von Matthias Bärwolff, 05.03.2006

Möglichkeiten und Grenzen von Open Source

Aus dem
t3n Magazin Nr. 3

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Open Source hat die Softwareindustrie umgekrempelt wie kaum eine Idee zuvor. Heute gelten viele Open-Source-Produkte als ernst zu nehmende Konkurrenz für proprietäre Lösungen und für manche auch als Allheilmittel gegen die strukturellen Probleme der Software-Entwicklung und Asymmetrien des Softwaremarkts. Dieser Artikel skizziert grob die Geschichte des Begriffs „Open Source“ und lotet seine realistischen Dimensionen aus.

Manchmal sind es kleine Entscheidungen, die im Laufe der Geschichte eine besondere und unabsehbare Tragweite entwickeln. So geschehen im Jahre 1998, als Eric S. Raymond den Begriff „Open Source“ in die Welt setzte. Netscape traf seinerzeit die für damalige Verhältnisse spektakuläre Entscheidung, den Quellcode seines Browsers Navigator (dem Vorläufer von Firefox) unter der „Netscape Public License“ freizugeben. Raymond und anderen Beobachtern wie Michael Tiemann, Gründer von Cygnus, später RedHat, wurde die neue Bedeutung von „freier Software“ schlagartig bewusst. Sie machten sich auf die Suche nach einem Begriff, der sich in seiner Bedeutung vom bis dahin gebräuchlichen Begriff „Free Software“ abhob und sich besser eignete, die Geschäftswelt von den Vorzügen dieses Modells zu überzeugen [1].

Eine Idee wird erwachsen

Heute kommt kaum noch eine IT-Präsentation ohne den Begriff aus und auch Zeitschriften wie T3N festigen das semantische Spektrum von Open Source in der Medienöffentlichkeit. Dabei hat der Begriff in den letzten Jahren eine Dynamik erfahren, die weit über seine ursprüngliche Idee hinausgeht. Nicht mehr nur geht es bei Open Source um Software und politische Überzeugungen, sondern darum, dass Open Source als bewusste Management-Entscheidung die Strukturen der Softwareindustrie nachhaltig verändert [2].

Ziel vieler Bemühungen, insbesondere kommerzieller Firmen wie MySQL und RedHat, ist es, Firmenkultur und Strukturen so zu etablieren, dass durch einen ungehinderten und transparenten Austausch von Informationen und Wissen Mehrwert für alle Beteiligten geschaffen wird. Selbst Microsoft hat seine Rhetorik à la „GPL und Linux sind kommunistisch inspirierte Ausgeburten und zerstören Amerika“ zugunsten eines wesentlich realitätsnäheren und pragmatischeren Ansatzes aufgegeben [3] [4].

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