Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Requirements Engineering: Bedarfsanalysen für Webprojekte richtig durchführen

Aus dem
t3n Magazin Nr. 38

12/2014 - 02/2015

Jetzt kaufen

Ein gelungenes Projekt, glückliche Kunden und ein zufriedenes Team – das wünscht sich jeder Projektleiter. Doch nur zu oft schießen Software-Projekte über das Budget, die Zeit und den Umfang hinaus. Requirements Engineering hilft, unklare Anforderungen, Last-Minute-Korrekturen und somit Konflikte zu vermeiden.

Requirements Engineering: Bedarfsanalysen für Webprojekte richtig durchführen

(Foto: so&amp:#776:ralex / Photocase)

Immer wieder driften bei Webprojekten Anforderungen von Kunden und Lösungen von Agenturen auseinander. Der Grund: Zum einen denken viele Projekt-Manager viel zu schnell in vertrauten Lösungen, anstatt den Bedarf ihrer Kunden genau zu analysieren und nehmen die Anforderungen nur grob auf. Zum anderen sind Kunden keine IT-Experten. Außerdem sitzen oft nur die Entscheider mit am Tisch, die die Prozesse lediglich aus der Vogelperspektive kennen – die Know-how-Träger des Projekts sind nicht involviert.

Typischerweise kommen im Laufe des Projekts dann immer neue Anforderungen dazu, vor allem am Projektende. Weil die Zeit drängt und die neuen Anforderungen nicht sauber in die IT-Architektur passen, leidet die Qualität – Workarounds oder fehleranfällige Umsetzungen sind die Folge. Durch die mangelnde Bedarfsanalyse fehlt eine Grundlage für ein gemeinsames Verständnis des Projektumfangs – das kann ein Auftraggeber ausnutzen. Um Streitigkeiten mit Auftraggebern zu vermeiden, ufern Projekte meist zu Lasten der Agentur aus. Der Druck steigt und das Team ist unzufrieden, weil sie Teile der Lösung neu programmieren müssen und bisher geleistete Arbeit umsonst war. Bricht einer von beiden das Projekt schließlich gar ab, steht die Agentur auch noch in der Nachweispflicht, welche Arbeiten abrechnungsfähig sind.

Projektbeteiligte identifizieren

Requirements Engineering hilft, die Projektanforderungen schon zu Beginn zu analysieren, zu definieren und mit dem Auftraggeber abzustimmen. Erst dann sucht die Agentur nach einer Lösung, die sich jederzeit mit den Anforderungen abgleichen lässt. Um alle Anforderungen genau aufzunehmen, muss der Projektleiter zunächst einmal die verschiedenen Projektbeteiligten identifizieren:

  • Wer ist Entscheider?
  • Wer arbeitet mit der Lösung?
  • Wer ist Nutzer der Umsetzung?
  • Unter welchen Bedingungen kommt die Software zum Einsatz?

Nur wer sich mit den verschiedenen Projektbeteiligten befasst, kann die Vision, Workflows, Vorstellungen und Funktionalitäten sicher identifizieren. Nicht selten verstehen sogar die Entscheider auf Kundenseite selbst erst jetzt den gesamten Umfang des Projekts. Weil sie somit die Notwendigkeiten, Prozesse und Einsparpotenziale kennen, entwickeln Kunden auch oft Verständnis für ein erweitertes Budget.

So kann die Struktur eines Requirements-Engineering-Dokuments aussehen: Jeder einzelne Aspekt eines Webprojekts wird aufgeschrieben, um für alle Beteiligten klare Regeln zur Verfügung zu stellen, auf die sich alle berufen können. (Screenshot: DBook)
So kann die Struktur eines Requirements-Engineering-Dokuments aussehen: Jeder einzelne Aspekt eines Webprojekts wird aufgeschrieben, um für alle Beteiligten klare Regeln zur Verfügung zu stellen, auf die sich alle berufen können. (Screenshot: DBook)

Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen

Anforderungen lassen sich grundsätzlich in drei Rubriken unterteilen: Die Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen. Die Muss-Anforderungen sind aus Kunden- und Agentursicht das Minimum einer guten Umsetzung. Alle Soll-Anforderungen sorgen für eine sehr gute Umsetzung, treiben aber Zeit und Budget in die Höhe. Hierbei sollten sich Kunde und Agentur genau fragen, welche dieser Anforderungen gegebenenfalls nur für Poweruser wichtig sind.

Die Kann-Anforderungen machen ein Projekt zu einem Highlight. Solche Anforderungen erhöhen das Budget stark und haben viele Details, die in Abhängigkeiten zu anderen Anforderungen stehen. Wenn Agentur und Auftraggeber noch keine Erfahrungen mit dem Projektziel haben, machen solche Anforderungen spätere Umbauten auch oft sehr kostspielig. Sie lassen sich daher häufig in eine spätere Ausbaustufe verschieben, wenn es Erfahrungen mit der eigentlichen Umsetzung gibt.

Newsletter

Bleibe immer up-to-date. Sichere dir deinen Wissensvorsprung!

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
2 Antworten
  1. von Michael am 12.03.2015 (14:57 Uhr)

    "Für das Requirement Engineering stehen mächtige Spezialwerkzeuge zur Verfügung."
    Welche denn?
    Interessantes Thema, leider etwas oberflächlich behandelt. Interessant wird, wie die unterschiedlichen Anforderungen dann im Detail zu dokumentieren und vor allem zu visualisieren sind. UML alleine reicht oft nicht.

    Antworten Teilen
  2. von mTOOLs am 18.03.2015 (13:11 Uhr)

    Der Artikel fasst die Kernthemen des Requirements Engineering gut zusammen, aber von den gelisteten Tools kann man wirklich keines als Spezialwerkzeug bezeichnen.
    Wir sind Hersteller von wirklichen Spezialwerkzeugen: objectiF RM, in-STEP RED und in-STEP BLUE. Mehr dazu gibt es auf: http://www.microtool.de.
    Aber auch IBM, Polarion u.a. bieten echte Werkzeuge für Requirements Engineering an.
    Wer sich wirklich im Bereich Anforderungsanalyse, Dokumentation, Traceability und Anforderungsmanagement verbessern will, sollte schon eher nach einem echten Spezialwerkzeug Ausschau halten.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?