t3n Magazin: Sie sind jetzt bereits elf Jahre unternehmerisch tätig. Welche positiven und negativen Erfahrungen haben sich daraus ergeben?
Lars Hinrichs: Einige. Nach jeder Unternehmung schreibe ich meistens für mich selbst eine Liste, was gut gelaufen ist und was schlecht gelaufen ist, damit ich bestimmte Fehler kein zweites Mal mache. Aber diese Erkenntnisse hänge ich nicht an die große Glocke.
t3n Magazin: Was ist die Essenz aus diesen Erfahrungen?
Lars Hinrichs: Das Wichtigste als Gründer ist, diesen Schritt überhaupt zu tun. Mehr Leute sollten an sich glauben. Es ist ein großer Vorteil des Internetgeschäfts heute, dass man sehr wenig Kapital dazu braucht. Alles ist „in the cloud“. Insofern lege ich es den Menschen jeden Tag mehr ans Herz, diesen Schritt zu gehen.
t3n Magazin: Welche persönlichen Eigenschaften sollte man mitbringen?
Lars Hinrichs: Es geht darum, ein klares Ziel zu haben. Manche Leute erfinden sich gern jede Woche neu. Zielorientierung ist mit das Wichtigste. Das Zweite ist, dass man Integrität hat – gegenüber Geschäftspartnern, Mitarbeitern, gegenüber dem Markt und den Dingen, die man tun möchte. Das Dritte: Gründungen sind meistens nicht einer Person zuzuschreiben, es ist immer das gesamte Team, das es ausmacht. Man muss die besten Leute bestmöglich auf die Positionen verteilen, die man zu vergeben hat.
t3n Magazin: Was hat sich im Verlaufe der elf Jahre verändert?
Lars Hinrichs: Fakt ist, dass ich sehr viel älter geworden bin und viel gelernt habe (lacht). Die letzten Jahre waren die beste Ausbildung, die ich nur haben konnte. Es war eine teure Ausbildung mit allen Vor- und Nachteilen. Was den Markt angeht: Wir haben unterschiedliche Arten von Gründern gesehen. Mitte der 90er Jahre gab es die, die sehr technologiegetrieben waren, weil sie aus diesem Bereich kamen. Dann kam die Euphorie und wir hatten ganz viele Unternehmensberater, die Unternehmer werden wollten. Dann gab es nach dem Platzen der Blase gar keine Leute mehr und es war extrem uncool, irgendetwas mit Internet zu machen. Man habe ja schließlich gesehen, dass das nicht funktioniert. In den letzten Jahren haben sich dann wieder die technologiegetriebenen Leute durchgesetzt und heute ist es wieder mehr en vogue, etwas in dem Bereich zu machen. Jetzt, wo wir in der Krise sind, sind das die besten Voraussetzungen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu starten.
t3n Magazin: Das haben Sie jetzt auch vor. Kann man zu dem neuen...
Lars Hinrichs: Nein.
t3n Magazin: Es gibt keinerlei Infos zu Ihrem neuen Projekt?
Lars Hinrichs: Nein, grundsätzlich nicht.
t3n Magazin: Sie haben in den vergangenen Jahren viel Energie in Xing investiert. Das ist nun vorbei. Wie gehen Sie damit um?
Lars Hinrichs: Ich habe als erstes mit meiner Familie eine viermonatige Reise gemacht. Man muss sich auch physikalisch vom Ort des Geschehens entfernen.
t3n Magazin: Für das neue Projekt sind Sie in der Ideenfindungsphase?
Lars Hinrichs: Die ist längst abgeschlossen. Jetzt geht es darum, das Neue, was auch immer das sein mag, mit Ruhe und Geduld anzufangen. Das macht man natürlich erst, wenn man ein schönes Büro hat, in netter Umgebung. Ich glaube, der entscheidende Vorteil des Silicon Valley ist das gute Wetter (lacht). Vorhin war hier alles grau in grau.
t3n Magazin: Das Silicon Valley ist eine Option?
Lars Hinrichs: Das Silicon Valley ist genauso eine Option, wie ein Unternehmen in Hongkong oder Singapur aufzubauen. Unternehmen sind weniger ortsgebunden als früher, gerade als Internetunternehmen. Man sollte vielmehr in dem Markt vor Ort sein, in dem man etwas umsetzen möchte. Was ich mache, muss auch keine neue Internet-Idee sein.
t3n Magazin: Was treibt sie jetzt noch an? Nach dem Xing-Börsengang sind es vermutlich keine finanziellen Gründe. Was ist die Motivation, jetzt weiterzumachen und nicht zu sagen: Ich werde Maler und lasse mich in Spanien nieder.
Lars Hinrichs: Das ist bei mir keine Option, denn ich bin im Künstlerischen extrem wenig begabt (lacht). Nein, im Ernst: Geld ist etwas, was mich nie angetrieben hat im Leben. Es ging immer darum, etwas Eigenes und immer wieder etwas Neues zu machen. Meine Leidenschaft heißt Unternehmertum: Etwas selbst zu kreieren, selbst aufzubauen, mit anderen Menschen zusammen etwas Neues zu schaffen, was Probleme löst oder neue Märkte erschafft.
t3n Magazin: Wurde Ihnen das in die Wiege gelegt?
Lars Hinrichs: Wenn man ausreichend beratungsresistent ist, vielleicht auch schon in der Jugend, dann liegt es nahe, dass man diesen Weg einfach geht (lacht). Wenn dann noch eine gute Portion Selbstvertrauen dazukommt und man im Bereich technikorientierter Internetunternehmen ein bisschen Ahnung hat, dann hat man schon ganz gute Voraussetzungen.
t3n Magazin: Auf Ihr neues Projekt werden natürlich alle sofort schauen und jeder wird eine Meinung haben. Ist das nicht schwierig?
Lars Hinrichs: Ich gebe wenig darauf, was andere Leute dazu sagen, was ich mache. Ich mache es einfach, weil es für mich wichtig ist. Hat es den Anspruch, so zu sein wie Xing oder noch größer? Das ist mir relativ unwichtig. Es kann auch etwas Kleineres sein, womit ich einfach glücklich bin. Es kann auch etwas Größeres sein, wenn ich Lust darauf habe.
t3n Magazin: Was ist denn der entscheidende Faktor, damit Sie mit einer Unternehmung glücklich sind?
Lars Hinrichs: Ich bin ja nebenbei als Business Angel aktiv und da schaue ich immer auf mehrere Dinge. Beispielsweise: Ist es etwas Neues oder löst es ein nachhaltiges Problem? Ist es eine Unternehmung, die skaliert? Wenn ja, dann klingt es deutlich spannender. Ist es etwas, wo man mit besonders guten Leuten zusammenarbeiten kann? Und letztlich läuft es auf die Frage hinaus: Mache ich das, was ich tue, mit Leidenschaft? Und nur, wenn ich etwas wirklich mit Leidenschaft mache, wenn ich es nicht als Arbeit definiere, dann ist das eine Sache, mit der ich wirklich glücklich bin.





9 Antworten
von Julian 13.10.2009 (16:16Uhr) 1.
Laut Alexa.com (ja, ich weiß. Nicht die beste Quelle) ist rapidshare.com auf Platz 18 der meistbesuchten Seiten. Das Unternehmen wurde in Deutschland gegründet und musste dann wegen offensichtlichen rechtlichen Problemen in die Schweiz weiterziehen. Aber deutsch ist es trotzdem.
von Linkwertig: Journalismus, niiu, Twitter,… 14.10.2009 (09:02Uhr) 2.
[...] » Interview mit Xing-Gründer Lars Hinrichs zu Erfahrungen und neuen Ideen: „Unternehmertum ist mein... [...]
von Heiko Richter 14.10.2009 (10:06Uhr) 3.
Ich denke nicht, dass es an den Ideen liegt. Die gibt es hier in Deutschland auch. Das Problem liegt in der Masse. In der USA hat man automatisch ein vielfaches an Zielgruppe, als in Deutschland. Das zweite Problem ist, das man in Deutschland kein Venture Capital auf Ideen bekommt. Bei Google z.B. war das Kapital da, ehe das Geschäftskonto eröffnet wurde und bei Youtube steckte man 500 Mio Dollar rein. Wenn man in Deutschland das Geld zur Verfügung hätte, dann gäbe es auch solche Projekte die es in die Top 100 schaffen. Doch man scheitert an der Bürokratie und am Geld. Ich selbst laufe mir schon seit Jahren die Hacken für Venture Kapital wund.
von Fränk 14.10.2009 (12:34Uhr) 4.
Meines Erachtens liegt das Hauptproblem wirklich (wie schon angesprochen) in der Sprache. Deutsch sprechen einfach zu wenige Weltbürger. Insofern fallen eine ganze Reihe guter Ideen/Seiten/Dienste für eine Plazierung in den Top100 weg.
von "Alles, was extrem erfolgreich ist und e… 14.10.2009 (17:48Uhr) 5.
[...] "Alles, was extrem erfolgreich ist und extrem groß geworden ist, kommt nicht aus Deutschland" Lars Hinrichs, XING - im Interview mit t3n [...]
von Links vom 14. Oktober 2009 | Testspiel.d… 14.10.2009 (19:03Uhr) 6.
[...] Interview mit Xing-Gründer Lars Hinrichs zu Erfahrungen und neuen Ideen: „Unternehmertum ... [...]
von Weltmacht mit Hertz… « Total… 15.10.2009 (17:13Uhr) 7.
[...] einem Artikel auf t3n wird Hinrichs gefragt, warum die deutsche Webszene keinen Stich macht im international big [...]
von Vedran 15.10.2009 (22:13Uhr) 8.
"Lars Hinrichs: Man sollte sich fragen: Worin sind wir
Deutschen extrem gut? Wir sind sehr gut im Bereich Technik, im Bereich Programmierung. Wir setzen da sehr viele Maßstäbe. Man findet in Deutschland mittlerweile genauso gute Entwickler wie in A...merika. Wir sind nicht so gut darin, uns eigene kreative Ideen zu überlegen und die dann auch wirklich umzusetzen."
Hmmm mich interessiert eher, warum jeder von meiner/n Idee/n so begeistert ist, sich aber niemand finanziell an der Umsetzung beteiligen möchte?
von Lesenswertes zu den Themen: Mobile Websi… 09.11.2009 (18:07Uhr) 9.
[...] “Unternehmertum ist meine Leidenschaft” - Interview mit Lars Hinrichs Autoren: Jan Tißler & Lars Hinrichs Quelle: t3n Magazin [...]