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Wireframing: Von der Idee zur App

Aus dem
t3n Magazin Nr. 24

06/2011 - 08/2011

„Ich habe da eine Idee für eine App!“ Das hört man des Öfteren. Entscheidend für den Erfolg einer App ist aber nicht nur eine wirklich gute Idee, sondern die richtige Herangehensweise bei der Konzeption. Dabei gibt es Basics, die jeder Konzepter kennen sollte, und nützliche Tools, die einem den Weg zur App erleichtern.

Ob Furzkissen-App oder die fünfundzwanzigste Taschenlampen-App, die Sinnhaftigkeit solcher Applikationen stellen nicht nur Entwickler, sondern mehr und mehr vor allem die Nutzer in Frage. Für jene, die ernsthafte Apps entwickeln, gilt: innovativ und neu, nutz- und gewinnbringend müssen sie sein. Bei über 300.000 Applikationen im iPhone App-Store machen Mehrwert, Nutzen genauso wie Usability den Erfolg künftiger Apps aus.

Dasselbe Spiel, eine andere Liga

Unabhängig von Idee und Plattform sind die Bedienbarkeit und damit die Akzeptanz der Nutzer entscheidend für den Erfolg einer App. Hierfür muss man sich von klassischen Webkonzepten lösen. Mobile Endgeräte stehen im Vergleich zu Desktop-Computern in einem völlig anderen Nutzungskontext. Wechselnde Lichtverhältnisse, akustische Beeinträchtigungen, Ablenkungen durch ein hektisches Umfeld sowie eine eventuell suboptimale Netzabdeckung sind da nur einige Faktoren, die man bei der Entwicklung mobiler Applikationen berücksichtigen muss. Aufgrund ihrer geringen Bildschirmgröße bieten Smartphones außerdem nur wenig Platz für Content und Bedienelemente. Diese veränderten Rahmenbedingungen diktieren die Anforderungen an das Konzept und die damit verbundene Usability einer mobilen Anwendung.

Groovende Apps

Setzt das Konzept auf bereits erlernte Interaktionsprinzipien und -elemente, mit denen der Nutzer durch sein jeweiliges Betriebssystem schon vertraut ist, findet er sich besser zurecht. Dadurch erleichtert man ihm den Einstieg schon ab der ersten Nutzung erheblich. Einen realen Mehrwert schafft das Einbeziehen von Funktionalitäten der Endgeräte. In der App-Gestaltung sollte man daher die gestenbasierte Steuerung auf Multi-Touch-Displays berücksichtigen.

Dazu zählen unter anderem doppeltes Antippen („Double-Tap“) oder Zoomen mit zwei Fingern („Pinching“). Die lagesensitive Steuerung ermöglicht dem Nutzer, sein Gerät vertikal oder horizontal zu halten, Inhalte passen sich entsprechend an. Ebenso birgt der Neigungssensor weitere ungeahnte Möglichkeiten. Die automatische Standortermittlung findet ihren Einsatz beim Auffinden von Personen, Orten oder Ereignissen in der Nähe.

Jedes Pixel zählt

Single-Spalten-Layouts machen Inhalte scrollbar, sodass der Nutzer nicht zoomen muss.

Den geringen Platz richtig nutzen – eine Vorgabe, die durch die kleineren Bildschirmgrößen von mobilen Endgeräten eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Applikationen ist. Das heißt konkret, sich auf die essenziellen Funktionen zu konzentrieren und Inhalte zu reduzieren. Dabei kann der Einsatz eines Layouts mit nur einer Spalte helfen, das die gesamte Bildschirmbreite ausnutzt.

Obwohl Icons „small-screen-freundlich“ sind, da sie weniger Platz als Beschriftungen verbrauchen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Nutzer diese auch verstehen. Um das Verständnis von Symbolen sicherzustellen, können kleine Textbeschreibungen unter dem Symbol stehen, speziell innerhalb einer Navigation. Dieser Kompromiss unterstützt unerfahrenere Nutzer, die mit dem Symbol weniger vertraut sind. Experten, die das Icon bereits kennen, werden dadurch jedoch nicht behindert. Ziel ist es, dass der Nutzer die App herunterlädt, öffnet und nutzt – ohne Erklärungen und ohne ein Herantasten. Applikationen für mobile Endgeräte müssen als „walk-up-and-use-system“ an den Markt gehen.

Die Kombination von Symbol und Text ist gerade bei der Navigation ein Gestaltungsprinzip, das dem  Nutzer bereits bekannt ist.
Die Kombination von Symbol und Text ist gerade bei der Navigation ein Gestaltungsprinzip, das dem Nutzer bereits bekannt ist.

Finger sind keine Mauszeiger

Konzepter müssen allerdings nicht nur eine Sichtbarkeit der Buttons und Links auf dem Touchscreen gewährleisten, sondern auch die Bedienung mit dem Finger optimal ermöglichen. Daher muss man bei der Konzeption die Bedienelemente in einer entsprechenden Größe und mit ausreichend Raum platzieren. Nur so minimiert man die Wahrscheinlichkeit einer falschen Berührung.

Everything as simple as possible

Auch die beste Tastatur eines Smartphones kann einer Computertastatur mit entsprechender Größe nicht das Wasser reichen. Anwender machen auf dem mobilen Endgerät weit mehr Fehler und sind langsamer beim Tippen. Daher sollte man Texteingaben innerhalb einer Applikation so häufig wie möglich vermeiden. Lösungen hierfür sind zum Beispiel, den Nutzern den Zugriff auf bereits gespeicherte Daten zu erlauben oder eine PIN statt eines Passworts zu verwenden. Eine innovative Form für den Input von Informationen besteht in der Verwendung von QR-Codes – sie sind nützlich und machen Spaß.

Gib mir Feedback

Direktes Feedback ist wichtiger als je zuvor. Nach einer Interaktion zwischen Nutzer und Applikation muss der Nutzer Feedback darüber bekommen, was gerade passiert beziehungsweise was bereits geschehen ist. Das fängt bei Ladevorgängen an und hört beim Tap auf eine Interaktionsfläche auf. Je nach mobilem Nutzungskontext ist die Internetanbindung nicht mit gleicher Qualität gewährleistet. Ein Ladekreisel unterstützt den User dabei zu verstehen, dass die Anwendung gerade im Hintergrund arbeitet. Die farbliche Veränderung bei Berührung einer Schaltfläche verdeutlicht, dass diese tatsächlich aktiviert wurde. Speziell bei Touchscreen-Geräten ist dieses Feedback von Bedeutung. Zusätzlich zur visuellen Rückmeldung eignen sich auch die gerätespezifischen Funktionalitäten, wie die Vibration. Diese Features sprechen gleich mehrere Sinne des Users an.

Durch die farbliche Veränderung bei Berührung einer Schaltfläche wird verdeutlicht, dass diese tatsächlich aktiviert wurde.
Durch die farbliche Veränderung bei Berührung einer Schaltfläche wird verdeutlicht, dass diese tatsächlich aktiviert wurde.

Nützliche Werkzeuge für erfolgreiche Konzepte

Die Anforderungen der Zielgruppen sind das A und O für den Erfolg einer Anwendung. Diverse Werkzeuge helfen dabei, sich den Anforderungen der Nutzer anzunähern und diese gleichzeitig dem Kunden zu vermitteln. Der Einsatz von Rollenmodellen (Personas) und Nutzungsszenarien (Use Cases) unterstützen dabei, sich in den Nutzer hineinzuversetzen und ihn greifbar zu machen. Für die Auswahl der konzeptionellen Tools gibt es kein Nonplusultra. Individuelles Eingehen auf Projekt und Auftraggeber ist unabdingbar. Die Auswahl ist abhängig von Abstraktionsfähigkeit und technischem sowie gestalterischem Background des Kunden. Ebenso ist der zeitliche Rahmen des Projekts ein Auswahlkriterium für die Art des zu liefernden konzeptionellen Ergebnisses.

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Eine Antwort
  1. von YUHIRO.DE am 26.04.2014 (10:01 Uhr)

    Bei Business Apps wird bisher noch allzuoft auf die passende Umsetzung eines ansprechenden User Interface verzichtet. Jedoch werden Konsumenten Apps und Geschäfts-Apps oftmals über die gleichen Kanäle verbreitet (z.B. App Stores). Daher sind die Business App Nutzer heutzutage genauso Anspruchsvoll an das Look & Feel der App, wie ein Privatnutzer auch. Nichts ist schlimmer als eine teuer entwickelte CRM App, die nicht genutzt wird, weil das User Interface nicht ansprechend ist.

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