T3N Magazin: Ist es nicht schwierig Projektmanager und Entscheider davon zu überzeugen, dass Extreme Programming sinnvoll ist? Schließlich klingt das zunächst mal nach Mehrarbeit.
Frank Westphal: Es gibt im Grunde genommen kein Projekt, das von sich behaupten würde, dass es zuviel Qualität hat. Stattdessen hängen die meisten Softwareprojekte in einem Zustand, den die Projektbeteiligten als „fast fertig“ bezeichnen. Und dieses „fast fertig“ zieht sich häufig über Wochen und Monate, ohne dass der Projektleiter Fortschritt erkennen kann und weiß, wo genau das Projekt steht. Test-Driven-Development zeigt hier, wo man steht, was fertig ist, wo man einen Haken hinter machen kann und was noch nicht fertig ist. In der Rails-Community ist dieses Vorgehen fest verankert, da Rails Testumgebungen mitbringt, mit der Entwickler ihre Applikation zum Beispiel ohne Datenbank oder ohne Zugriff auf Drittsysteme testen können. Tests zu schreiben, bevor man mit der eigentlichen Programmierung beginnt, ist mittlerweile Best Practice, auch wenn viele Leute das nicht einsehen wollen und die Tests lieber später schreiben. Ich vergleiche dieses Vorgehen gerne mit dem Messen des Ölstands bei einem Auto. Das geht auch nicht, wenn ich vor dem Bau des Autos gar keinen Ölmessstab eingeplant habe.
T3N Magazin: Haben Sie das Gefühl, dass Ruby, auch dank Rails, anderen Skriptsprachen wie PHP oder Python gerade den Rang abläuft?
Frank Westphal: Schwer zu sagen. Jede Sprache hat da ihre ganz eigenen Stärken. Ich würde in Projekten die Technologie weniger danach auswählen, was man damit alles machen kann, sondern vielmehr danach, was die Team-Mitglieder kennen und können. Ich glaube, dass Rails momentan aus dem PHP- und Java-Umfeld Zulauf erfährt und das zurecht, weil Rails ein gutes Gerüst bietet, um nach dem Prinzip „Don't Repeat Yourself“ immer wiederkehrende Aufgaben einmal zu lösen und dann mehrfach zu verwenden. Das erhöht mit der Zeit die Geschwindigkeit bei der Entwicklung enorm.


















[...] auf die Ankündigung im Rivva-Blog kann man (natürlich) auf Rivva verfolgen. Im t3n Magazin Nr. 12 gab es übrigens ein interessantes Interview mit Frank Westphal zu lesen. « vorheriger [...]