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Hyperloop-Chef Dirk Ahlborn: „Meine Kinder werden keinen Führerschein mehr brauchen“

    Hyperloop-Chef Dirk Ahlborn: „Meine Kinder werden keinen Führerschein mehr brauchen“

Dirk Ahlborn baut für Elon Musk den Hyperloop, einen Schnellzug im Stile einer Rohrpost. Im Interview spricht er über die Chancen auf eine deutsche Strecke, die Deutsche Bahn und fliegende Autos.

t3n Magazin: Dirk, welches Transportmittel nutzt du am liebsten?

Dirk Ahlborn: Das kommt ganz darauf an, wo ich gerade hinmuss. Grundsätzlich mag ich es, mich mit dem Auto zwischen Städten zu bewegen. Allerdings nur, wenn sie innerhalb von ein bis maximal zwei Stunden zu erreichen sind. Ich wohne in Los Angeles. Wenn ich also nach San Francisco will, bleibt nur das Flugzeug.

t3n Magazin: Der Tech-Milliardär Elon Musk hat vor drei Jahren das Hyperloop-Konzept vorgestellt, eine Art Rohrpost-Zug für die Menschheit. Angebliche Fahrtzeit nach San Francisco: 30 Minuten. Du warst sofort zur Stelle.

Dirk Ahlborn: Ja, aber das hatte noch einen anderen Grund.

t3n Magazin: Welchen?

Dirk Ahlborn: Mit Jumpstartfund.com tüftelte ich damals gerade an einer Online-Plattform zur Verwirklichung von Geschäftsideen, die Crowdfunding und Crowdsourcing miteinander verknüpft. Als Elon Musk dann erklärte, den Hyperloop aus Zeitmangel nicht selbst bauen zu wollen, dachte ich mir, dass dies doch das perfekte Projekt wäre, um meine Plattform mal auf die Probe zu stellen.

t3n Magazin: Was passierte dann?

Dirk Ahlborn: Ich habe mir die Erlaubnis von Elon Musk geholt und anschließend die Mitglieder auf meiner Plattform gefragt, ob wir das Hyperloop-Konzept für ihn in die Realität umsetzen sollen. Das Feedback war überwältigend. Die Leute haben nicht nur mit ja gestimmt, viele wollten sogar selbst mit dabei sein.

t3n Magazin: Hyperloop Transportation Technologies war geboren.

Dirk Ahlborn: Genau. Wir haben umgehend die Firma gegründet und angeboten, dass sich jeder, der bereit ist, gegen Aktienoptionen mindestens zehn Stunden in der Woche für Hyperloop Transportation Technologies zu arbeiten, bei uns melden kann. Am Ende konnten wir aus gut 200 Bewerbungen ein dezentrales Team von mehr als 100 internationalen Ingenieuren zusammenstellen und eine Machbarkeitsstudie erarbeiten.

t3n Magazin: Was die Machbarkeit des Hyperloop angeht, gibt es aber auch einige Zweifel. Kritiker werfen Elon Musk vor, er habe sich die Baukosten in Höhe von sieben Milliarden Euro schöngerechnet.

Dirk Ahlborn: Also wir haben das Ganze nachgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es ökonomisch sehr wohl machbar ist. Die Kosten beispielsweise für die Röhren, Pfeiler, Kapseln und Solarpanels sind bei uns komplett abgedeckt. Entscheidend sind aber nicht die Kosten pro Strecke, sondern ob sich das auch langfristig rechnet.

t3n Magazin: Über welche Kosten reden wir denn wirklich?

Dirk Ahlborn: Momentan liegen wir bei etwa 20 Millionen US-Dollar je Meile, das sind umgerechnet 12,4 Millionen Euro pro verbautem Kilometer. Nur zum Vergleich: Ein Kilometer Transrapidstrecke hätte früher das Doppelte gekostet. Aber wie gesagt: Am Ende geht es vor allem darum, das investierte Geld wiederzubekommen.

t3n Magazin: Und wie soll das klappen?

Dirk Ahlborn: Wenn wir die Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco als Beispiel nehmen, können wir mit einem Ticketpreis von rund 30 US-Dollar nach nur acht Jahren Gewinn machen. Das ist ein Novum. Es gibt keine Eisenbahn und keine U-Bahn auf der Welt, die profitabel ist. Die sind alle von staatlichen Subventionen abhängig.

t3n Magazin: Trotzdem muss ein solches Mammutprojekt ja erst mal vorfinanziert werden. Wir sprechen hier von Milliardensummen.

Dirk Ahlborn: Das stimmt. Aber wir haben über 600 institutionelle Investoren, die an der Finanzierung des Projekts interessiert sind. Außerdem planen wir ja noch einen Börsengang. Geld ist also kein Problem.

Der Hyperloop ist bisher nur ein Modell, sorgt aber jetzt schon für Diskussionen. So stellen sich einige die Frage, ob Menschen überhaupt eine Geschwindigkeit von 1.200 Stundenkilometern aushalten. (Bild: 2014 omegabyte3d)
Der Hyperloop ist bisher nur ein Modell, sorgt aber jetzt schon für Diskussionen. So stellen sich einige die Frage, ob Menschen überhaupt eine Geschwindigkeit von 1.200 Stundenkilometern aushalten. (Bild: 2014 omegabyte3d)

t3n Magazin: Für den Bau einer ersten Teststrecke hat sich Hyperloop Transportation Technologies die kalifornische Reißbrettstadt Quay Valley ausgesucht. Wie sehen die Pläne genau aus?

Dirk Ahlborn: Quay Valley ist mehr als nur eine Teststrecke. Es wird eine Modellstadt für die Technologie des 21. Jahrhunderts. Der Hyperloop wird drei Hotels und einen Freizeitpark ansteuern. Auch ein großes Einkaufszentrum wird über diesen Weg zugänglich sein. Wir wollen erlebbar machen, wie sich das Reisen mit dem Hyperloop überhaupt anfühlt. Wir planen übrigens mit zehn Millionen Besuchern jährlich. Es geht also um mehr als nur Kapseln in der Röhre.

t3n Magazin: Wie ist der aktuelle Stand beim Bau?

Dirk Ahlborn: Anfang des Jahres wurde die Baugenehmigung beantragt. Eigentlich wollten wir schon im Mai mit dem Bau der Strecke beginnen, aber es gibt einige Verzögerungen bei den Behörden. Ich gehe davon aus, dass wir im Spätsommer loslegen können. Dann wird es nur noch 36 Monate dauern, bis die ersten Passagiere einsteigen.

t3n Magazin: Das klingt sehr gelassen. Dabei führte die Konkurrenzfirma Hyperloop One schon im Mai eine erste Testfahrt erfolgreich durch und es wurde sogar schon ein Abkommen mit Russland über den Bau einer Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg geschlossen. Keine Angst vor einem feindlichen Überholmanöver?

Dirk Ahlborn: Überhaupt nicht. Zum einen waren wir die erste Firma, die sich für die Umsetzung des Hyperloop-Konzepts eingesetzt hat. Erst nachdem wir die Machbarkeitsstudie abgeschlossen haben, sind auch andere Unternehmen auf den Zug aufgesprungen. Zum anderen war für uns klar, dass man für den Erfolg der Idee nicht nur eine Firma gründen, sondern eine Bewegung kreieren muss. Neben Hyperloop One gibt es ja noch drei andere Projekte mit ähnlichen Ambitionen. Insofern tut Konkurrenz der Sache eher gut.

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Eine Reaktion
Ralf
Ralf

Technisch funktioniert das mit Sicherheit. Auch von den Kosten her sollte da machbar sein.
Was mich stört ist der mMn noch nicht gelöste fatale Ausfall durch einen einzelnen Fehler:
Hat die Röhre ein Leck strömt die Luft mit Schallgeschwindigkeit ein, da sie nicht gebremst wird (Vakuum). Ist eine Kapsel unterwegs, schlägt die mit entsprechender Wucht auf die Druckwelle. Selbst wenn die Kapsel steht, kommt die Druckwelle trotzdem und beschleunigt die Kapsel auf bis zu Schallgeschwindigkeit bis zum nächsten Hinderniss, z.B. die nächste Kapsel oder ein Schott.
Zudem muss die Kapsel eine Mindestmasse haben, um die Passagiere nicht durch die Beschleunigung zu verletzen.
Rechenbeispiel:
Druchmesser: 2m; Luftdruck: 1000hPa; max. zul. Beschleunigung: 40m/s² (wie Achterbahn)
Über die Querschnittsfläche wirkt eine Kraft von rund 314kN. Geteilt durch die max. Beschleunigung muss die Kapsel also mindestens knapp 8 Tonnen wiegen.
Nicht unrealistisch, aber beängstigend.

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