von Martin Aschoff, 02.12.2008

Welche Ansätze wann funktionieren (und welche nicht): Geschäftsmodelle für Open-Source-Unternehmer

Aus dem
t3n Magazin Nr. 14

Jetzt kaufen

Die Migration der Nutzer einer Open-Source-Software auf die kommerzielle Version kann jedoch nur gelingen, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Die kommerzielle Software muss Zusatznutzen bieten, die zumindest für intensive Nutzer der Open-Source-Version so attraktiv sind, dass sie den Wechsel auf ein kostenpflichtiges Produkt in Betracht ziehen.
  2. Die Bedienung der kommerziellen Version sollte soweit möglich identisch zur Open-Source-Version sein, damit der Nutzer nicht umlernen muss und kein Einarbeitungsaufwand anfällt.
  3. Die kommerzielle Software muss das gleiche Datenmodell verwenden, damit sich die Bestandsdaten aus der Open-Source-Version problemlos und ohne zusätzlichen und teuren Konvertierungsaufwand weiternutzen lassen.

Weitere Konzepte

Abschließend fünf weitere interessante Ansätze für Einnahmequellen, die in der Praxis eingesetzt werden. Diese Konzepte sind nicht kommentiert, weil die Erfolgsaussichten stark abhängig von Typ und Komplexität der jeweiligen Software sind:

  1. Der Entwickler einer Open-Source-Software konzentriert sich bei seinen Dienstleistungen zu Service und Support auf (wenige) Multiplikatoren wie Internet-Provider und -Hoster, Systemhäuser und -integratoren sowie Agenturen und bietet diesen einen Second-Level-Support an, während die Partner für ihre Kunden den First-Level-Support leisten.
  2. Bugfixes für bestimmte Versionen werden vom Entwickler einer Open-Source-Software nur die ersten drei, sechs oder zwölf Monate oder bis zur Verfügbarkeit des nächsten Releases kostenlos angeboten. Wer ein bestimmtes Release länger nutzen und nicht ständig updaten möchte, muss also einen Wartungsvertrag abschließen, um weiterhin Bugfixes für sein Release zu erhalten.
  3. Der Entwickler einer Open-Source-Software bietet Binärversionen des Source Codes ausschließlich gegen Gebühr im Abonnement an. Die Binärversionen werden für verschiedene (Betriebssystem-)Plattformen angeboten und der Entwickler garantiert jeweils deren Lauf- und Funktionsfähigkeit.
  4. Zur Verwaltung großer Installationen einer Software bietet der Entwickler bedienungsfreundliche und zeitsparende Monitoring- und Administrations-Tools an, die im Gegensatz zum Kernprodukt kostenpflichtig sind.
  5. Dual Licensing: Steht eine Open-Source-Software unter der GPL und der Nutzer möchte sie mit kommerzieller Software kombinieren (die durch den viralen Charakter der GPL dann ebenfalls zu würde), kann er vom Rechteinhaber eine alternative Lizenz mit Nutzungs- und Verwertungsrechten für den kommerziellen Einsatz erwerben.

Generell ist zu sagen, dass man sich nicht auf ein einziges Geschäftsmodell verlassen sollte, denn in der Regel werden von drei Konzepten ein bis zwei nicht funktionieren. Vielmehr sollte auf mehrere Standbeine gesetzt werden, um eine stabile Basis für regelmäßige und auskömmliche Einnahmen zu schaffen.

Weitere Artikel zu Open Source und Webanalyse



Empfohlene Produkte

Softlink 2197

Links und Literatur

Seite:  1 2 3 4 5 6

Empfohlene Artikel