Auf der anderen Seite hat der Siegeszug des Internets in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren eine komplett neue Industrie entstehen lassen: Internet Service Provider (ISP) und Webhoster. Ihnen ist es unter anderem zu verdanken, dass wir heute nahezu überall zu vernünftigen Preisen und mit angemessener Geschwindigkeit auf die Informations- und Unterhaltungsfülle des Internets zugreifen können. Sie sind es auch, die weltweit den Großteil der Server für die 150 Millionen Websites und 1,5 Milliarden E-Mail-Konten beherbergen. Webhosting und E-Mail-Konten stehen unter erheblichem Preisdruck oder werden vom Kunden heute schon als kostenlose Zusatzleistung erwartet. Entsprechend müssen die Internetdienstleister mit jetzt neue margenträchtige Märkte und Geschäftsfelder erschließen, bevor es die Konkurrenz tut.

Denn mit Microsoft und SAP bringen sich einerseits die etablierten Softwarehersteller in Position, um diesen Zug nicht zu verpassen. Allerdings müssen sie bei der Festlegung von Preisen und Vertriebskanälen sehr behutsam vorgehen, um die bestehenden Kunden und Vertriebspartner nicht zu brüskieren. Andererseits etablieren sich die neuen Internetunternehmen im SaaS-Markt, allen voran Salesforce und Google. Sie brauchen weder auf Vertriebspartner noch auf Bestandskunden Rücksicht zu nehmen und agieren entsprechend aggressiv in ihrer Preispolitik. Und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Der Erfolg der Internet Service Provider und Webhoster basiert heute schon auf Open-Source-Software. Linux, , PHP, MySQL, BIND, Postfix, Sendmail und andere sind weltweit die universellen Bausteine des Internets. Diese Dienste sind nicht nur technisch ausgereift und skalieren für beliebige Nutzerzahlen, sie sind auch noch kostenlos. Jetzt ist es an den Webhostern, alleine oder besser noch gemeinsam mit Open-Source-Anbietern, entsprechende Applikationen in Java, PHP, Perl, Ruby oder Python auf den Markt zu bringen, die auf dem bewährten Linux-Apache-MySQL-Stack der Internet-Dienstleister aufbauen.

Durch das Hostinggeschäft verfügen die Webhoster bereits über eine effiziente Infrastruktur, welche die einzelnen SaaS-Prozesse von der Onlinebestellung über die Bereitstellung bis hin zur Rechnungslegung nahezu vollautomatisch abwickelt. Mit Open-Source-Software können sie diese „Maschine“ dank offener Standards schrittweise und modular um einzelne Angebote erweitern – ohne dafür jedesmal das Rad neu erfinden zu müssen. Und anders als Microsoft und Co. können sie für ihre Angebote „rücksichtslos“ attraktive Preise ansetzen.

Rechenkapazitäten und Speicherplatz sind bei den Internet-Service-Providern jedenfalls reichlich vorhanden, die Bandbreiten zu den Kunden stehen. Überdies vertrauen die Kunden bei ISPs und Webhostern auf die Zuverlässigkeit ihrer Dienste. Warum also nicht die bestehende Geschäftsbeziehung auf neue, unternehmensrelevante Applikationen ausdehnen? Bis 2009 sagen die Marktforscher von IDC einen weltweiten Umsatz mit SaaS-Anwendungen von 10,7 Milliarden US-Dollar voraus. Wer welchen Anteil an diesem Kuchen bekommt, konnten oder wollten sie jedoch noch nicht sagen. Open-Source-Applikationen sind der „Joker“, der aus der Infrastruktur und den Kundenbeziehungen der Webhoster einen „Royal Flush“ macht.

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