Liquid Democracy: Das Konzept im Unternehmenskontext

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Liquid Democracy im Unternehmen

Die Synaxon AG führte Liquid Feedback vor einem halben Jahr ein, damit alle Mitarbeiter ihre Ideen einbringen können. Um die Angestellten zur Partizipation zu motivieren, wird die Anonymität als wesentlicher Aspekt bei der Verwendung von Liquid Feedback erachtet. Jeder der 150 Mitarbeiter ist berechtigt, eine Initiative zu starten, und wenn ein Quorum von zehn Prozent der Belegschaft erreicht ist, startet die Diskussion. Wie bei den Piraten folgt vor der Abstimmung eine Phase des Einfrierens, in der keine Änderungen mehr möglich sind. Nehmen an der Abstimmung mindestens fünfzig Prozent der in der Themengruppe registrierten Mitarbeiter teil und erhält die Initiative am Ende eine einfache Mehrheit, sieht sich der Vorstand in der Pflicht, sie umzusetzen. Sein Vetorecht will der Vorstand nur in Ausnahmefällen anwenden. Bisher hat er keinen Gebrauch davon gemacht. Allerdings ist für ihn ein gewisser Handlungsspielraum für die operative Umsetzung erfolgreicher Initiativen wichtig.

Während das Unternehmen den Liquid-Feedback-Prozess anfangs als „schleppend“ bezeichnete, beteiligen sich mittlerweile mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter – sehr viel mehr als bei den Piraten. Die Diskussion unter Pseudonymen hat sich etabliert und wird wegen ihrer Offenheit, Direktheit und Schnelligkeit geschätzt. „Diskussionen in einem anonymen Umfeld sind ergiebiger“, stellt der Vorstandsvorsitzende Frank Roebers fest und ergänzt: „Das Recht auf Anonymität im Internet sollte im Grundgesetz festgehalten werden“. Wer meint, dass sich nun abwegige Ideen durchsetzen, wird eines Besseren belehrt. Mitarbeiter honorieren das Vertrauen und setzen sich mittlerweile bei Synaxon auch mit dem Geschäftsmodell oder anderen Themen auseinander, die klassischerweise in den Aufgabenbereich von Führungskräften fallen. Zu Beginn ging es noch um Themen wie die Anschaffung eines Betriebsfahrrads oder eines Kickers.

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Bei Liquid Feedback hat jedes Mitglied eine eigene Übersichtsseite, die alle Bereiche auflistet, an denen das Mitglied partizipiert.

Durch den Einsatz von Liquid Feedback hat Frank Roebers zusammen mit seinen Vorstandskollegen einige Entscheidungen umgesetzt, die er sonst so nicht getroffen hätte. Er ist von hohen Effizienzsteigerungen überzeugt, die aus dem neuen Tool zur Partizipation resultieren. Themen werden nicht nur schnell aufgespürt, sondern auch mit der versammelten Intelligenz des Unternehmens bearbeitet. Dieser Umstand beschleunigt Unternehmensprozesse und ganz nebenbei gewinnt die Synaxon AG an Attraktivität für potenzielle Bewerber. „Die Qualität der Bewerbungen geht hoch“, verrät Roebers und ergänzt, dass er den Einsatz von Liquid Feedback allen Mittelständlern empfehlen kann, die eine „saubere Weste und keine Leichen im Keller haben“. Die entscheidende Frage, die sich ein Unternehmenslenker vor der Einführung stellen muss, lautet: „Glaube ich, dass ich meinen Mitarbeitern vertrauen kann?“

Links und Literatur

Softlink 3189
  1. 1 http://liquidfeedback.org/
    Liquid Feedback
  2. 2 https://adhocracy.de/
    Adhocracy
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4 Antworten
  1. von frostdiver am 16.01.2013 (18:09Uhr)

    "Während Anhänger das Konzept unterstützen, stößt es bei Gegnern auf Widerstand."
    Sieh an, sieh an!

  2. von Crowd makes proud am 16.01.2013 (21:17Uhr)

    Nicht die Mitarbeiter sind das Problem, sondern die sogenannte "Lehmschicht", also das mittlere Management. Die sind nämlich überflüssig. Siehe Stromberg.

    Und das man angstfrei diskutieren können muss ohne gemobbed zu werden, sollte auch klar sein.

    Rot-grün hätten das 1999 unter AOL schon einführen können. Dann wäre Deutschland auf dem Weg der Schuldenfreiheit und Flughafen Berlin wäre längst fertig und würde Gewinne einspielen.

  3. von laskuso am 16.01.2013 (21:22Uhr)

    "Während Anhänger das Konzept unterstützen, stößt es bei Gegnern auf Widerstand." Füllsatz-Alarm :-)

  4. von Tobi am 16.01.2013 (23:08Uhr)

    Ich schreibe gerade meine Bachelor Thesis zu dem Thema (Schwerpunkt Mitarbeiterzufriedenheit durch Tools wie LiquidFeedback). Liebend gerne würde ich mal in einem Unternehmen arbeiten, die derartige Software nutzen und damit Erfahrungen sammeln. Aus meiner Sicht hat das richtig viel Potenzial in Bezug auf die Zufriedenheit und Innovationskraft der Mitarbeiter.

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