von Andreas Günther,
online veröffentlicht am 04.12.2006
Twittern 0 Teilen 0

Freiheiten, die ihr Geld wert sind: Open-Source-Software und die GPL

Aus dem
t3n Magazin Nr. 6

Open-Source-Software (OSS) wächst schon lange über das Betriebssystem Linux hinaus und setzt sich in immer mehr Bereichen durch. Oft werden dabei aber die Rechte und Pflichten vergessen, die mit dem Prädikat Open Source verbunden sind. Dieser Artikel soll den Werdegang von OSS nachzeichnen und – damit unzertrennlich verbunden – die Entwicklung und Auswirkung der GNU General Public License (GPL) beschreiben.

Freie Software ist keine Erfindung einiger weniger Gurus und Hacker, sondern Software galt bereits in den Anfängen der Computerisierung in den sechziger Jahren als frei. Damals war es selbstverständlich, dass ein Zweiter oder eine Dritte einen vorhandenen Algorithmus nicht erneut entwickeln musste. Entwickler haben den betreffenden Quellcode ohne Auflagen weitergegeben. Unfrei wurde die Software durch Leute und Firmen wie Bill Gates oder insbesondere AT&T in Amerika. Sie hatten erkannt, dass sich eine geistige Idee – in unserem Fall die Software – kostengünstig vermehren und teuer verbreiten ließ.

Probleme machte das Urheberrecht, etwa beim UNIX System V, das von AT&T entwickelt wurde. Ursprünglich entstand das System UNIX Anfang der Siebziger in den Universitäten. Nachdem die Hardware bei den Computerherstellern lag, entwickelten diese bald ihre eigenen Unixe. So auch die Firma AT&T, die im Jahr 1983 ihr UNIX System V als proprietäre Software auf den Markt brachte und die Nutzung derselben unter Lizenz stellte. Noch im selben Jahr widersetzten sich einige Entwickler diesem Trend, unter ihnen Richard Stallmann, der sich auf das Prinzip aus den Sechzigern berief: „Free as in freedom, not as in free beer“, sprach er und entwarf eine Definition des Begriffs „Freie Software“, nach der auch heute noch Software (OSS) von anderer Software unterschieden wird. Die besonderen Rechte umfassen:

  1. die Freiheit, das Programm zu jedem Zweck auszuführen
  2. die Freiheit, das Programm zu studieren und zu verändern
  3. die Freiheit, das Programm zu kopieren
  4. die Freiheit, das Programm zu verbessern und zu verbreiten, um damit einen Nutzen für die Gemeinschaft zu erzeugen

Ebenfalls 1983 startete Stallmann sein GNU-Projekt mit dem Ziel der Entwicklung eines freien Betriebssystems. Dabei ist GNU ein rekursives Akronym („GNU's not Unix“), das sowohl auf die Ähnlichkeit mit UNIX als auch auf die Abgrenzung zu unfreien UNIX-Systemen hinweist. 1985 folgte als weiterer Meilenstein die Gründung der Free Software Foundation (FSF), der Wächterin der späteren GPL. Zusammen mit Jerry Cohen veröffentlichte Stallmann im Januar 1989 die Version 1 der GPL, der wohl bekanntesten Lizenz für Freie Software.

Seite:  1 2 3 4 5 6 7

Das interessiert dich bestimmt auch