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Vitaly Friedman im Interview: Über Idee und Erfolg des Smashing Magazine

Aus dem
t3n Magazin Nr. 26

12/2011 - 02/2012

Vitaly Friedman ist mit Sven Lennartz Gründer des „Smashing Magazine“, einer der international erfolgreichsten Websites aus Deutschland. Ausführliche Beiträge rund um , und verwandte Themen sind ihr Markenzeichen. Im mit t3n verrät er, wie es zu der Idee kam, warum es die Seite nicht auf Deutsch geben wird, wie er zu Bezahlinhalten steht und was sie erfolgreich macht.

Vitaly Friedman im Interview: Über Idee und Erfolg des Smashing Magazine

dig vitaly friedman hochkant

t3n Magazin: Könnt ihr von Smashing Magazine leben?

Vitaly Friedman: Ja, sogar schon eine ganze Weile. Ende 2006 hatten wir mit Smashing Magazine angefangen und etwa ein Jahr später hat sich gezeigt, dass sich das richtig gut entwickelt. Im März 2009 haben wir schließlich die GmbH gegründet und seit Ende 2009 gibt es unser Büro in Freiburg.

t3n Magazin: Und wie habt ihr euer Leben finanziert, bis Smashing Magazine so gut lief?

Vitaly Friedman: Als wir damit angefangen haben, wollten wir gar nicht so sehr mit dem Projekt Geld verdienen. Entsprechend war es für uns nur eine Nebenbeisache. Ich habe zu dem Zeitpunkt freischaffend als Webdesigner gearbeitet und noch studiert. Sven Lennartz hatte unter anderem noch sein Projekt Dr. Web – über das wir uns auch kennen gelernt haben.

t3n Magazin: Wie kam es zum Start des Smashing Magazine?

Vitaly Friedman: Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Ich bin in Minsk geboren und kam in Oktober 2000 nach Deutschland, als mein Vater hier einen Job angenommen hat. Ein Jahr davor hatte ich Webdesign mit den damals typischen Tabellenlayouts gemacht und fand das ganz schrecklich. Nach meinem Abitur habe ich angefangen, Mathematik und Informatik zu studieren. Etwa 2003 bin ich auf CSS gestoßen und das fand ich dann wieder interessant. Nebenbei habe ich beim Stöbern in klassischen Designbüchern meine Liebe zur Typographie entdeckt und wollte etwas in Sachen Webdesign machen und das natürlich parallel zum Studium. Hinzu kam: Schon seit Kindertagen habe ich sehr gern geschrieben. Ganz zufällig habe ich dann Dr. Web von Sven Lennartz entdeckt und angefangen, regelmäßig kürzere und größere Beiträge beizusteuern. Daneben hatte ich andere Projekte wie mein „Web-Developer's Handbook“: Auf dieser Website hatte ich alles versammelt, was ich in Sachen CSS-Tipps im Netz gefunden habe. Das kam gut an. Außerdem habe ich auf Englisch in meinem Blog geschrieben. Sven Lennartz ist darauf aufmerksam geworden und kam auf die Idee, testweise einmal einige der sehr erfolgreichen Dr. Web-Artikel zu übersetzen. Letztlich haben wir ein WordPress-Blog aufgesetzt, ein kostenloses Theme genommen und es einfach ausprobiert. So wurde das Smashing Magazine geboren. Das war Ende 2006.

t3n Magazin: Und das schlug dann sofort ein? Oder wann und womit hattet ihr euren Durchbruch?

Vitaly Friedman: Es hat schon zwei, drei Monate gedauert, bis die Leute uns entdeckt haben. Und das war am Anfang auch noch gar nicht so wichtig. Wir hatten das Smashing Magazine in erster Linie angelegt, damit wir selbst dort immer nachschlagen können. Anfangs haben wir deshalb auch nur die Themen behandelt, die uns selbst beschäftigt haben. Aber es gab dann einen Beitrag, der alles verändert hat: „53 CSS-Techniques You Couldn’t Live Without“ ist am 19. Januar 2007 herausgekommen und einfach unglaublich eingeschlagen. Das Material dazu hatte ich über die Weihnachtsferien gesammelt und zu dem Zeitpunkt war so eine Zusammenstellung etwas Besonderes. Digg hat uns viel Traffic gebracht, später ist auch StumbleUpon immer wichtiger geworden. Andere Kanäle waren hingegen noch nicht so entscheidend.

t3n Magazin: Welche Rolle spielten Twitter und Facebook?

Vitaly Friedman: 2007 waren beide ja noch vergleichsweise wenig verbreitet. Da waren Digg, Slashdot und StumbleUpon wichtiger. Twitter habe ich im Frühjahr 2008 eingerichtet, richtig eingestiegen sind wir dann wohl im September. Bei Facebook haben wir vor rund zwei Jahren angefangen, es richtig zu nutzen.

t3n Magazin: Und welche Trafficquellen sind heute für euch wichtig?

Vitaly Friedman: Interessanterweise ist für uns noch immer der RSS-Feed das wichtigste Medium. Darüber hinaus sind Suchmaschinen zentral für uns, da kommt gut 20 Mal mehr Traffic als beispielsweise über Twitter. Wir haben auch heute noch viele Besucher, die über StumbleUpon kommen.

t3n Magazin: Da Suchmaschinen so wichtig sind, optimiert ihr sicher entsprechend für Google und Co.?

Vitaly Friedman: Wir optimieren nicht direkt für Google und die anderen. Aber es ist uns beispielsweise wichtig, dass die Überschriften der Postings sehr aussagekräftig sind. Als Nebeneffekt ist das zugleich für Suchmaschinen gut. Anderes Beispiel: Wir achten darauf, dass die Beschreibungen zu den Artikeln in den Suchergebnissen gut sind. Entsprechend machen wir uns also Gedanken über die Meta-Descriptions. Oder wenn wir ein Best-of aus unseren inzwischen 1.200 Beiträgen zusammenstellen, ist das sowohl für Leser als auch Suchmaschinen interessant.

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8 Antworten
  1. von Vincent am 23.11.2011 (16:44Uhr)

    Sehr gelungenes Interview! Gefällt mir, jetzt überdenke ich nochmal ob ich einen deutschen Webdesign Blog starte :D..

    Viele Grüße, Vincent

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  2. von Frank_G. am 30.11.2011 (12:31Uhr)

    Ich hatte das Glück die aktuelle Print-Ausgabe der t3n Nr 26 am Bahnhofskiosk noch vor dem offiziellen Verkaufsstart zu ergattern:

    Am besten hat mir das hier augenblicklich noch nicht online veröffentlichte Interview mit Vitaly Friedmann gefallen. Besonders spannend fand ich die Darlegung der Entstehungsgeschichte von Dr. Web und dem Smshing Magazin sowie die Ausführungen hinsichtlich der Finanzierungsmodelle solcher Webseiten.

    Als Inspiration für eigene Wege ist dieser Artikel mit Sicherheit sehr hilfreich ...

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  3. von Sarah am 12.09.2012 (18:07Uhr)

    Schönes Interview. Sehr interessant, als langjährige Leserin des Smashing Magazine mal ein wenig hinter die Kulissen zu schauen. Die strengen Richtlinien zur Qualität der Beiträge kann ich nur befürworten.

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  4. von Fargho am 12.09.2012 (18:57Uhr)

    Wow, wusste garnicht, dass das Smashing Magazine ursprünglich aus Deutschland kommt. Schade, dass es Dr. Web nicht mehr in seiner alten Form gibt. Allerdings ist die Konkurenz in dem Berreich mittlerweile auch sehr groß.

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  5. von Mantias am 12.09.2012 (19:22Uhr)

    Schade, hätte mir mehr von dem Interview versprochen. Interessiert wirklich niemanden, ob sie SEO machen und wo die Besucher herkommen

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  6. von Norbert am 12.09.2012 (23:36Uhr)

    Das Interview ist ja nicht mehr ganz so aktuell, was dem aufmerksamen Leser auch sicher aufgefallen ist. Mich würde interessieren wie der (zu begrüßende) Rückkauf von Dr. Web zustande gekommen ist. Gibt es dazu Infos?

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  7. von Wolfgang am 13.09.2012 (02:51Uhr)

    Ich erinnere mich noch gut, dass ich - es muss so um 2006 gewesen sein - mal bei Vitaly Friedman nach einem Praktikum gefragt habe, als er noch in Saarbrücken gewohnt hat.

    Damals musste ich ein einwöchiges Praktikum für die Schule absolvieren und bin auf der Suche nach einer saarländischen Web-Design-Klitsche auf seine Seite http://www.alvit.de/ gestoßen. Die hat sich bis heute ja praktisch nicht verändert. ;)

    Schade, dass ich nicht genommen wurde. Das Smashing Magazine gehört heute zur Pflichtlektüre in meinem Reader und zwei Bücher stehen auch hier auf dem Regal.

    In diesem Sinne - Grüße aus dem Saarland.

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  8. von Thomas Weise am 13.09.2012 (08:25Uhr)

    Das Interview kam mir auch "recht bekannt" vor.

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