Was wäre also gewonnen durch das Schauspielern? Man findet sich in einer Position wieder, die nicht zu einem selbst passt. Der Schuh ist zu lang oder zu kurz, zu breit oder zu schmal oder man hat einfach die falschen Stärken und Schwächen. Ferner wird eventuell auch ein Dissens mit der VC-Gesellschaft offenkundig der – sofern er anfänglich schon bekannt gewesen wäre – vermutlich nicht zu einem Deal geführt hätte. Das mag nicht justiziabel sein, doch ist es trotzdem ein Vorspiegeln falscher Tatsachen, das sicherlich nicht das Klima der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der VC-Gesellschaft fördert.
So prickelnd man also vielleicht den Gedanken findet, selbst einmal CEO zu sein: Wenn man selbst eher Geek-Eigenschaften hat (im positiven Sinne!), macht man sich eher unglücklich durch ein Versprechen, das man später nicht halten kann und will. Besser ist es deswegen für alle, von Anfang an ehrlich und authentisch zu sein und offen über persönliche Stärken und Schwächen, über Neigungen und über Vorstellungen zu sprechen. Das wird im Regelfall goutiert und Sie tun sich später leichter. Übrigens: Sie können auch authentisch sein, wenn Sie nicht gleich in Ihrem alten Lieblings-T-Shirt auf dem Skateboard in den Besprechungsraum rollen. Unterstreichen Sie nicht die „kulturelle Entfernung“ zu Ihrem Gegenüber. Die andere Seite tut es ebenfalls nicht. Und selbst wenn Sie in Ihrer „Home Community“ gewisse Star-Qualitäten haben und sich dort divenhafte Allüren erlauben könnten – schminken Sie sich das ab. Ausgeprägtes Selbstbewusstsein kommt, wenn überhaupt, später dran. Jetzt müssen Sie sich erst einmal außerhalb Ihrer Community bewähren und Tests nach neuen Spielregeln bestehen. Natürlich müssen Sie sich nicht gerade in einen Anzug zwängen, von dem man Ihnen auf den ersten Blick ansieht, dass Sie ihn nicht zu tragen gewohnt sind. Seien Sie einfach Sie selbst – aber diplomatisch.






