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Holger Schmidt: Eine Karriere im Medienwandel

Aus dem
t3n Magazin Nr. 27

03/2012 - 05/2012

Als bloggender „Netzökonom“ ist Holger Schmidt vielen ein Begriff, die sich für Themen wie , , App-Ökonomie und andere Internet-Trends begeistern. Anfang des Jahres ist der Web-Experte nach 15 Jahren bei der FAZ zum Focus gewechselt – und freut sich auf wie SmartTV und das mobile Web.

Holger Schmidt: Eine Karriere im Medienwandel

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Foto: Matthias Dörzbacher

Es ist nicht ganz einfach, Holger Schmidt Anfang Januar für ein Interview zu bekommen. Es sind seine ersten Tage beim neuen Focus und ihm scheint nicht langweilig zu sein. Aber als Journalist kennt er die Nöte von Redakteuren mit Abgabeterminen: Ein abendliches Telefonat, während er in München auf seinem Hotelzimmer sitzt, lässt sich einschieben.

Was im einzelnen die Gründe für den Wechsel von der FAZ zum Focus waren, darüber schweigt Schmidt. Eine Mischung aus Medienprofi und Gentleman ist in seiner Haltung erkennbar. Jedenfalls sei es nicht so gewesen, dass es ihm bei der FAZ nicht mehr gefallen habe, beteuert er. Während Schmidt bei der FAZ als Internet-Koordinator angestellt war, fungiert er beim Focus nun als Chefkorrespondent. In dieser Funktion darf er vor allem eines: Schreiben. Sowohl im Printmagazin, hier vor allem auf den Seiten „Web-Wirtschaft“, als auch in seinem Blog auf Focus Online. Seine neuen Themen sind die alten: die digitale Wirtschaft, Social Media, das mobile Internet. „Daneben freue ich mich auf viele neue, spannende Kontakte und Veranstaltungen wie die internationale Digitalkonferenz DLD“, gibt Schmidt Einblick.

Als „Netzökonom“ hat es der 45-Jährige zu einer beachtlichen Bekanntheit gebracht. Zuletzt lasen durchschnittlich rund 15.000 Nutzer seine Beiträge, in denen er Themen der Internet-Wirtschaft analysierte. Und so wurden seine ersten Wochen beim Focus von der Frage begleitet, wie es nach dem Wechsel eigentlich mit dem Netzökonom weitergeht. Gehört die Netz-Figur der FAZ? Oder ist die Identität mit der Person Holger Schmidt verbunden?

Schmidt gehört zu den Journalisten, deren Lebensweg nicht schon seit frühester Kindheit absehbar war. In der Schule interessierte ihn vor allem Sport; weil Sport nicht möglich war, wählte er als Leistungsfächer Deutsch und Mathe. Eine Kombination, die auf wirklich gar nichts hindeutet. Mit Anfang 20 findet Schmidt dann die Wirtschaft einigermaßen spannend, „allerdings weniger die Betriebswirtschaftslehre, die war mir zu klein. Ich wollte mehr die großen Zusammenhänge verstehen.“ Sein Weg führt ihn zum Volkswirtschaftsstudium an die Universität Gießen. Anders als so mancher Zeitgenosse, der sich über die Kopflastigkeit und fehlende Praxis des VWL-Studiums beklagt, sagt er: „Mir hat das Studium Spaß gemacht, vom ersten bis zum letzten Tag.“

Während des gesamten Studiums begeisterte Schmidt dabei vor allem ein Thema: der Klimawandel. „Als ich dann 1992 mein Studium abschloss, fand in Rio gerade ein großer Klimagipfel statt. Die Staatspräsidenten beratschlagten sich, wie man die Erde retten wolle“, erinnert er sich. In seiner Dissertation habe er herausfinden wollen, warum sich die Staaten einfach nicht auf einen gemeinsamen Klimaschutz einigen können und warum das Kyoto-Protokoll so schwer zu realisieren sei. Die nüchterne Erkenntnis: „Weil immer einer gewinnt und einer verliert. Damals wollten die Amerikaner nicht, jetzt sind es die Chinesen. Das klingt einfach, ist aber sehr komplex.“ Als Schmidt zur FAZ geht, schreibt er anfangs auch dort noch ein bisschen über den Klimaschutz. Schnell wird es ihm dabei aber zu politisch, zu emotional. Irgendwie liegen ihm Internetthemen doch besser, findet der Journalist, der vor allem auf neutrale Berichterstattung mit wenig eigener Meinung steht.

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Während Schmidt an seiner Dissertation bastelt, fällt der Startschuss für seine Internet-Leidenschaft. Sein Schlüsselerlebnis versprüht die Nostalgie, die heutige „Digital Natives“ nur noch vom Hörensagen kennen: 1994 wird er von einer Kollegin an der Uni verschwörerisch ins Rechenzentrum gerufen – er habe eine E-Mail erhalten. Schmidt ruft die Nachricht ab, die ihm sein Kollege aus wenigen Metern Entfernung geschickt hat. „Mir wurde klar, dass ich diese Nachricht auch von den Bahamas aus hätte abrufen können. Das fand ich extrem spannend und begriff, dass dies die Kommunikation nachhaltig verändern würde.“ An der Universität hat er dann die ersten Websites für seinen Lehrstuhl gebaut.

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