In Belgien zahlt man überwiegend mit dem Debitkartensystem Bancontact/Mister Cash. Über das System, das 2006 neu aufgestellt wurde und auf dem Online-Banking beruht, dürfte inzwischen rund die Hälfte aller Online-Zahlvorgänge laufen. Der Rest entfällt auf Kreditkarten, Paybuttons und eWallets.
Mehr als 80 Prozent der französischen Online-Käufer nutzen die Kredit- und Debitkarten für ihre Transaktionen. Dabei greifen die meisten Franzosen auf die Carte Bleue zurück, die technisch wie eine Kreditkarte behandelt wird.
Bei mehr als der Hälfte der Zahlvorgänge in den Niederlanden verwenden Online-Käufer iDEAL, ein lokales Verfahren, das – analog zu Giropay in Deutschland – auf der Überweisung des Online-Bankings basiert. Jede siebte Internet-Transaktion wird mit einer Kreditkarte ausgeführt, der Rest mit Offline-Banküberweisungen, Nachnahme und anderen Verfahren.
Die Beispiele zeigen, dass Käufer im Internet bevorzugt lokale Bezahlsysteme wählen, mit denen sie vertraut sind. Erst an zweiter Stelle folgen international anerkannte Kreditkarten wie Visa, Mastercard oder Amex. Berücksichtigt ein Webshop in einem neuen Zielmarkt diese gängigen Zahlverfahren, erreicht er wesentlich mehr Kunden. Und das resultiert in höheren Umsätzen.
Die Bedeutung der lokalen Systeme veranschaulicht auch der Blick auf die Bezahlformen, die in einem Zielland von den Mitbewerbern angeboten werden. Frei nach dem Motto: Wenn ich in Deutschland Schuhe verkaufe und dies auch woanders tun will, sollte ich mir gut anschauen, was die Konkurrenz macht. Beschränken wir uns hier auf das Beispiel der Niederlande: Die große Mehrheit der Onlinehändler – nämlich 85 Prozent – bieten die Bezahlung über iDEAL an, wie jüngste Daten aus dem Jahr 2007 belegen.
Zwei von drei Shopbetreibern akzeptieren die Offline-Banküberweisung und sechs von zehn Webshops den Rechnungsausgleich per Kreditkarte. Nicht einmal die Hälfte der Händler ermöglicht die Bezahlung per Nachnahme oder die Abwicklung über ein Debitverfahren. Nur etwa ein Drittel akzeptiert PayPal.
Debitverfahren bieten Kostenvorteile
Für den Shopbetreiber haben die lokalen Zahlsysteme zudem den Vorteil, dass sie in der Regel mit geringeren Kosten verbunden sind als die Zahlungsabwicklung per Kreditkarte. Denn zum einen liegen die Gebühren beziehungsweise das Disagio bei den lokalen Systemen meist deutlich unter denjenigen der Kreditkarten-Akzeptanzpartner (Acquirer), zum anderen entfallen das Risiko eines Zahlungsausfalls (Chargeback) und die damit verbundenen Zusatzkosten.
Eine Gegenüberstellung der Bezahlformen Kreditkarte und iDEAL (bei einem Warenkorb von 100 Euro und 1.000 Transaktionen pro Monat) verdeutlicht den Kostenvorteil:
| Kosten mit Kreditkarten (Beispielrechnung) | |
| Disagio Acquirer 2,5 Prozent | 2.500 Euro |
| Chargeback-Kosten von 25 Euro je Vorgang, anteilig | bei durchschnittlich 0,3 Prozent der Transaktionen: 75 Euro |
| Gesamt | 2.575 Euro |
| Kosten mit iDEAL (Beispielrechnung) | |
| Transaktionsgebühr 0,50 Euro | 500 Euro |
| Monatsgebühr, anteilig | z. B. 40 Euro |
| Gesamt | 540 Euro |
Bei der Abrechung von 1.000 Transaktionen mit einem durchschnittlichen Warenwert von 100 Euro pro Kauf mit Kreditkarten zahlt ein Shopbetreiber für die Kaufvorgänge per Kreditkarte demnach 2.575 Euro. Mit iDEAL muss er für dasselbe Transaktionsvolumen nur 540 Euro entrichten, also 2.035 Euro weniger.
Fazit
Luftfahrtgesellschaften wie Lufthansa und British Airways haben bereits auf das hohe Disagio bei Kreditkartenzahlungen reagiert und erheben eine Gebühr für die Zahlung per Kreditkarte.
Auch andere Firmen, die Waren oder Dienstleistungen im Internet anbieten, müssen aufpassen, dass die hohen Kosten bei Kartenzahlungen nicht den Gewinn aufzehren. Die lokalen Bezahlsysteme ermöglichen Shopbetreibern bessere Margen und damit höhere Gewinne. Und sie sorgen für eine größere Kundenzufriedenheit, weil die Käufer über die von ihnen bevorzugten Systeme zahlen können. Daher sollten Onlinehändler darauf achten, dass ihr Payment-Service-Provider eine möglichst breite Palette von Zahlverfahren anbietet. Andernfalls verzichtet er nicht nur auf potenzielle Kunden, sondern auch auf bares Geld.
| Die wichtigsten nationalen Zahlungsverfahren in Europa | |||
| Belgien | Bancontact/Mister Cash | Irland | Laser |
| Dänemark | Dankort | Österreich | eps |
| Frankreich | Carte Bleue | Niederlande | iDEAL |
| Großbritannien | Maestro UK, Solo | Schweiz | PostFinance |
| Paym.-Provider | URL | Abdeckung nat. Zahlverfahren* |
| Expercash | http://www.expercash.de | AT, F, GB, NL |
| Ogone | http://www.ogone.de | AT, BE, CH, DK, F, GB, NL |
| Payone | http://www.payone.de | AT, CH, F, GB, NL |
| Saferpay | http://www.saferpay.de | AT, CH, F, NL |
| Wirecard | http://www.wirecard.de | AT, DK, F, GB, IRL, NL |
| * alle Anbieter decken z. B. über Kreditkarte auch weitere europäische Länder ab. | ||







Eine Antwort
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