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„Investoren sind wie Cheats” – Zu Besuch bei Konsolenkost

Aus dem
t3n Magazin Nr. 30

12/2012 - 02/2013

Mit teils über 30 Jahre alten Konsolen Geld verdienen? Konsolenkost.de beweist, dass dies möglich ist. Vom Atari 2600, Super und GameBoy bis hin zu Wii, 360 und PS3 beherbergt das Lager des Shops alles, was das Gamer-Herz höher schlagen lässt. Angefangen hat alles auf dem Flohmarkt, heute beschäftigen Sebastian Kost und Julian Meyn 30 Mitarbeiter.

„Investoren sind wie Cheats” – Zu Besuch bei Konsolenkost

Die ursprüngliche Geschäftsidee von Konsolenkost.de ist einfach: gebrauchte Spiele und Konsolen im Internet verkaufen. Sebastian Kost sagt von sich selbst, dass er schon immer geschäftstätig war. Angefangen hat alles im zarten Alter von zehn Jahren, als er seinen Vater regelmäßig auf den Flohmarkt begleitete. Während sein alter Herr Schallplatten verkaufte, sah er sich bei den anderen Ständen um und kaufte Comics, Überraschungseier-Figuren und Games. Diese platzierte er dann auf dem Stand seines Vaters und verkaufte sie zu einem höheren Preise wieder. Auch Julian Meyn hat damals als Kind sein erstes Geld auf dem Flomarkt verdient. „Gehandelt“ haben also beide schon im frühen Alter.

Von Alando über eBay zum Shop

Nachdem dem Umzug seiner Familie nach Berlin, wollte Kost dieses Flohmarkt-Gefühl reproduzieren und begann, Games, die er auf Flohmärkten erwarb, auf der Online-Auktionsplattform Alando, die später von eBay geschluckt wurde, zu verkaufen. Das Ganze wuchs so schnell, dass Sebastian bereits in der Schule mehrere Mitschüler beschäftigte, die online Artikel für ihn einstellten.

Heute ist der USP des Gameshops das große Retro-Sortiment. Hier findet der Spieler Klassiker und Raritäten für Konsolen, die teilweise über 25 Jahre alt sind. Der Kunde kann im Shop ein aktuelles Mario Spiel für Wii bestellen und dazu zum Beispiel auch ein Mario Kart von 1997 für das Nintendo 64. Der Großteil des Umsatzes wird bei Konsolenkost natürlich mit aktuellen Spielen und Konsolen gemacht aber der Margen-Druck ist in dem Bereich ebenso groß wie die Konkurrenz. Daher auch die Nische im Retro-Bereich. Das große Sortiment aus über 40 Systemen und grade die Retro-Produkte machen Konsolenkost besonders.

2006 meldete Kost ein Gewerbe an - zunächst allerdings nur für einen eBay-Shop. Anderthalb Jahre nach der Gründung kam sein Geschäftspartner und Mitinhaber Julian Meyn dazu, der ursprünglich Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt Marketing studiert und zuvor bei verschiedene Agenturen gearbeitet hat. In einer dieser Agenturen lernen sich Sebastian Kost und Julian Meyn kennen, wurden Freude und beschlossen schließlich zusammen einen coolen Online-Shop für Games ins Leben zu rufen.

Mit Leidenschaft

Beide Geschäftsführer spielen auch selbst. Während Sebastian Kost in der Regel nur noch mit seinem Smartphone zum Spielen kommt, greift Julian Meyn auch ganz gerne auf ältere Konsolen wie zum Beispiel den ersten GameBoy zurück oder spielt, wenn Zeit ist, auch gerne Mal aktuelle Spiele auf der Xbox oder PS3. Auch wenn die Beiden sich nicht als absolute Gaming-Geeks verstehen und der Überzeugung sind, dass viele ihrer Kunden sich viel besser mit der Thematik auskennen, sind sich Julian Meyn und Sebastian Kost einig, dass man ein Interesse für Games unbedingt mitbringen muss, um mit einem Shop wie Konsolenkost erfolgreich zu sein. Generell sollte ein Shopbetreiber ihrer Meinung nach immer eine gewisse Leidenschaft für die angebotenen Produkte mitbringen. „Dann macht das Ganze auch viel mehr Spaß“, sind sie sich einig.

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Konsolenkost kauft gebrauchte Spiele und Retro-Konsolen an, um diese dann wieder zu verkaufen.

Platzprobleme

Das größte Problem der beiden Geschäftsführer bestand anfangs in massiven Platzproblemen. Konsolenkost startete aus einer einfachen Wohnung, wuchs aber so schnell, dass Kost und Meyn schnell in eine größere Wohnung und bald darauf in ein Loft in Schöneberg umziehen mussten. Irgendwann konnte man aber auch auf den 100 Quadratmetern des Lofts vor lauter Kartons und Produkten die Wände nicht mehr sehen und kaum von einem Zimmer ins nächste gelangen. Die Lage verschärfte sich weiter - nicht zuletzt, weil Sebastian Kost besonders in der Anfangszeit „total verrückt“ war, wie er sich schmunzelnd erinnert.

Direkt in der Gründungsphase bezog er nämlich über einen Zwischenlieferanten regelmäßig Dreamcast-Controller für 1,50 Euro pro Stück, wollte aber seine Marge noch weiter optimieren und unbedingt wissen, wo diese herkamen, weil er sie für einen noch geringeren Stückbetrag einkaufen wollte. Seine Recherche führte ihn nach Frankreich und er entschloss aus dem Bauch heraus, einfach alle Controller abzunehmen, die es noch gab. Das Ergebnis: vier komplett beladene Tieflader in Frankreich, die auf die Auslieferung warteten. Jetzt wurden die Platzprobleme erdrückend und Kost vertröstete die Franzosen, während er händeringend nach einer größeren Lagerhalle suchte. Konsolenkost landete in einem neuen Gewerbepark in Berlin Lichtenberg, wo das Unternehmen auch heute noch sitzt, verkaufte drei der vier Container voll mit Controllern direkt in die USA und alles wurde gut.

Bei der Fülle an lagernden Produkten ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Um selbigen zu gewährleisten, haben die beiden Geschäftsführer ein ganz eigenes System der Lagerhaltung entwickelt und sogar eine Tablet-App für das Einscannen von Produktcodes erstellt, die dem Lagermitarbeiter Feedback in Form von typischen Soundeffekts aus bekannten Games gibt. Die Arbeitsabläufe bei der Einlagerung neuer Produkte unterscheiden sich bei Konsolenkost stark von anderen Online-Shops. Zuerst gilt es, den Artikel zu sichten und seinen Zustand fest zu legen. Mitarbeiter unterziehen jede Konsole einer Funktionsüberprüfung. Und eine eigene Abteilung repariert beschädigte Retro-Konsolen sogar.

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