Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

t3n 46

Künstliche Intelligenz: „Gehirne in die Cloud laden? Absurd!“

(Foto: TedxBerlin / Sebastian Gabsch)

Macht künstliche Intelligenz ewiges Leben möglich? Einige Silicon-Valley-Größen propagieren genau das. Sie glauben, dass man unser Gehirn nur mit einem Breitbandanschluss ausstatten müsste.

Wissenschaftler Raúl Rojas González ist mehrfacher Fußballweltmeister – dank künstlicher Intelligenz. Der Informatik-Professor der FU Berlin hat Roboter entwickelt, die gegen andere Maschinen in der Ballsportart antreten. Bereits zwei Mal hat er mit seinen „Schützlingen“ den internationalen Robocup gewonnen. Trotzdem seien sie weit davon entfernt, gegen Menschen antreten zu können, sagt Rojas im Interview.

Generell hingen die Maschinen der Menschheit noch hinterher, meint der Experte: Den Computern fehle ein tieferes Verständnis von dem, was der Algorithmus am Ende als Ergebnis auswirft. Im Gespräch mit t3n erklärt der Wissenschaftler, warum neuronale Netze längst noch nicht so weit sind, wie in der Öffentlichkeit angenommen wird, und wieso wir uns beim Thema ewiges Leben auf Basis künstlicher Intelligenz noch gedulden müssen.

t3n Magazin: Herr Rojas, wir führen unser Gespräch über das Telefon. Woher weiß ich, dass ich nicht gerade mit einem Roboter spreche, sondern mit einem echten Menschen?

Raul Rojas: Im Jahr 2016 können Sie sich da noch sicher sein. Es gibt noch keinen Roboter, der so eine Konversation führen könnte. Unsere Synthesizer für die Erzeugung von Sprache klingen zwar heute schon fast realistisch, aber man merkt immer noch sofort, dass es sich um einen Computer handelt. Auch unsere Dialogsysteme sind noch nicht so gut und reagieren nur auf Stichworte beziehungsweise bestimmte Kombinationen von Begriffen. Sie führen keine linguistische Analyse durch und haben kein tieferes Verständnis von dem, worüber gesprochen wird. Deswegen sind die Dialoge, die man mit dem Computer führen kann, ziemlich begrenzt. Ich bin also kein Roboter.

t3n Magazin: Wobei diese sachliche Antwort auch von einem Roboter stammen könnte. Humor wäre sicherlich schwieriger zu simulieren.

Richtig. Wenn man beim Turing-Test jede beliebige Fragen stellen darf, um herauszufinden, ob man gerade mit einem Menschen oder einer Maschine kommuniziert, fragt man natürlich nach Gefühlen, Träumen, Plänen für die Zukunft, Liebe oder Freundschaft, also subjektiven Empfindungen, die für einen Computer unergründlich sind, und über die er deshalb auch nicht sprechen kann.

t3n Magazin: Sie sind ja mehrfacher Fußballweltmeister. Allerdings spielen Sie nicht selbst, sondern schicken Roboter auf das Spielfeld. Was haben Sie dabei über die Koordination von Körper und „Geist“ dieser Maschinen gelernt?

Unsere Roboter sind weit davon entfernt, echten Fußball gegen Menschen spielen zu können, und das ist auch nicht unser Ziel.

Unsere Roboter sind weit davon entfernt, echten Fußball gegen Menschen spielen zu können, und das ist auch nicht unser Ziel. Die Fussballrobotik ist ein Laboratorium, um in begrenzter Umgebung Computer-Vision und Koordination zu untersuchen, etwa das Zusammenspiel von mehreren Robotern mit einem gemeinsamen Ziel. Fußball eignet sich dafür sehr gut, weil die Anzahl der Regeln, die Größe des Feldes und auch das, was darauf passieren kann, überschaubar ist. Wollte man Roboter als Butler für den Haushalt studieren, wäre das ungleich schwieriger, weil diese dann in einer verwinkelten Wohnung navigieren und mit einer Vielzahl von Objekten interagieren müssten.

Für die Forschung wäre das zu unübersichtlich. Wir brauchen Laborbedingungen und haben so schon viel über die Fähigkeiten der Roboter gelernt. Wir sind aber noch weit davon entfernt, elegante Roboter bauen zu können, die dann auch noch schönen Fußball spielen. Bisher bewegen sie sich holprig, fallen um oder erkennen den Ball nicht, obwohl er vor ihren Füßen liegt.

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Eine Reaktion
Steffen Hannemann
Steffen Hannemann

Geht es in der KI-Forschung nicht darum Grenzen zu überwinden. ;)
Grenzen des Lebens, Grenzen der Wissensaufnahme, wenn wir eine Superintelligenz erschaffen die über alles Wissen der Menschheit verfügt und dies eigenständig weiterentwickelt, werden wir auch durch die SuperKI bald die Möglichkeit haben unsere Wissensaufnahme zu steigern, hundert mal so viel, oder Millionen mal so viel wie heute.

Die Skepsis klingt doch sehr bekannt: Als Jules Verne seine Zukunft-Visionen beschrieben hat, war er für die Zeitgenossen ein Spinner und heute... :)

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden