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Plädoyer für die Selbstständigkeit: Just do it!

Aus dem
t3n Magazin Nr. 28

06/2012 - 08/2012

„Tu's einfach“ – oder lieber doch nicht? Schließlich ist die Welt auch ohne die Selbstständigkeit schon voller Unsicherheiten, und das Benzin wird auch immer teurer. Muss man sich da auch noch das Risiko einer Kümmerexistenz ans Bein binden? Klar! Der folgende Artikel erklärt warum.

Plädoyer für die Selbstständigkeit: Just do it!
Selbstständigkeit just do it

Gründungsmotor: Internet und neue Technologien

Es ist schon ein paar Jahre her, als Sascha Lobo und Holm Friebe mit ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit“ für Furore sorgten und den Siegeszug der „digitalen Bohème“ verkündeten. Die Angehörigen dieser Spezies verzichten demnach „dankend auf einen Arbeitsvertrag und verwirklichen den alten Traum vom selbstbestimmten Leben.“ „Mittels neuer Technologien kreieren sie ihre eigenen Projekte, Labels und Betätigungsfelder. Das Internet ist für sie nicht nur Werkzeug und Spielwiese, sondern Einkommens- und Lebensader (...). Ihre Ideen erreichen – anders als bei der früheren Bohème – vor allem über das Web ein großes Publikum und finanzieren sich damit.“

Was vor fünf Jahren im Ansatz erkennbar war, hat sich zu hundert Prozent bestätigt: Das Internet ist in Kombination mit den technischen Errungenschaften der letzten Jahre zum Gründungsmotor geworden. Startups sprießen an allen Ecken und Enden aus dem Boden. Nirgends zeigt sich dies aktuell so eindrücklich wie in Berlin, der viel titulierten „europäischen Gründerhauptstadt“. Auch Gründer aus dem Ausland zieht es vermehrt dorthin – so wie die Initiatoren der Musikerplattform Soundcloud, das internationale Team der Meinungs-App „Amen“ oder die Gründer des niederländischen Startups Gidsy, einem Marktplatz für Aktivitäten, Events und Kurse (siehe auch das Gründerporträt ab Seite 86).

Goldene Zeiten für Entwickler

Durch diese Entwicklung wird Berlin immer mehr zum Mekka für Entwickler und Programmierer. Die unzähligen Startups lecken sich förmlich die Finger nach programmierfähigen Existenzen. Schon werden erste Stimmen laut, die meinen, dass Berliner Entwickler so verwöhnt und begehrt sind, dass man als Startup vielleicht doch besser in eine andere Stadt zieht, um überhaupt noch fähige Leute zu ergattern. Goldene Zeiten also für Programmierer und Webdesigner, die gerne freiberuflich arbeiten möchten und/oder lieber Startup-Luft schnuppern, als in einem Konzern oder einer Agentur zu arbeiten.

Ein Innovationsland in Sachen Online-Startups ist Deutschland damit noch nicht. Immer noch wird hierzulande fleißig kopiert, was in den USA schon erfolgreich ist. Trotzdem mischen sich immer mehr Innovationen „made in Germany“ unter die Startups – so wie die E-Book-Plattform PaperC, auf der Studenten in aller Legalität Fachbücher herunterladen und die Inhalte teilen sowie bearbeiten können. Das verhindert den Kampf um die wenigen Bibliotheks-Exemplare. Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Microsoft Deutschland wächst die Zahl der Software-Gründungen in Deutschland jedenfalls stetig – ausgenommen HighTech-Startups.

Die neue Flexibilität

Auch wenn sich die Hauptstadt mehr und mehr als Gründermetropole etabliert: Das eigentlich Spannende an der neuen Arbeitsweise, wie sie durch Internet und technische Geräte gegeben ist, ist die absolute Ortsunabhängigkeit. Auf einem Bauernhof in der sächsischen Provinz wohnen und einen Onlineshop betreiben, auf der schwäbischen Alb sitzen und mit dem Apple auf dem Schoß Menschen beraten – all dies ist möglich geworden. Längst entstehen auch Startups, deren Gründer in verschiedenen Teilen Deutschlands studieren und trotzdem ein gemeinsames Projekt hochziehen. Wichtig ist in erster Linie, die richtigen Leute im Boot zu haben. Wo diese wohnen oder zu welchen Tageszeiten sie bevorzugt arbeiten, hat an Bedeutung verloren (siehe dazu auch den Artikel „Teamarbeit im Web“ ab Seite 148).

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5 Antworten
  1. von Christoph am 24.05.2012 (13:14Uhr)

    Interessanter Artikel.
    Mich würde interessieren was bei der Einkommenstatisik bei Selbstständigen "netto" bedeutet.
    Abzüglich Krankenkassen und Altersvorsorge?
    VG
    Christoph

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  2. von Gründercoach am 25.10.2012 (17:46Uhr)

    Ein sehr gelungenes Plädoyer für dei Selbstständigkeit. Mit allen seinen Möglichkeiten und Facetten einer Gründung.

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  3. von Graham Horton am 25.10.2012 (18:42Uhr)

    Vielen Dank für diesen Artikel!

    Wer sich eine solche Zukunft vorstellen kann, findet an der Universität Magdeburg ein passendes Studienangebot: http://www.cs.uni-magdeburg.de/Studium/Profilstudium/Web_Gründer.html

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  4. von WebdesignStuttgart am 26.10.2012 (07:42Uhr)

    Ein besonderer Aspekt wäre auch das man ab einem bestimmten Alter in verschiedenen Berufsgruppen sehr schwer oder gar keine reguläre Anstellung mehr findet. Die Selbstständigkeit ist also der letzte Ausweg vor einer Arbeitslosigkeit. Leider wird man in dem Fall das man es erst im Nebengewerbe versuchen möchte kaum von Ämtern unterstützt. Lehrgänge in Buchhaltung oder Steuerwesen, usw. wären hilfreich. Diese Hilfen stehen leider nur zur Verfügung wagt man den Schritt in eine volle Selbstständigkeit. Da könnte man in den Regelungen nachbessern...Denn der Sprung ins kalte Wasser liegt nicht jedem. :-)

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  5. von ralf am 27.10.2012 (17:47Uhr)

    wirklich sehr interessanter Artikel. Eine Sache, die ich persönlich nicht vergleichen würde - wird hier versucht. Als Selbstständiger habe ich nicht die Gewissheit, dass ich am 1ten *neues* Geld auf meinem Konto habe.

    @WebdesignStuttgart

    Selbständigkeit ist sicherlich kein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Wenn ich keinen Job finde - soll ich plötzlich Aufträge finden - Welche Logik? Wo sollen diese Aufträge den herkommen?
    Wenn ich für den Arbeitsmarkt zu "ALT" bin - soll ich dann plötzlich für Kunden "Jung" sein?
    Dies funktioniert nicht - in meinem Alter erreiche ich eine bestimmte Zielgruppe halt nicht mehr... auch als Selbstständiger nicht.
    Aus der Arbeitslosigkeit - bei der Kürzung und Rückgang bei Gründerzuschüssen - ist dies meiner Meinung nach keine gute Idee.

    Des weiteren wird hier irgendwie auch die rechtlichen Probleme nicht berücksichtigt. Bei kleinsten Fehlern bekommt der Selbstständige doch eine Abmahnung. Darf sich mit nicht zahlenden Kunden vor Gericht treffen und lernt wilde Geschichten kennen. Und seine Dienstleistung wird von Google per se nicht angezeigt, weil andere schon längst den Markt beherrschen. Wo soll der Gründer aus der Arbeitslosigkeit ernsthaft Aufträge erhalten.

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