Die Feedbacks
War Ihr erster Auftritt erfolgreich, wird es weitere Gesprächsrunden geben. Vermutlich wird in einem nächsten Schritt ein Spezialist der VC-Gesellschaft für eine kritische Technologie oder ein anderes kritisches Moment eingeschaltet, der dann eine vertiefende Überprüfung vornimmt. Sie bekommen vielleicht eine ganze Liste von Fragen, zu denen man sich Antworten wünscht. Im Rahmen dieser Aktivitäten wird es diverse Telefonate, E-Mails, persönliche Treffen etc. in unterschiedlicher Konstellation geben. Wenn das Prozedere abgeschlossen ist und beide Seiten weiterhin miteinander arbeiten möchten, folgt noch die „Due Diligence“, die Unternehmensbewertung und schließlich ein Vertragsangebot, das dann eine Finanzierung vorsieht – im Regelfall über mehrere Runden. Damit befasst sich übrigens der nächste Teil dieser Artikelserie. Dieses ganze Prozedere kann sich mit nicht unerheblichem Zeitaufwand für beide Parteien durchaus zwei bis drei Monate hinziehen.
Vielleicht aber bleiben Sie an dieser Stelle auch hängen und es gibt kein Vertragsangebot, sondern eine Absage. Einmal angenommen, dass Ihr Projekt nicht gerade völlig abwegig ist oder bei Ihrem Projekt lediglich der Wunsch der Vater des Gedankens ist, dann erhalten Sie meistens ein ehrliches und für Sie wertvolles Feedback.
Ablehnungsgründe sind im Regelfall gute Gründe. Meistens gibt es Mängel im Geschäftsmodell: Irgendein Punkt wird überschätzt oder unterschätzt und die Chancen und Risiken werden anders bewertet als von Ihnen selbst. Das Interessante daran ist, dass VC-Gesellschaften häufig einen tieferen Einblick in Markt- und Branchenstrukturen und Mechanismen haben als Startup-Unternehmer. Denn die VCs haben laufend mit immer neuen Startup-Projekten zu tun und recherchieren außerdem laufend, projektunabhängig und auf eigene Kosten mit erheblichem Aufwand Technologietrends und Märkte. Sie gewinnen außerdem zusätzliche Einblicke, weil oft ehemalige Konzernmanager den VCs als Investmentpartner oder Berater zur Verfügung stehen. Insoweit haben die VCs also oft einen Informationsvorsprung vor den eher technisch geprägten Startups. Wenn Sie also eine Absage bekommen und die Gründe dafür noch nicht wirklich verstanden haben, dann haken Sie ruhig nach. Sie können dabei an wichtige Informationen kommen, die Sie bis dahin noch nicht hatten. Hören Sie sich also ausführlich an, was die Leute Ihnen zu sagen haben. Das kann durchaus interessant, lehrreich, hilfreich und wertvoll für Sie sein. Womöglich hat man einen Haken an Ihrer Idee entdeckt, der Ihnen bisher entgangen ist.
Es gibt darüber hinaus Absagegründe, die mit Ihrem Projekt direkt nichts zu tun haben. Sie können darin begründet liegen, dass sich herausstellt, dass Ihr Projekt einem anderen Beteiligungsprojekt zu ähnlich ist und man Konflikte vermeiden möchte. Vielleicht wurde gerade ein großes Investment in der gleichen Branche getätigt und man möchte – wegen des Wunsches nach ausgewogener Portfolioverteilung – nun lieber wieder zuerst in eine andere Branche investieren. Vielleicht möchte man zuerst in Projekte eines anderen „Investment Stage“ (Seed, Early Stage, Growth) investieren. Vielleicht glaubt man, für die spezielle Technologie, die bei Ihnen verwendet werden soll, der falsche Kapitalgeber zu sein.






