade wegen des Guaranas.




![Die künstliche Aufregung ums Urheberrecht [Kommentar]](http://t3n.de/uploads/t3n-news-post-387113_bcher_78795_medium.jpg)