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Peer-to-Peer-Kredite: Chancen und Risiken

Aus dem
t3n Magazin Nr. 27

03/2012 - 05/2012

In Großbritannien und den USA hat sich die Vergabe von Privatkrediten über sogenannte P2P-Kreditportale bereits etabliert. Hierzulande ist diese alternative Form der Finanzierung noch längst nicht so gängig; dabei stellt sie eine unkomplizierte und günstige Alternative zum Bankkredit dar, was sie gerade für Selbstständige und Gründer attraktiv macht. Der folgende Artikel erläutert das Prinzip der P2P-Kredite, beschreibt Chancen und Risiken und wagt einen Blick in die Zukunft.

Peer-to-Peer-Kredite: Chancen und Risiken

Früher gingen Unternehmer mit Kapitalbedarf zum Bankberater ihres Vertrauens und besprachen dort ihre Finanzierungspläne. Hob dieser den Daumen und räumte den benötigten Kredit ein, war alles gut – das Kundenprojekt, das Bauvorhaben oder der Wareneinkauf wurden finanziert. Leider bleibt diese ideale Verbindung zwischen Idee und Umsetzung vielen Kapitalsuchenden verwehrt. Besonders für Existenzgründer und Jungunternehmer ist die klassische Kreditsuche über eine Bank überwiegend mit Enttäuschungen verbunden. Wegen dieser Lücke zwischen dem Kreditangebot und -nachfrage erfreuen sich Onlineportale, die sich auf privat vermittelte Kleinkredite spezialisiert haben, zunehmender Beliebtheit. Diese so genannten Peer-to-Peer-Kreditplattformen sind, wie erfolgreiche Finanzierungsbeispiele zeigen, eine seriöse und dazu preiswerte Alternative zum (verwehrten) Bankkredit.

Peer to peer Kredite 1
Das britische Unternehmen Zopa war die erste P2P-Kreditvergabe-Plattform und etablierte das Prinzip.

Was sind Peer-to-Peer-Kredite?

„Peer to Peer“ (P2P) steht für „Mensch zu Mensch“. Beim P2P-Kredit geht es also um zwischen Privatpersonen verliehenes Geld. Banken oder andere traditionelle Finanzinstitute spielen bei so gewährten Krediten keine oder lediglich eine untergeordnete Rolle. Für diese älteste Form des Geldborgens gibt es grundsätzlich zwei Varianten:

  • Modell 1 „Family & Friends“: Der Kredit wird von bekannten Personen gewährt.
  • Modell 2 „Online-Marktplatz“: Der Geldverleih findet zwischen Unbekannten statt.

Das „Family & Friends“-Modell setzt auf die soziale Beziehung zwischen Kreditgeber und -nehmer. Ähnliche Interessen und Ziele, gegenseitiges Vertrauen und ein gemeinsames Verständnis über Konventionen und Kreditbedingungen stehen im Vordergrund dieser Form des P2P-Kreditverleihs. Eine besondere Spielart des „Family & Friends“-Modells ist das so genannte „Social Lending“ beziehungsweise „Community Lending“. Hier wiegt der Wunsch der Kreditgeber, ein bestimmtes Vorhaben zu finanzieren und damit überhaupt erst zu ermöglichen, oft schwerer als die Gewinnerzielungsabsicht. So werden im Rahmen von „Social Lending“ zum Beispiel Mikrokredite an Kleinunternehmer in der Dritten Welt als Hilfe zur Selbsthilfe vergeben.

Das „Online-Marktplatz“-Modell ist die neuzeitliche Fortentwicklung des Geldverleihs zwischen Privatpersonen. Dank des Webs finden Kreditgeber und -nehmer auf elektronischen Geldmarktplätzen meist über einen auktionsähnlichen Prozess zusammen. Solche P2P-Online-Marktplätze haben ihren Ursprung in Großbritannien. Im Jahr 2005 hat dort das Unternehmen Zopa [1] die Kreditvergabe via Online-Plattform etabliert. In den USA entstand mit Prosper [2] im Jahr 2006 ein Äquivalent.

In Deutschland ging im Jahr 2007 eLolly als erster deutscher, aber mittlerweile nicht mehr aktiver, Online-Kreditmarktplatz an den Start. Der heute größte deutsche P2P-Kreditmarktplatz ist Smava [3]. Seit dessen Gründung im Jahr 2007 wurden hier laut jüngster Pressemitteilung des Unternehmens 47 Millionen Euro an circa 6.000 Kreditnehmer vermittelt. Konkurrent Auxmoney [4] spricht im Vergleich hierzu von 21,5 Millionen Euro. Diese Zahlen wirken verglichen mit dem weltweiten Volumen der im Internet vermittelten P2P-Kredite wie zarte Pflänzchen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beziffert die Summe der weltweit vermittelten P2P-Kredite im Jahr 2010 auf eine Milliarde US-Dollar.

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6 Antworten
  1. von Claus Lehmann am 15.02.2012 (19:07Uhr)

    Als Links mit jeweils mehr als 4 Jahren Berichterstattung zum Thema Peer to Peer Kredite bieten sich noch an
    http://www.p2p-kredite.com
    und
    http://www.p2p-banking.com (englischspr.)

    Literatur: Hier ist das Fachbuch von Fabian Blaesi die umfangreichste deutschsprachige Quelle.

  2. von Kleine Presseschau – Post #14 : De… am 11.05.2012 (12:35Uhr)

    [...] geht der Artikel „Ohne Bank zum Ziel“ im Magazin t3n.de. Kathrin Schmidt unterscheidet darin zwei Crowdlending-Modelle: das schon immer dagewesene [...]

  3. von Lesenswert: Zalando, Nonabox, Neckermann… am 27.09.2012 (10:00Uhr)

    [...] P2P-Kredite Peer-to-Peer-Kredite: Chancen und Risiken In Großbritannien und den USA hat sich die Vergabe von Privatkrediten über sogenannte P2P-Kreditportale bereits etabliert. Hierzulande ist diese alternative Form der Finanzierung noch längst nicht so gängig; dabei stellt sie eine unkomplizierte und günstige Alternative zum Bankkredit dar, was sie gerade für Selbstständige und Gründer attraktiv macht. t3n [...]

  4. von Banken bekommen Konkurrenz aus dem Inter… am 16.02.2013 (06:59Uhr)

    [...] Finanzgeschäfte vermittelt werden, könnten ebenfalls Marktanteile kosten. Neben der Kreditvergabe von Nutzer zu Nutzer ist hier auch an Crowdfunding zwecks Finanzierung von Projekten zu denken. Als erfolgreiche [...]

  5. von Crowdlending: Geld von Fremden - Meine F… am 21.02.2013 (17:56Uhr)

    [...] Peer-to-Peer-(P2P-)Kredite werden solche Geschäfte genannt - und sind durchaus eine interessante Alternative der Geldbeschaffung für Kleinunternehmer und Freiberufler. Und eine Möglichkeit für Kleinanleger, die hier mal 100 [...]

  6. von Option für Senioren? Mit Peer to Peer K… am 03.12.2013 (11:37Uhr)

    […] und Kreditnehmer finden auf sogenannten P2P-Kreditportalen zueinander. Am geläufigsten ist dabei das Marktplatz-Modell, bei dem die Kredite in einer Art […]

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