Markus Beckedahl von netzpolitik.org im Interview
„Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor“

t3n Magazin kaufen!

t3n Magazin: Die Rufe nach mehr Filtern fürs Netz werden lauter. Was bedeutet das in Zukunft für die Freiheit des Netzes?

Markus Beckedahl: Das kann man heute schon sehen: Sobald die Filter bei der Kinderpornographie da sind, werden ganz viele andere auch vor der Tür stehen. Da gibt es heute schon viele, die etwas wünschen: Die einen wollen die Nazis aus dem Netz raushaben, andere wollen alle Urheberrechtsprobleme aus dem Netz raus haben. Das hat der Verband der Musikindustrie übrigens schon vor neun Jahren gefordert: Die wollten damals bereits am liebsten eine digitale Mauer um Deutschland errichten.

t3n Magazin: Welche anderen Gruppierungen werden aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren vor allem die Freiheiten im Netz beschränken wollen?

Markus Beckedahl: Ich denke da an die verschiedenen Sicherheitsbehörden. Man mag es diesen Menschen nicht einmal übelnehmen. Wenn ich BKA-Mitarbeiter wäre oder Verfassungsschützer, dann würde ich auch alle Werkzeuge zur Hand haben wollen, die es mir ermöglichen, Verbrecher zu jagen. Das Problem ist nur: Wo ist die Grenze für die Rechtsstaatlichkeit? Immer neue Werkzeuge bedeuten immer neue Begehrlichkeiten. Die rechtlichen Möglichkeiten werden immer mehr ausgeweitet. Und wenn die alten Werkzeuge nichts bringen, brauchen wir neue. Das macht unsere Freiheit immer mehr zugunsten der Sicherheit kaputt. Einige Politiker sind aus meiner Sicht nicht in der Lage, eine demokratische Grenze zu ziehen, was unsere Sicherheitsbehörden dürfen.

t3n Magazin: Welche wesentlichen Einschränkungen unserer Freiheit gibt es heute schon?

Markus Beckedahl: Die Vorratsdatenspeicherung ist inzwischen in Kraft. Die Online-Durchsuchung wird demnächst kommen. Aber ehrlich gesagt: Ich habe mittlerweile den Überblick verloren, in wie vielen staatlichen Datenbanken Informationen über mich gesammelt werden und wie sie miteinander vernetzt sind. Man kann weitergehen in Richtung Meinungsfreiheit und Rezipientenfreiheit: Mehr als 2.000 Webseiten werden bei Google gefiltert – und das wird noch viel mehr werden. Die notwendige Transparenz, was gefiltert wird und was nicht, gibt es nicht.

» weiterlesen

1 2 3 4

Beitrag mit anderen teilen:

  • Twitter
  • Facebook
  • FriendFeed
  • t3n Social News
  • del.icio.us
  • MisterWong.DE
  • Digg
  • Identi.ca
  • Technorati
  • RSS
  • E-mail this story to a friend!

10 Antworten zu “Markus Beckedahl von netzpolitik.org im Interview: „Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor“”

  1. #1 Interview mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org: „Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor“ » t3n Magazin

    [...] ein Interview mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org zur bedrohten Freiheit des Netzes geführt. Man kann es jetzt kostenlos online lesen. Darin erklärt Markus Beckedahl, was ihn dazu bringt, sich für das Thema Netzpolitik zu engagieren [...]

  2. #2 Frank Garrelts

    Mit diesem Interview legt Herr Beckedahl seine Finger in alle vorhandenen offenen und noch verdeckten Wunden. Ich hoffe, dass viele verantwortliche Politiker Zugang zu diesem Text erhalten und richtige Schlußfolgerungen ziehen. - Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  3. #3 t3n-Interview zu Netzpolitik : netzpolitik.org

    [...] hat mich in der aktuellen Ausgabe 15 zu Netzpolitik interviewt. Das steht jetzt auch online: „Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor“. Markus Beckedahl ist der Macher hinter netzpolitik.org. Schon seit vielen Jahren beschäftigt [...]

  4. #4 » LINKLOAD vom 19.03.2009 [UPLOAD Blog]

    [...] Linktipp praktisch in eigener Sache: Interview mit Markus Beckedahl zur gefährdeten Freiheit des Netzes - veröffentlicht im aktuellen t3n Magazin, seit heute für alle online zu [...]

  5. #5 Beckedahl für Eigeninitiative im Netz « Achim Bode

    [...] Markus Beckedahl von netzpolitik.org im Interview: „Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie... t3n Magazin: Was kann ich tun, um mich zu engagieren? [...]

  6. #6 Netzpolitik: Bundeskabinett beschließt Eckpunktepapier zu Internetfiltern » t3n Magazin

    [...] „Eine Ausweitung auf andere Zwecke ist nicht beabsichtigt“, heißt es in dem Papier. Beabsichtigt nicht, aber natürlich möglich und nach Ansicht von Kritikern sogar sehr wahrscheinlich. Schließlich gibt es keinen logischen Grund, warum nur eine Art illegaler Netzinhalte gesperrt werden sollte und nicht z.B. auch Filesharing-Portale. „Sobald die Filter bei der Kinderpornographie da sind, werden ganz viele andere auch vor der Tür stehen. Da gibt es heute schon viele, die etwas wünschen: Die einen wollen die Nazis aus dem Netz raushaben, andere wollen alle Urheberrechtsprobleme aus dem Netz raus haben“, hatte Markus Beckedahl von netzpolitk.org im Interview mit t3n erklärt. [...]

  7. #7 blogoscoop » Internetzensur? Internetsperren? Was ist da los?

    [...] “Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor.” Markus Beckedahl von netzpolitik...   [...]

  8. #8 » Markus Beckedahl, Deutschlands wichtigster Blogger [UPLOAD Blog]

    [...] das ich Ende 2008 geführt habe, hat viel von dem vorweggenommen, worüber wir heute diskutieren: Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor. Interessengruppen wie die Musikindustrie oder auch viele Politiker sehen das Internet in erster [...]

  9. #9 Tweets that mention Markus Beckedahl von netzpolitik.org im Interview: „Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor“ » t3n Magazin -- Topsy.com

    [...] this page was mentioned by Roter September (@roterseptember), moccashop (@moccashop), Falk Hedemann (@wissenssucher), Michael Lohmann (@michael_lohmann), Frank Garrelts (@frankgarrelts) and others. [...]

  10. #10 In grüner Mission: Die Anti-FDP-Kampagne des Markus Beckedahl ‹ opponent.de

    [...] So ist Markus Beckedahl langjähriges Mitglied der Grünen und ihrer Jugendorganisation. Zwar bezeichnet er sich heute als “klassische Karteileiche”. Und doch zieht er erheblichen [...]

Du hast eine Ergänzung oder Frage zum Artikel? Teile sie jetzt mit!