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Jimdo-Gründer Springub im Portrait: „Arbeit muss Spass machen“

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Aus dem
t3n Magazin Nr. 29

09/2012 - 11/2012

Jimdo-Gründer Springub im Portrait: „Arbeit muss Spass machen“

Firmenphilosophie: Kommunikation auf Augenhöhe

Als junge, unerfahrene Gründer ein Startup hochzuziehen, das von drei auf über hundert Mitarbeiter anwächst und Zweigfilialen in Japan, China und den USA betreibt, ist ohne Frage eine große Herausforderung. Aus dem Mund von Springub klingt es hingegen reichlich unkompliziert. „Wir haben einfach immer danach geschaut, dass wir selbst Spaß bei unserer Arbeit haben und das auf unsere Mitarbeiterführung übertragen.“ Wie man den Umbruch von einem winzigen Team zu einem mittelgroßen Unternehmen gut hingekommt, erklärt dies allerdings nicht. Springub scheint es sich selbst nicht ganz erklären zu können – ein Management-Seminar oder ähnliches hätten sie jedenfalls nie besucht. Kommunikation auf Augenhöhe sei ihnen immer wichtig gewesen.

Vieles von dem, wie es aktuell bei Jimdo läuft, ist Erfahrungssache. Das wirkt manchmal modern, manchmal auch überraschend altmodisch. Wer bei Jimdo arbeiten will, muss auf jeden Fall nach Hamburg ziehen und sich auf eine Festanstellung einlassen. Freelancer, die ab und zu hereinschauen und ansonsten ihre Projekte vom Home Office oder Coworking Space aus betreiben, sucht man bei Jimdo vergeblich. Damit sind die Hamburger nicht unbedingt ein Paradebeispiel für „digital work“ im Sinne von flexiblem, zeit- und ortsunabhängigem Arbeiten, auf das sich immer mehr junge Unternehmen einlassen. Dahinter steckt die Überzeugung, dass zu viele Ressourcen verloren gehen, wenn Mitarbeiter nicht vor Ort sind und nicht ganz für das Unternehmen arbeiten.

Auf der anderen Seite: Wo es um das Wohl der Mitarbeiter und um gute Arbeitsatmosphäre geht, werden die Jimdo-Jungs regelmäßig kreativ und sind immer auf der Suche nach interessanten Konzepten. Von Toyota haben sie zum Beispiel das Magnetwand-System „Kanban“ übernommen und nutzen es bereits seit zwei Jahren. Und so findet man bei Jimdo zahlreiche Magnetwände, an die mit klassischen Kärtchen gepostet wird, wer gerade woran arbeitet. Auf den Magnetstickern sind Fotos von den Mitarbeiterköpfen. Wer ein Thema übernimmt, pinnt einfach seinen Kopf darauf und sortiert es in eine von vier Kategorien ein, die anzeigen, wie weit es mit dem Projekt vorangegangen ist. Der Nutzen des Systems sei vielfältig, erklärt Springub. „Zum einen dient es der Transparenz: In einem größeren Unternehmen hat man einfach keinen Überblick mehr, wer gerade woran arbeitet.“ Außerdem diene es der Kommunikation, jeden Tag stelle sich jedes Team vor die entsprechende Wand und spreche darüber, wer womit beschäftigt ist und ob irgendwelche Rückmeldungen benötigt werden. „Das System soll die Leute aber auch davor schützen, zuviel gleichzeitig zu übernehmen und ständig zusätzliche Projekte aufgedrückt zu bekommen.“

Momentan ist ein Teil des Teams damit beschäftigt, Toyotas „KanBan“-Modell auf Open-Source-Basis weiterzuentwickeln [1]. Auf alle Kärtchen sollen zukünftig QR-Codes kommen. Eine Kamera wird die Magnetwände dann regelmäßig abfotografieren, sodass sich Mitarbeiter, die längere Zeit weg waren, die Entwicklungen auf der visualisierten Wand anschauen können. Auch die Mitarbeiter in den USA könnten so gut verfolgen, was im deutschen Zentralbüro geschehe und ob ihre eingebrachten Tickets bearbeitet werden. Damit wird das bisherige Offline-Kartensystem auch digital nutzbar. Auf einer KanBan-Konferenz hat Jimdo die Weiterentwicklung bereits vorgestellt [2].

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Das KanBan-Prinzip in der Praxis: Magnetwände mit Pins von den Mitarbeiterköpfen.

„Unser USA-Büro soll unabhängig agieren“

Auch der interne Chat-Client ist für das Jimdo-Team unverzichtbar und ein Ticketsystem hilft den Mitarbeitern dabei, immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben und über Fehler im Entwicklungsbereich informiert zu werden. Im Vergleich zu anderen Startups sind dies sicherlich wenige Tools, die genutzt werden – letztendlich ist es eine Frage des Fokus. Und der liegt bei Jimdo klar auf der Kommunikation. „Digitale Kommunikation funktioniert immer schlechter als persönliche Kommunikation und kann sie höchstens ergänzen“, ist Springub überzeugt.

Es nervt ihn, wenn er externe Dienstleistungen einkauft und immer nur mit E-Mail-Ketten abgespeist wird, statt persönlichen Kontakt aufzunehmen. Sich digital auf dem neuesten Stand zu halten funktioniere nur, wenn man sich persönlich kenne, ansonsten gebe es Missverständnisse. Deshalb schickt er regelmäßig deutsche Jimdo-Mitarbeiter nach Asien oder in die USA zu den Zweigstellen, um dort einige Wochen lang mitzuleben und lädt die ausländischen Angestellten nach Deutschland ein. Dies bedeute aber nicht, dass man die Leute in Asien oder den USA kontrolliere, die Selbstverantwortung der Lokal-Teams ist Springub sehr wichtig. „Unser USA-Büro soll weitestgehend unabhängig agieren, wir wollen hier nicht alles absegnen. Die Entscheidungsverfügung muss bei den Leuten vor Ort liegen.“

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Eine Antwort
  1. von Patzi am 26.02.2013 (13:42 Uhr)

    Mit dem Produkt hab ich so meine Probleme (ich finde Homepagebaukästen schrecklich!) aber Respekt vor der Leistung und dem, was Springub & Partner geschaffen haben.

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