Liquid Democracy: Das Konzept im Unternehmenskontext

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online gestellt: , Erstveröffentlichung: 28.08.2012

Aus dem
t3n Magazin Nr. 29

09/2012 - 11/2012

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Mit der Piratenpartei zieht auch Liquid Democracy in deutsche Landesparlamente ein. Während Anhänger das Konzept unterstützen, stößt es bei Gegnern auf Widerstand. Es gilt, eine gemeinsame politische Kultur zu entwickeln, die abseits dieser Extreme dabei hilft, sich neuen Entscheidungsprozessen zu nähern. Dass sich die Funktionsweise von Liquid Democracy auch wirtschaftlich lohnen kann, zeigen Vorreiterunternehmen bereits heute.

Liquid Democracy steht für demokratische Partizipation, die Merkmale direkter und repräsentativer Demokratie miteinander verbindet. Der Leitgedanke lautet: Durch internetbasierte Plattformen die Restriktionen bestehender politischer Entscheidungsprozesse zu verflüssigen, indem sich die Beteiligten von Fall zu Fall selbst entscheiden, ob sie über eine Frage oder ein Thema direkt abstimmen oder ihre Stimme delegieren.

Teilhaben und teilnehmen

Während die Bindung an politische Parteien in den letzten Jahren abnimmt, steigt das Interesse an Partizipationsmöglichkeiten. Die Bürger wünschen sich mehr Teilnahme an demokratischen Entscheidungsprozessen, wollen transparent über politische Prozesse informiert werden und im besten Fall ihre Vorschläge und Positionen aktiv in den Prozess einbringen.

Wer allerdings tatsächlich Partizipationsmöglichkeiten erprobt, sei es in einer politischen Partei oder einer anderen Organisation, der erfährt schnell, dass Teilhabe zeitintensiv und anstrengend sein kann. Dieses Dilemma möchte das Konzept der Liquid Democracy auflösen. Partizipation – so der Gedanke – sollte nicht frustrieren, sondern im besten Fall so einfach wie möglich praktiziert werden können und damit auch offen sein für Gruppen, die sich bisher nicht aktiv in die Politik einbringen.

In der Liquid Democracy kann sich jeder an Abstimmungen zu Themen beteiligen, die ihm am Herzen liegen. Eine hohe Partizipation schafft dabei die beste Grundlage für einen vielfältigen und damit intelligenten Diskurs und ist so eine gute Voraussetzung für eine lernfähige Demokratie.

Liquid Feedback und Adhocracy

Liquid Democracy funktioniert nur mit konkreten Lösungen wie Liquid Feedback [1] und Adhocracy [2]. Adhocracy ist die vom Verein Liquid Democracy e.V. entwickelte Software-Variante, Liquid Feedback die in der Piratenpartei eingesetzte. Beide gestalten die konkrete Umsetzung in Detailfragen, beispielsweise beim Antragsentwicklungsprozess, unterschiedlich aus. Die Softwarelösungen sind frei und können je nach Bedarf den unterschiedlichen Anforderungen angepasst werden. Als mögliche Anwendungsbereiche werden politische Parteien, Unternehmen, NGOs, Vereine oder Bürgerbeteiligungsprojekte genannt. So nutzen beispielsweise die Piratenpartei, die Organisation Slowfood, das Unternehmen Synaxon AG und der Landkreis Friesland bestimmte Varianten von Liquid Feedback, so genannte Instanzen.

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Immer weniger Menschen identifizieren sich mit einer einzelnen Partei. Gleichzeitig steigt das Interesse an Partizipationsmöglichkeiten. Liquid Democracy könnte dieses Interesse bedienen.
Adhocracy kommt oder kam unter anderem bisher zum Beispiel bei der Bürgerbeteiligung zur Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, beim Zukunftsdialog der SPD-Bundestagsfraktion, dem ZEITmagazin und dem Verein Mehr Demokratie e.V. zum Einsatz.

Grundsätzlich stellen die Online-Plattformen die Infrastruktur der Räume dar, in denen Ideen, Vorschläge und Anträge veröffentlicht sowie Feedback eingearbeitet werden kann. Dort können die Teilnehmer schließlich auch abstimmen. Beim Liquid Feedback der Piraten sieht ein Abstimmungsprozess etwa folgendermaßen aus: Nutzer können zu Themen Vorschläge einbringen, die Initiativen genannt werden. Wird eine bestimmte Zahl an Unterstützern erreicht, gelangt die Initiative in die Diskussionsphase, wo Initiatoren und Unterstützer Feedback, Anregungen und Alternativen diskutieren und verarbeiten. Anschließend wird die Initiative, sofern ein zweites festgelegtes Quorum erreicht ist, zur Abstimmung gebracht.

Zuvor folgt eine Phase des Einfrierens, in der keine weiteren Änderungen mehr möglich sind. Auf diese Weise bleibt allen involvierten Personen ausreichend Zeit, Entscheidungen in Ruhe zu evaluieren und sie nicht von kurzfristigen Stimmungsschwankungen abhängig zu machen. Bei der Abstimmung kann jeder die eigene Stimme delegieren. Wichtig in der Liquid Democracy ist, dass es jedem Beteiligten freigestellt ist, ob er seine Interessen selbstständig vertritt oder diese Aufgabe an andere überträgt. Delegationen lassen sich allerdings jederzeit widerrufen.

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4 Antworten
  1. von frostdiver 16.01.2013 (18:09Uhr) 1.

    "Während Anhänger das Konzept unterstützen, stößt es bei Gegnern auf Widerstand."
    Sieh an, sieh an!

  2. von Crowd makes proud 16.01.2013 (21:17Uhr) 2.

    Nicht die Mitarbeiter sind das Problem, sondern die sogenannte "Lehmschicht", also das mittlere Management. Die sind nämlich überflüssig. Siehe Stromberg.

    Und das man angstfrei diskutieren können muss ohne gemobbed zu werden, sollte auch klar sein.

    Rot-grün hätten das 1999 unter AOL schon einführen können. Dann wäre Deutschland auf dem Weg der Schuldenfreiheit und Flughafen Berlin wäre längst fertig und würde Gewinne einspielen.

  3. von laskuso 16.01.2013 (21:22Uhr) 3.

    "Während Anhänger das Konzept unterstützen, stößt es bei Gegnern auf Widerstand." Füllsatz-Alarm :-)

  4. von Tobi 16.01.2013 (23:08Uhr) 4.

    Ich schreibe gerade meine Bachelor Thesis zu dem Thema (Schwerpunkt Mitarbeiterzufriedenheit durch Tools wie LiquidFeedback). Liebend gerne würde ich mal in einem Unternehmen arbeiten, die derartige Software nutzen und damit Erfahrungen sammeln. Aus meiner Sicht hat das richtig viel Potenzial in Bezug auf die Zufriedenheit und Innovationskraft der Mitarbeiter.

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