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Musik-Streaming: Die wichtigsten Anbieter im Überblick

Aus dem
t3n Magazin Nr. 28

06/2012 - 08/2012

Musik-Streaming: Die wichtigsten Anbieter im Überblick

Jeder macht es. Im Büro, im Schlafzimmer, im Auto, einfach überall: Musik hören. Dabei haben die digitalen Klänge Schallplatte und CD in der Beliebtheit der Hörer längst abgelöst. Musik-Streaming-Dienste versprechen eine Flatrate für einen schier unendlichen Katalog an Songs für einen geringen monatlichen Betrag. Viele dieser Dienste kann man sogar kostenlos nutzen. Doch was bieten diese Dienste im Detail? Wie sieht es mit der Qualität aus? Und worin unterscheiden sich die Anbieter?

Nicht nur MP3s sind auf dem Vormarsch, auch das Internet spielt für immer mehr Nutzer die erste Geige, wenn es um den Musikgenuss geht. Mittlerweile macht das Streaming von Musikvideos und Musik etwa ein Fünftel der täglich mit Musik verbrachten Zeit aus. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI). [1] Demnach stehen besonders Webradios und Musikvideo-Portale mit einem Anteil von jeweils acht Prozent hoch in der Gunst der Nutzer.

Rund die Hälfte der täglich konsumierten Musik entfällt dem BVMI zufolge weiterhin auf Tracks, die sich im Besitz des Nutzers befinden. Dabei machen digitale Audiodateien 28 Prozent des gesamten täglichen Musikkonsums aus und Songs auf Tonträgern immerhin noch 20 Prozent. Auch das herkömmliche Radio spielt mit einem Anteil von 34 Prozent am Gesamtkonsum weiterhin eine zentrale Rolle beim Musikhören.

Streaming und die Gema

Werbefinanzierte oder abobasierte Streaming-Dienste wie Napster, Spotify, Simfy oder Rdio spielen dagegen mit einem Anteil von zwei Prozent in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle. Der Geschäftsführer des BVMI, Dr. Florian Drücke, rechnet allerdings damit, dass sich dies schnell ändern könnte: „Streaming-Dienste eröffnen spannende neue Konsumwelten für Musik, die vor allem für digital affine und webaktive Menschen besonders attraktiv sind. Darüber hinaus bieten sie gerade auch denjenigen, die sich bislang häufig umsonst illegal mit Musik im Netz versorgt haben, eine Brücke zum legalen Musikkonsum im Internet.“

Einer der Gründe dafür, dass sich hierzulande noch nicht durchgesetzt hat, dürfte die Lizenzproblematik sein. Bitkom und Gema hatten sich erst zum Jahreswechsel auf ein einheitliches Gebührenmodell als lizenzrechtliche Grundlage für Streaming-Anbieter geeinigt. Streaming-Anbieter müssen für jede Flatrate pro Nutzer im Monat je nach Angebot zwischen 60 und 100 Cent abführen. Damit besteht nun auch in Deutschland eine rechtliche Grundlage für Musik-Streaming-Dienste, was zur Folge hatte, dass 2012 hierzulande bereits einige neue Anbieter starteten, die teilweise schon geraume Zeit im Ausland agieren. Der jüngste und wohl bekannteste Vertreter ist Spotify. Doch was hat es mit Musik-Streaming-Diensten auf sich?

Streaming-Anbieter Spotify bietet Nutzern auch die Möglichkeit, über Radiosender neue Musik zu entdecken.

Flatrates für Musik

Generell kann man Streaming-Dienste in zwei Kategorien unterteilen: Radio-Streaming und On-Demand-Streaming. Bei Radio-Streaming-Diensten wie Aupeo und last.fm kann der Nutzer keine einzelnen Songs anwählen, sondern sich „lediglich“ für ein Genre entscheiden. Bei last.fm beispielsweise gibt man einen Interpreten an und erhält dann Musik von diesem und ähnlichen Künstlern XYZ eine gute Möglichkeit, neue und einem bisher unbekannte Musik zu entdecken.

Der deutsche Anbieter Simfy wurde im Rahmen der t3n Web Awards als Startup des Jahres 2011 ausgezeichnet.

Im Gegensatz zu Plattformen wie iTunes oder Amazon kaufen Nutzer bei On-Demand-Musik-Streaming-Diensten nicht jedes Album und jeden Song einzeln. Vielmehr bieten diese Dienste einen Katalog mit mehreren Millionen Tracks, auf die der Nutzer jederzeit über das Internet Zugriff hat. Einige Anbieter ermöglichen sogar während eines laufenden Abos die Offline-Nutzung.

Die meisten großen Anbieter verfügen über Datenbanken, die zwischen sieben und 16 Millionen Titel beinhalten. Im Durchschnitt kann der Hörer etwa 15 Millionen Songs streamen.

Musik für kleines Geld

Fast alle Anbieter kann der Nutzer erstmal im Premium-Modell mit vollem Funktionsumfang bis zu einen Monat lang kostenlos testen. Ein geschickter Schachzug der Anbieter, denn potenzielle Kunden, die sich einen Monat mit dem Dienst beschäftigt und Songs gespeichert und in Playlisten sortiert haben, entscheiden sich mit größerer Wahrscheinlichkeit dafür, zahlende Kunden zu werden.

Nach der kostenlosen Testphase kann man die meisten Dienste auch weiterhin kostenlos nutzen. Allerdings muss man dann Werbeunterbrechungen und Einschränkungen im Funktionsumfang hinnehmen. Die kostenpflichtigen Premium-Angebote inklusive Offline-Nutzung und der Möglichkeit, Musik auch auf dem Smartphone zu hören, kosten je nach Anbieter zwischen 3,99 Euro und 9,99 Euro. Die einzelnen Anbieter bieten oftmals drei Modelle an: ein kostenloses Modell, ein etwas günstigeres und ein Premium-Modell.

Spotify zum Beispiel bietet „Spotify Gratis“, „Spotify Unlimited“ und „Spotify Premium“. Das Gratis-Angebot ist werbefinanziert und bietet im Vergleich einen geringeren Funktionsumfang und eine Beschränkung bei der Anzahl der Songs, die man im Monat abspielen kann. Spotify Unlimited kostet 4,99 Euro und erlaubt uneingeschränktes Streamen von Musik ohne Werbung. Spotify Premium kostet 9,99 Euro und ist auch auf dem Handy und offline nutzbar.

Viele Dienste stellen Apps zur Verfügung, die der Nutzer in der Regel kostenlos auf seinem Smartphone installieren kann. Diese Apps ermöglichen den Zugriff auf gemerkte Songs und angelegte Playlisten. Richtig interessant wird es, wenn der Streaming-Anbieter auch eine Offline-Nutzung einräumt. Dann kann man zum Beispiel im Vorfeld festlegen, welche der angelegten Playlisten auch offline zur Verfügung stehen sollen. Der Nutzer kann daraufhin diese Playlisten auf seinem Smartphone synchronisieren und die Musik zum Beispiel im Urlaub hören, ohne teure Roaming-Gebühren zahlen zu müssen. Die Offline-Tracks werden auf dem Smartphone so lange zwischengespeichert, wie der Besitzer zahlender Abonnent des Streaming-Dienstes ist.

Mehr als „nur“ Musik

On-Demand-Dienste wie Spotify, Simfy und Co. eröffnen dem Musik-Liebhaber noch weit mehr Möglichkeiten. Auch bei dieser Art des Musik-Streamings hat der Anwender aufgrund der umfassenden Bibliothek die Möglichkeit, neue Musik zu entdecken und in Playlisten zu sortieren. Playlisten sind bei allen Diensten das A und O, wenn es um das Organisieren der Musik geht. Sehr sinnvoll ist beispielsweise bei manchen Anbietern auch die Funktion, Playlisten anderer Nutzer zu abonnieren. Das bringt den Vorteil mit sich, dass man stets auf dem neuesten Stand ist, selbst wenn Titel später hinzukommen oder entfernt werden. Darüber hinaus gibt es eine Menge von Playlisten, die ständig aktualisierte Charts für unterschiedliche Märkte zur Verfügung stellen.

Manche Streaming-Dienste erlauben darüber hinaus, Playlisten mit mehreren Nutzern zu bearbeiten. Das eignet sich besonders gut bei der Vorbereitung für eine Party, sodass jeder Gast schon im Vorfeld sicher stellen kann, dass sein Musikgeschmack ebenfalls mit von der Partie ist.

Spotify bietet im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern aus dem Musik-Streaming-Sektor eine API. Dies erlaubt es Entwicklern, Apps anzubieten, die den Funktionsumfang von Spotify erweitern. Spotify bietet bereits eine Reihe von wirklich sinnvollen Apps wie die von last.fm, die Musikempfehlungen liefert.

Zu den Apps gehören auch die Spotify-eigenen Dienste „Radio“ und „Top-Listen“. Applikationen von Labels wie Warner Music (The Warner Sound), Def Jam, Domino und Matador stehen ebenso zur Verfügung wie „Complete Collection“ oder „The Legacy of“, mit deren Hilfe der Anwender tief in die Musikgeschichte eintauchen kann sowie Fotografien und Biografien vieler Künstler ansehen kann. Mit „Filtr“ können Nutzer sich Playlisten anhand der Musikvorlieben der Facebook-Freunde zusammenstellen.

Auch einige seltsamere Apps sind bei Spotify mit von der Partie. So kann man beispielsweise mit Felody in Verbindung mit Spotify Leute kennen lernen und flirten. Wer auf Karaoke steht, findet auf der App-Plattform von Spotify die App TuneWiki, die zu vielen Songs die dazu passenden Texte zum Mitsingen aufbereitet und anzeigt.

Soundqualität

Da es sich bei MP3 und vielen anderen Dateiformaten für das Herunterladen von Musik um Verfahren zur Kompression von Audiodaten handelt, bei denen es zu Verlusten kommt, gibt es natürlich auch Qualitätsunterschiede zu Datenträgern wie Schallplatte und CD. MP3s werden so komprimiert, dass alle für den Menschen nicht hörbaren Audiosignale nicht mitgespeichert werden. Nur so lässt sich erreichen, dass einzelne Songs nicht zu viel Speicherplatz benötigen. Mit den durchschnittlichen Lautsprechern oder Kopfhörern sind die Qualitätsunterschiede für viele Menschen aber so gut wie gar nicht wahrnehmbar.

Bei Spotify gibt es zum Beispiel drei Qualitätsstufen. Die normale Qualität der Musik verfügt über eine Bitrate von 160 Kilobit pro Sekunde. Abonnenten des Premium-Angebots erhalten bestimmte Titel in einer höheren Qualität von 320 Kilobit pro Sekunde. Man sagt allgemein, dass Musik mit 256 bis 320 Kilobit pro Sekunde CD-Qualität hat. Mit entsprechend teuren und hochwertigen Soundsystemen hört man also doch einen Unterschied. Allerdings fällt das beispielsweise bei Techno oder Pop wesentlich weniger auf als bei Musik mit großem Klangspektrum und hoher Dynamik.

Wer über sein Smartphone oder den Computer Musik hört, für den sollte der Qualitätsunterschied zu CDs oder Schallplatten nicht oder kaum ins Gewicht fallen. Hat man eine Highend-Stereoanlage, dann sind Downloads und Streaming sicherlich nicht das Richtige. Aber es spricht ja auch nichts dagegen, Musik zu streamen und seine Lieblingsbands durch den Kauf eines physischen Datenträgers zusätzlich zu unterstützen.

Vergütung für Künstler

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Streaming und CDs besteht nämlich darin, dass Musiker am meisten Geld mit dem Verkauf von CDs verdienen. Weniger bekommen die Künstler für den Verkauf von MP3-Downloads beispielsweise über Amazon oder iTunes. Und am wenigsten Geld gibt es über Musik-Streaming. Ein Track muss zum Beispiel mehrere Millionen mal gestreamt werden, damit ein Künstler davon leben kann.

Aupeo gehört wie last.fm zu den Vertretern der Radio-Streaming-Anbieter. Diese nicht-linearen Dienste erlauben dem Nutzer zwar nicht, einzelne Songs auszuwählen, eignen sich aber vorzüglich dazu, neue Musik kennen zu lernen.

Die Seite Information is Beautiful hat 2010 eine interessante Grafik veröffentlicht, die zeigt, wie viele CD-Verkäufe, iTunes-Downloads und Plays auf Streaming-Diensten ein Künstler erzielen muss, um auf den Mindestlohn von 1.160 US-Dollar zu kommen. [2] Dabei kommen Bands am besten weg, wenn sie selbst gepresste CDs verkaufen. Hier reichen bereits 143 verkaufte Exemplare im Monat aus. Im Handel müssen Künstler bereits 1.161 CDs absetzen, um auf den US-Mindestlohn zu kommen. Über iTunes müssen Künstler entweder 1.229 Alben oder 12.399 einzelne Songs verkaufen. Bei Spotify müssen Nutzer Songs eines Interpreten 4.053.110 mal streamen, damit der Künstler auf den US-Mindestlohn kommt.

Fazit

In jedem Fall unterstützt man als Nutzer eines Musik-Streaming-Dienstes seine Lieblingsbands mehr als mit illegalen Downloads. Die Auswahl an Anbietern kann sich mittlerweile in Deutschland durchaus sehen lassen, so dass der Anwender die Qual der Wahl hat. Allerdings kann man wie eingangs erwähnt fast jeden Dienst auch im Premium-Modell kostenlos testen, um sich so ein eigenes Bild zu machen. In seine Entscheidung sollte man nicht zuletzt miteinbeziehen, welchen Dienst Freunde und Bekannte nutzen, da viele Streaming-Angebote auch über eine soziale Komponente verfügen. Das gemeinsame Anlegen und Teilen von Playlisten und sich gegenseitig Musikempfehlungen zu geben macht nämliche eine Menge Freude.

Die bekanntesten Musik-Streaming-Anbieter in der Übersicht. Ein Klick auf die unten stehende Grafik öffnet eine größere Version der Tabelle.

(Vorschaubild: Brandon Giesbrecht / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

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3 Antworten
  1. von ZergVanDerb am 18.09.2012 (16:54 Uhr)

    Auch für rdio gibt es eine ios-app.

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  2. von Christoph am 19.09.2012 (09:35 Uhr)

    Und was ist mit Grooveshark?

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  3. von Markus am 19.09.2012 (10:32 Uhr)

    Besonderheit bei Simfy ist noch, dass es dort einen Browser-Player gibt. Für mich ein wichtiges Kriterium, da ich mir keinen Desktop-Player installieren möchte.

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