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Pragmatischer Projektalltag: Schnelle Resultate mit hoher Qualität

Aus dem
t3n Magazin Nr. 28

06/2012 - 08/2012

Wann kann man denn schon was sehen? Wie lange braucht ihr denn noch? Das Projekt wird ganz oben aufgehangen, deshalb sollen wir der Geschäftsleitung stetig berichten“. Viele Projektmanager und Entwicklungsteams kennen diese Sätze. Beim Start von Projekten herrscht ein großer Erwartungsdruck. Hier ein Überblick, wie man dem standhalten und wie man diese für sich nutzen kann.

Pragmatischer Projektalltag: Schnelle Resultate mit hoher Qualität

Der Start von Projekten ist für alle Beteiligten ein großer Moment. Je nachdem, in was für einer Organisation man sich bewegt, hat man bis zum Kick-off eines Projekts mehrere Monate der Planung, Budgetierung und interne Kämpfe durch verschiedene Entscheidungsebenen hinter sich. Ist das Budget dann freigegeben, möchte die Fachabteilung bei jedem Schritt ihres neuen Projekts hautnah dabei sein. Controlling und Geschäftsleitung lassen auch nicht lange auf sich warten und fragen, welche Fortschritte das Projekt macht, um beurteilen zu können, ob sich die Investition gelohnt hat. Schnell ist das Entwicklungsteam unter Druck. Positiver Druck, wenn man weiß, wie man mit der Erwartungshaltung umzugehen hat.

Warum pragmatisch vorgehen?

In einer großen Erwartungshaltung äußert sich die Motivation, dem neuen Projekt möglichst schnell auf die Beine zu helfen. Als Entwicklungsteam ist man die dafür notwendige Kernressource. Gerade beim Start von Projekten stehen viele unterschiedliche Aufgaben an. Je schneller die Entwickler wesentliche Teile ihrer Aufgaben erledigen können, desto früher können interne oder externe Kunden über Fortschritte informiert werden. Pragmatismus versteht sich dabei als die Kunst, Entscheidungen so zu treffen, dass Vorteile in der Gegenwart erzielt werden (zum Beispiel Zeitersparnis), ohne auf Kosten der Zukunft zu gehen. Wer Pragmatismus walten lässt, sorgt beim Start von Projekten für besonders große Fortschritte in kurzer Zeit. Frühe Ergebnisse helfen dabei, richtungsweisende Entscheidungen früher treffen zu können. Demnach kann Pragmatismus auch dabei helfen, dass Planungsfehler nicht zu irreversiblen Fallstricken werden. Um Projekte am Start schnell auf den Weg zu bringen, ist neben Pragmatismus auch eine hohe Produktivität des Teams gefragt. Eine hohe Produktivität fördert ebenfalls frühe Ergebnisse und spart Zeit und Geld.

Status Quo

Dieser Artikel basiert auf einer Reihe von Erfahrungen aus dem Projektalltag und einigen inspirierenden Büchern, die zur weiteren Lektüre empfohlen sind. Viele Konzepte bedienen sich der agilen Entwicklung, die seit einigen Jahren an Popularität gewinnt, um klassische Probleme beim Projektmanagement zu adressieren. [1] Wenn es um den Begriff der Produktivität geht, trifft man schnell auf die Techniken „Getting Things Done“ (GTD) und Pomodoro, die allerdings das persönliche Informations- und Zeitmanagement behandeln, nicht die Zusammenarbeit in Teams. 37signals, die Erfinder von Basecamp, Ruby on Rails und vielen anderen SaaS- und Open-Source-Tools, haben mit „Getting Real“ [2] und „Rework[3] gleich zwei Publikationen veröffentlicht, in denen sie ihre Erfahrungen im Bereich Softwareentwicklung und Business Development teilen und die eine breite Zustimmung gefunden haben. Ebenso populär ist „The Lean Startup[4] von Eric Ries, der sich damit beschäftigt, wie Gründer ihr Startup schneller, erfolgreicher und ressourceneffizienter aufbauen können.

Insgesamt lässt sich aus den genannten Publikationen ableiten, dass sich zunehmend auch Nicht-Entwickler, also Leute aus dem Business-Bereich, mit agilen Prinzipien befassen. Damit findet ein Prozess statt, auf den Entwickler lange gewartet haben: Die Stakeholder, die am Ende den positiven Nutzen von agiler Entwicklung haben, erkennen und antizipieren den Wert der Vorgehensweise.

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Teamwork und Entwicklung von flymeto.eu beim Startup Weekend Bergen.

Pragmatismus wird in der Öffentlichkeit oft als Kompromiss wahrgenommen, bei dem die Qualität der Arbeitsergebnisse nicht stimmt oder bei dem die Nutzer merken, dass es nur ein Prototyp ist. Doch man sollte Pragmatismus bewusst so einsetzen, dass man Qualität und Quantität miteinander verbindet.

Voraussetzungen für Produktivität

Es gibt ein paar grundlegende Voraussetzungen, die einen positiven Einfluss auf die Produktivität eines Teams haben und die pragmatische Abwicklung von Projekten enorm begünstigen:

  • Gemeinsame Ziele
  • Offenheit
  • Permanente Teams

Der Projektstart ist ein guter Zeitpunkt, um alle Beteiligten abzuholen und eine gemeinsame Zieldefinition zu finden. Gemeinsame Ziele führen zu Identifikation mit dem Projekt und dazu, dass Einzelne im Sinne der Gruppe entscheiden können, ohne extra ein Meeting dafür ansetzen zu müssen. Mit dem Gefühl, dass man etwas Großartiges und Neues schafft, lassen sich Stresssituationen besser regeln.

Wo Menschen aufeinander treffen und gemeinsam etwas schaffen, entstehen gruppendynamische Effekte. Je länger ein Team in einer stabilen Konstellation besteht, desto besser ist man aufeinander eingestellt. Zuständigkeiten ergeben sich dann aus den individuellen Stärken und Schwächen. Konfliktsituationen, die auch in den besten Teams vorkommen, werden sachlicher gelöst oder lassen sich unter Umständen auch proaktiv vermeiden. Ein gutes Team formt sich mit der Zeit. Man kann den Prozess aber auch beschleunigen, indem man das Teambuilding mit gemeinsamen Aktivitäten abseits des Arbeitslebens fördert.

Offenheit ist ein wichtiger Aspekt der Teamkultur. Gute Teams verfügen über eine gute Fehler- und Feedbackkultur. Wenn ein Einzelner bei einer Aufgabe nicht weiter kommt, können die anderen helfen und dem Projekt so zu einer größeren Dynamik verhelfen. Nur wenn man über alles sprechen und Fehler offen zugeben kann, kann man voneinander lernen und zur Laufzeit die Zusammenarbeit optimieren.

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Eine Antwort
  1. von alangasi am 30.11.2012 (17:21Uhr)

    Schön, aber noch schöner wäre es wenn das ganze auch noch einen Touch Realität bekommen würde: Die sieht nämlich leider ganz anders aus. Ich nenne mal ein Paar Stichpunkte: Orientierung am Markt bei Technik, Funktion und UX.
    Investitionsdruck.
    Klarheit des Geschäftsmodells.
    Das Vor und Hinter der zu bauenden Lösung.
    Die Angst vor dem: " Was kommt danach?".

    ...um nur mal einige Punkte zu nennen. Wenn diese in Entwicklerteams nicht klar sind und vor allem auch als Teil des Ganzen akzeptiert werden, ist das oben beschriebene nur "Spielerei", Tut mir leid das so sagen zu müssen.

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