von Eike Diestelkamp, Benjamin Birkenhake, 31.08.2005

oder wie ein CMS Semantik lernt: Die Semantic Web Ernüchterung

Aus dem
t3n Magazin Nr. 1

Die richtige Lösung wäre also einen Baum aufzubauen, in dem „Grunge“ als Unterbegriff von „Rock“ eingeordnet ist. Die Baumstruktur erlaubt dem alle als „Grunge“ ausgezeichneten Artikel zu präsentieren wenn nach „Rock“ gesucht wurde. Diese baumartige Taxonomie ist schon eine etwas reichere Ontologie. Die Entitäten dieser Ontologie sind einzelne Genre und die Äste stellen eine Oberbegriffs-Unterbegriffs-Relation dar.

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Der nächste Schritt ist ebenso logisch wie einfach: Aus dem Baum wird ein Netz. Hat man, wie unsere Beispielmusikredaktion, ein sehr differenziertes Verständnis von einem Themenbereich, empfindet man einen Baum zur Strukturierung dieses Bereichs nach einiger Zeit nicht mehr als angemessen. Zum einen kann es mitunter schwer sein einen neuen Begriff eindeutig in dem Baum einzuhängen. Das Genre „Crossover“ verrät bereits im Namen, dass es mehrere Ursprünge hat. Man kann „Crossover“ nicht einfach entweder unter „Rock“ oder unter „Hip Hop“ einhängen. Zum anderen verbirgt die Hierarchie andere, diffizilere Zusammenhänge, wie etwa die chronologische Ordnung. Die Lösung in diesem Fall ist ein semantisches Netz mit unterschiedlichen, getypten Relationen. Das Typen der Relationen sind wichtig damit das System weiterhin Schlüsse ziehen kann, wie: Wer nach „Rock“ sucht sollte auch „Crossover“ finden.

Wo Semantic Web drauf steht muss nicht immer XML drin sein

Verwendet man Semantic-Web-Konzepte in einem geschlossenen System, spielt es kaum eine Rolle für welches Speicherformat man sich entscheidet. In einem solchen Rahmen spricht in der Tat einiges für Datenbanklösungen: Das generische Konzept des lässt sich sauber und deutlich performanter in eine Datenbank bringen. Und da der Mehrwert semantischer Arbeit nur an den Besucher und die Redakteure unseres Portals weitergegeben wird, entfällt der Bedarf die Daten über XML zu syndizieren. So kann man Semantic-Web-Funktionalität in bestehende CMS-Architekturen integrieren, die in der Regel auf relationalen Datenbanken aufbauen.

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Content Management Systeme haben aber neben den eben beschriebenen Metadatenkonzepten eine weitere „natürliche“ Verbindung zum Semantic Web. Legt der Redakteur einer Musikredaktion eine neue Plattenkritik an, so wird er sich in der Regel einem Formular gegenübersehen, das unter anderem Felder wie „Interpret“, „Titel“ und „Plattenfirma“ enthält. Bei einem guten CMS sollte man wenigstens bei den Feldern „Interpret“ und „Plattenfirma“ die bereits von anderen Redakteuren eingetragenen Interpreten und Label zur Auswahl bekommen. Der hier ursprüngliche Zweck – die Vermeidung von Redundanzen – führt dazu, dass die Daten bereits in Bezug auf ihre Semantik im System gehalten werden. Content Management Systeme fangen semantische Entitäten auf und verwalten diese in bestimmten Kontexten. In unserem Beispielportal hätte so ein Besucher die Möglichkeit, durch alle Artikel nach einem Interpreten zu suchen.

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