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Ohne Bezahlung würde Captain Picard keinen Finger krümmen [Kolumne]

Aus dem
t3n Magazin Nr. 27

03/2012 - 05/2012

„Star Trek“-Erfinder Gene Roddenberry erhoffte sich eine Welt ohne Geld. Zukünftig würden demnach alle aus freien Stücken etwas zum Gemeinwohl beitragen, so dachte er. Jeder würde ganz selbstverständlich den Posten übernehmen, der am besten zu den eigenen Fähigkeiten passt – vom Captain des Flaggschiffs der Föderation bis hin zum Telefondesinfizierer. Alle wären gleich. Und das ist logischerweise kompletter Unsinn.

Ohne Bezahlung würde Captain Picard keinen Finger krümmen [Kolumne]

Money Geld
Geld ist überhaupt nicht wichtig – so lange man genug davon hat.

Roddenberrys Phantastereien wurde alsbald ein Ende gemacht, als er nicht mehr selbst die Zügel bei den diversen „Star Trek“-Serien in der Hand hatte. Da gab es dann doch Handel und wertvolle Güter wie „goldgepresstes Latinum“ und, endlich, Krieg. Viel Krieg. Mit Befehlen wie: „Feuern nach eigenem Ermessen“ usw. usf. Und nicht mehr diese kosmische Version einer Menschheit als kollektiver Hippiekommune, die immer und überall Frieden und Fortschritt bringen will. Langweilig! Wir wollen Photonentorpedos sehen! Viele! Und Schilde bei 10 Prozent, die nur durch Umleiten der Hilfsenergie aus der Seitenphalanx sowie einem gerichteten Tachyonenstrahl aus dem Hauptdeflektor...

Aber zurück zu den Themen, die jeden interessieren: Moneten, Penunzen und Knete.

Man muss sich eine solche Welt ohne Geld nur einmal vorstellen: Da lassen sich also Leute wie Captain Jean-Luc Picard freiwillig und komplett intrinsisch motiviert jede Woche in Lebensgefahr bringen, haben kein Privatleben und werden dafür auch noch ständig durch die Gegend gebeamt. Ja klar, sehr realistisch. In der echten Welt bekäme Picard dafür selbstverständlich einen Haufen Asche, Kohle und Schotter, um sich davon nicht nur eine flotte Raumyacht leisten zu können, sondern ebenso Villen an den schönsten Meeren des Universums. Hier könnte Picard dann junge, hübsche und vor allem weibliche Nachwuchskadetten mit seinen Storys beeindrucken. Und wenn es kein Geld gäbe, könnte er schließlich genauso gut einfach auf irgendeinem Strandplaneten abhängen und sich mit Cocktails um den Verstand trinken, anstatt sich Woche um Woche mit neuen Zivilisationen herumzuplagen.

Aber nein: Picard will unbedingt der Menschheit einen nützlichen Dienst erweisen. Einfach so.

Lebenslanges Nullsummenspiel

Douglas Adams hat es (wie so oft) auch beim Thema Geld in seinem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf den Punkt gebracht: Menschen seien unglücklich, schreibt er, und versuchten das über das „Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen“ zu lösen. „Und das ist einfach drollig, weil es im Großen und Ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen sind, die sich unglücklich fühlen.“ Das stimmt natürlich. Aber das interessiert nun einmal niemanden.

Heute wird das alles sogar virtuell und es dreht sich meist nur noch um das Hin und Her von Zahlen, die irgendwo gespeichert sind. Manche führen gleich komplett neue Währungssysteme wie Bitcoin ein. Andere versuchen, zur Tauschgesellschaft zurückzukehren. Wieder andere schreiben unglaubwürdige Science-Fiction-Serien, in denen es kein Geld gibt.

Aber wie dem auch sei: Tatsächlich gibt es eine gewisse latente Geldlosigkeit auch bei mir. Ich brauche dazu nur einen Blick auf mein Konto zu werfen. Ich will mich nicht beschweren: Das Geld ist ja da, nur eben nicht lange. Im Prinzip ein lebenslanges Nullsummenspiel, wenn alles einigermaßen gut läuft.

Und wenn das Geld nun abgeschafft würde? Wenn ich ehrlich bin, würde ich trotzdem nicht am Strand liegen und mich mit Cocktails um den Verstand trinken. Naja, jedenfalls nicht lange. Oder nicht sehr lange. Irgendwann käme der Tag, da bin ich mir sicher, an dem mir ganz elendig langweilig würde. Und dann hätte ich Lust, mal wieder etwas zu schreiben – auch ohne Geld.

Inwiefern das ein nützlicher Dienst an der Menschheit wäre, steht dabei allerdings auf einem anderen Blatt.

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13 Antworten
  1. von Clemens am 08.01.2013 (16:22 Uhr)

    Der Artikel hätte wirklich potential gehabt.
    Sicher war die Grundidee von Gene Roddenberry sehr idealistisch aber dennoch war er seiner Zeit weit voraus. Inwiefern das auf sein Modell weitab des Kapitalismus zutrifft bleibt fraglich, aber genauso klar ist, dass Geld weit in der Zukunft nicht mehr eine derart gewichtige Rolle spielen wird wie es aktuell der Fall ist.

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  2. von skp am 08.01.2013 (18:01 Uhr)

    wie schön, wenn sich jemand begrifftlos und ohne die basics des gesellschaftstheoretischen und -kritischen diskurses an ein solches thema macht. quasi unbedarft. heraus kommt dann erwartungsgemäß was rauskommen soll und da zitiere ich sie gerne herr tißler - "Und das ist logischerweise kompletter Unsinn."

    mehr nicht. küchenfilosfie der untersten schublade. eine luftnummer als artikel getarnt über geldfreie ideen, um ein bisschen geld damit zu verdienen. "Aber das interessiert nun einmal niemanden."

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  3. von Norman am 08.01.2013 (18:47 Uhr)

    Ein wirklich sehr schwacher Artikel. Klar sieht die geldlose Welt aus StarTrek in unserer heutigen Zeit aus wie ein reines Wunschdenken. Aber diese Ideologie deswegen gleich - für alle Zeit - als unmöglich abzustempeln, liegt wohl kaum im Ermessen des Autors.

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  4. von JJ am 09.01.2013 (08:17 Uhr)

    > Man muss sich eine solche Welt ohne Geld nur einmal vorstellen

    Ganz Genau! Das können die meisten Strategen hier gar nicht. Man kann es ihnen nicht einmal verübeln, denn wir werden alle seit hunderten von Jahren mit dem Kapitalismus- und Wachstumswahn = Konkurrenz und Ellenbogen -> Darwinistisches System indoktriniert. Für die meisten von uns nicht nur Nullsumme, sondern eher im Minusbereich anzusiedeln, wenn man unser Hamsterrad mal mit einbezieht, in dem wir jeden Tag strampeln, um zumindest ein Dach über dem Kopf zu haben... von Umweltschäden und Weltarmut, durch diesen Wahnsinn gefördert, mal ganz abzusehen.

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  5. von ickMuc am 09.01.2013 (08:22 Uhr)

    Ich würde jederzeit meinen Beitrag, nach meinen Fähigkeiten auch ohne Geld leisten.

    Wenn die Grundbedürfnisse des Lebens einmal erfüllt sind (Essen, Wohnen, Gesundheitsversorgung) - dann geht es darum "seinen" Platz in der Gesellschaft zu finden. Diese Anerkennung ist sicher mehr Lohn, als so mancher aktuell bekommt.

    Die Menschen werden noch etwas Zeit brauchen, doch vielleicht erreichen wir die nächste Entwicklungsstufe. Wenn nicht, werden wir untergehen

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  6. von derinderinderin am 09.01.2013 (09:03 Uhr)

    "Wir wollen Photonentorpedos sehen! Viele! Und Schilde bei 10 Prozent, die nur durch Umleiten der Hilfsenergie aus der Seitenphalanx sowie einem gerichteten Tachyonenstrahl aus dem Hauptdeflektor..."

    GEIL...! Wenn sowas in einem Artikel vorkommt, kann der doch bitte nicht mehr schlecht sein! :)

    Und natürlich wird es immer eine Währungseinheit geben! Ob jetzt Muscheln zum tauschen oder Gold-"karten" wie in der Schweiz gerade modern! Um präziser zu werden: Es wird vl. nicht Geld heißen, was wir zum Leben brauchen, aber wir werden es weiterhin brauchen! Man wird nicht nichtstun und ein schönes Leben führen können! Und wenn wir nur für Annerkennung arbeiten, wie mein Vorposter schreibt, dann ist halt genau diese Anerkennung die derzeitige Währung! Und wenn nur Können im Leben gefragt ist, dann ist halt der/die Titel des Namens der Kontostand!

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  7. von Thomas D. am 09.01.2013 (10:14 Uhr)

    in einer welt, in der waren repliziert und nicht mehr getauscht werden: wozu braucht man dann noch die tauscheinheit geld?

    die welt von star trek mag kaum vorstellbar sein, aber noch unvorstellbarer ist die notwendigkeit von einem "Haufen Asche, Kohle und Schotter" in einer welt, in der es dafür ganz offensichtlich keinen bedarf mehr gibt. außer natürlich picard hat gerne scheinchenweise wertloses papier in seinem tresor...

    leider einer der schlechtesten artikel, die ich seit langem gelesen habe und leider irgendwie der sprichwörtliche blinde, der über farben redet. sowohl in sachen star-trek-universum, als auch beim thema volkswirtschaft.

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  8. von Andreas am 09.01.2013 (10:38 Uhr)

    Nur die Dinge sind Wertvoll, die man für Geld nicht kaufen kann.

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  9. von Fjonan am 09.01.2013 (11:41 Uhr)

    Gene Roddenberry war in den ersten Jahren der "Star Trek: Next Generation" ebenso stark beteiligt. Und auch dort gab es die Ferenghi (welche Reichtum als höchstes Gut anstreben) und auch viele kleinere und große Konflikte. Er war also mitnichten der Hippie als den Sie ihn hier darstellen wollen. Die Abkehr vom Geld durch wie sie selbst erwähnte Alternativ- und Tauschwährungen bekommt wieder neuen Schwung und Dinge wie das bedingungslose Grundeinkommen sind aktueller den je.
    Das "moderne Geld" hat erst jüngst bewiesen wie undurchsichtig und gefährlich es sein kann und es ist nur eine Frage der Zeit und des Mutes bzw. Drucks auf die Politiker bis sich hier grundlegendes ändern wird.
    Auch wenn es Jobs wie den Telefondesinfizierer nicht mehr geben wird (muss) und sich Menschen tatsächlich nach ihren Fähigkeiten einbringen können wird ein weiteres Stück Roddenberry's Vision Wirklichkeit.

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  10. von Arthur Dent am 09.01.2013 (19:16 Uhr)

    Gedrucktes Spiegelbild der geistigen Reife unserer Gesellschaft.
    Würde der "Autor" dieses "Artikels", den beschriebenen, geldlosen Zustand in das Hier und Jetzt katapultieren, so hätte er wahrscheinlich recht. Aber glücklicherweise hat sich nicht nur die Gesellschaftsform weiterentwickelt, sondern auch die Menschheit. Für Ware zahlen zu müssen ist gegenstandslos geworden. Energie gibt es im Überfluss und aus genau dieser können sämtliche Dinge die man braucht und/oder haben möchte, hergestellt werden. Quasi für lau. Es gibt auch keinen Zwang mehr arbeiten gehen zu müssen, da nahezu alles automatisiert ist. Ergo kann man sich den Dingen widmen, die einen interessieren, in denen man gut ist und seinen Leidenschaften nachgehen. Davon mal abgesehen, dass jeder Mensch gerne gebraucht wird und schon allein deshalb auch bereit ist Arbeiten zu erledigen, die vielleicht nicht so spektakulär erscheinen, wie das Steuern des Flaggschiffs der Föderation. Ich könnte jetzt einen Roman verfassen, lass es aber, weil es sowieso keine Sau interessiert. Stattdessen beende ich dieses kleine statement mit der Aussage, dass ich mir nichts tolleres vorstellen könnte, als Capitain des Flaggschiffs der Föderation zu sein und in unbekannte Welten vorzustoßen. Dafür würde ich sogar bezahlen.

    Live long and prosper!

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  11. von Marcus Thrän am 10.01.2013 (02:48 Uhr)

    Normalerweise meide ich es, angesichts ausufernder Diskussionen im Fussraum eines Artikels meinen Kommentar abzugeben, erst recht dann, wenn der Autor in der Defensive steht. Aber angesichts eines solchen Artikels bleibt einem kaum etwas anderes uebrig, als sich anzumelden, um einigen Anmerkungen loszuwerden.
    Der Artikel ist nicht nur schwach und inhaltlich enttaeuschend, wie einige bereits treffend anzumerken wussten, vielmehr fehlt es dem Text in jeglicher Hinsicht an ausreichender Konsitenz. Nun ist vielen klar, dass Plattformen wie t3n unter grossen Publikationszwaengen stehen - Ressourcen und Zeit allerdings sehr begrenzt sind. Dennoch: Aus journalistischer und publizistischer Perspeltive ist dem Artikel – man muss es leider so formulieren – nur ein vernichtendes Urteil auszusprechen und es sei dem Autor an dieser Stelle erspart, Satz fuer Satz seiner Zeilen durchzugehen, um zu zeigen, wie gross die Schwaechen tatsaechlich sind.
    Allerdings – darauf moechte ich dann doch verweisen – stockt einem der Atem, wenn man an das Ende des Artikels gelangt, in dem Jan Tiessler schreibt: „Und wenn das Geld nun abgeschafft würde? ... Irgendwann käme der Tag, da bin ich mir sicher, an dem mir ganz elendig langweilig würde. Und dann hätte ich Lust, mal wieder etwas zu schreiben – auch ohne Geld.“
    Da muss man zwangslaeufig auf die Ueberschrift verweisen („Ohne Bezahlung würde Captain Picard keinen Finger krümmen“) und auf Saetze wie „Star Trek“-Erfinder Gene Roddenberry erhoffte sich eine Welt ohne Geld. ... Und das ist logischerweise kompletter Unsinn“.
    Einer meiner Lehrer an der Universitaet pflegte in solchen Faellen die beiden entsprechenden Textstellen in den Arbeiten seiner Schueler mit einem Doppelpfeil am Rande zu verbinden und daneben zu kommentierten: „zu vermitteln!“
    Es war seine zurueckhaltende aber zugleich vernichtende Art mitzuteilen, dass nicht nur ein ganz gravierender Logikfehler vorlag, sondern mehr noch der Autor die glanzvolle Leistung vollbracht hat, sich innerhalb seines eigenes Textes selbst zu widerlegen.
    Der jeweilige Student hatte dann die Moeglichketi, seine Gedanken zu ueberarbeiten und es bleibt dem Autor des Artikels nur zu wuenschen, dass er zumindest beim naechsten Mal sein volles Potential abruft.

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  12. von Akin Orev am 11.01.2013 (17:02 Uhr)

    Der eigentliche Skandal ist nicht der Artikel, sondern die eigentlichen Skandale spielen sich im Kommentarbereich ab. Hier sollte t3n endlich mal Arsch in der Hose beweisen und Schmähkritik kommentarlos löschen.

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  13. von JJ am 15.01.2013 (07:16 Uhr)

    @Akin Orev

    Ja, Du bist schon der Richtige! Wenn Die Leute hier ihre Meinung sagen, schreist Du nach Zensur.

    Die Tatsache, dass hier zum Glück noch einige vernünftige Menschen schreiben, lässt mich ja fast schon hoffen, dass wir den heutigen Wahnsinn, der von den Massenmedien unter Verschluss gehalten wird, doch noch abbiegen...

    Aber gut, Akin...schlaf weiter und schau schön Dschungelcamp!

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