oder wie ein CMS Semantik lernt
Die Semantic Web Ernüchterung

Eike Diestelkamp, Benjamin Birkenhake, t3n Nr. 1 (09/2005) | Keine Kommentare |  |  Teilen

Vom Stichwort zum Wissensnetz

Im Bereich der Inhaltsverwaltung gibt es in bestehenden Content Management Systemen bereits Semantic-Web-Konzepte, fast ohne Kenntnis der Entwickler: Schlag- und Stichwortkataloge mit denen man einzelne Inhalte auszeichnen kann finden sich in praktisch jedem besseren CMS. Ein solcher Katalog kann unter bestimmten Umständen als kontrolliertes Vokabular bezeichnet werden und ist dann eine sehr simple Form einer Ontologie. In einem Musikportal könnte es einen Schlagwortkatalog mit dem Titel „Genre“ geben, der Begriffe wie „Jazz“, „Rock“, „Pop“, „Elektro“, „Hip Hop“ und „Klassik“ enthält.

Damit endet in der Regel die Funktionalität der meisten CMS, nicht aber die Wünsche der Benutzer. Schnell würde sich eine Beispielredaktion genötigt fühlen, den Schlagwortkatalog um „Heavy Metal“, „Stoner Rock“, „Grunge“, „House“, „Techno“ oder „Drum and Bass“ zu ergänzen. Die Einordnung dieser Begriff neben die bereits bestehenden Begriffe ist ebenso naheliegend wie falsch, denn „Grunge“ ist offensichtlich ein Unterbegriff von „Rock“. Ist ein Artikel über ein Album als „Grunge“ gekennzeichnet so wird er nicht gefunden, wenn ein Besucher nach „Rock“ sucht, obwohl es sich doch dabei um Rock-Musik handelt. Für dieses Problem gibt es eine richtige und eine falsche Lösung. Die Falsche wäre, den Artikel zusätzlich als „Rock“ auszuzeichnen. Das würde bereits kurzfristig in einen erheblichen Mehraufwand für die Redakteure ausarten, was praktisch der Untergang jedes Semantic-Web-Konzepts ist. Der Einsatz von SW-Technologien steht und fällt mit der Disziplin der Redakteure und Autoren, auch in geschlossenen Systemen.

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