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t3n 38

Seriengründer Jan Beckers im Interview: Startups am laufenden Band

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t3n Magazin: Wo könnte die Politik mehr tun, um die deutsche Gründerszene anzuschieben?

Beckers: Zum Beispiel in der Ausbildung künftiger Generationen: Es ist doch schade, wenn der tausendste Abiturient sich für ein Medizin- oder Jurastudium entscheidet, nur weil es ihm als ein erfolgreiches Karrieremodell vermittelt worden ist – aber nicht, weil er eine besondere Begabung hat oder eine besondere Leidenschaft für den Beruf empfindet. Gleichzeitig entscheiden sich noch immer viel weniger junge Leute für technische oder naturwissenschaftliche Bereiche oder sogar für die Selbstständigkeit, obwohl das Aufstiegspotenzial hier ebenfalls gewaltig ist. Sowohl in der Schaffung von Vorbildern als auch in der Vermittlung konkreter Bildungsinhalte könnte die Politik Deutschland als Standort der digitalen Wirtschaft erheblich besser unterstützen.

Seit mehr als drei Jahren gibt es Hitfox mittlerweile. Acht Unternehmen sind in dieser Zeit aus der Gruppe hervorgegangen.
Seit mehr als drei Jahren gibt es Hitfox mittlerweile. Acht Unternehmen sind in dieser Zeit aus der Gruppe hervorgegangen.

t3n Magazin: Apropos Bildung – welcher Bildungsweg hat aus dir einen Seriengründer gemacht?

Beckers: Ich habe ein klassisches BWL-Studium absolviert – für mich ein ganz logischer Weg, da ich mich schon immer für Wirtschaft interessiert habe. Ich habe allerdings schon während der ersten Semester angefangen, neben dem Studium zu gründen, mit 19 oder 20. Ich hatte anfangs einfach extrem viel Freizeit. Also habe ich meine Vorliebe für gute Partys zum Anlass genommen, eine eigene Plattform und Agentur für Studentenpartys aufzubauen. Von da an hatte ich eigentlich immer irgendein Unternehmen.

t3n Magazin: Gründen ohne abgeschlossenes Studium und nennenswerte Erfahrungen in der Arbeitswelt – für die Vorsichtigeren unter uns Deutschen klingt das ziemlich waghalsig. Hattest du nie Angst, es könnte schief gehen?

Beckers: Nein. Ich habe diese ersten Unternehmungen ja während des Studiums aufgebaut und keine existenzgefährdenden Summen, sondern vor allem viel Arbeitszeit investiert. Ich habe eigentlich immer daran geglaubt, dass ich mit den Sachen, die ich mir ausgesucht habe, auch erfolgreich sein kann.

t3n Magazin: Gibt es Entscheidungen, die du bis heute bereust?

Beckers: Zu Anfang meiner Gründerkarriere habe ich einmal Probleme mit einem Mitgründer gehabt. In der Situation habe ich bereut, mich auf ihn verlassen zu haben, und das als Fehlentscheidung wahrgenommen. Rückblickend muss ich aber sagen, dass es gut war, diese Erfahrung so früh zu machen: Damals kam es mich noch nicht allzu teuer zu stehen und seither wähle ich meine Partner sehr genau aus. Im Großen und Ganzen würde ich alles wieder so machen, wie ich es gemacht habe.

t3n Magazin: Wie läuft heute ein typischer Tag für dich ab?

Beckers: Beim Frühstück lese ich Zeitschriften und Fachblogs. Etwa um neun Uhr starte ich dann mit E-Mails in den Arbeitstag – es kann immer sein, dass aus unseren Standorten in San Francisco oder Korea etwas Dringendes ansteht. Den Vormittag über widme ich mich wichtigen strategischen Themen, bei denen ich Ruhe brauche und konzentriert arbeiten muss. Manchmal treffe ich auch Jobkandidaten oder potenzielle Geschäftspartner zum Frühstück. Generell versuche ich, lange Meetings zu vermeiden und anstehende Themen kurz und schmerzlos mit den Leuten am Platz zu klären. Ich hasse es, wenn man mit mehreren Leuten eine halbe Stunde zusammensitzt, nur weil eine halbe Stunde Meeting im Kalender eingetragen ist. Trotzdem gehen ab mittags die internen und externen Arbeitstreffen los. Bis abends bin ich in Terminen, arbeite zwischendurch immer wieder E-Mails ab. Gegen neun verlasse ich das Büro, mache dann noch Sport oder treffe mich mit Kollegen oder Partnern auf einen Drink.

t3n Magazin: Ganz ehrlich: Das klingt nicht, als ob dir viel Zeit für ein Privatleben bliebe. Der Nachteil am Leben eines Serial Entrepreneurs?

Beckers: Natürlich muss ich Prioritäten setzen und dann an anderer Stelle Abstriche machen. Ich habe Phasen, in denen ich wochenlang durcharbeite und selbst die Wochenenden beschneide. Dann kommen aber auch wieder Phasen, vor allem zwischen den Launches neuer Unternehmen, in denen ich die Welt bereisen, alte Freunde wieder treffen und auftanken kann. Unterm Strich, würde ich sagen, ist es ein intensives Leben und Arbeiten – das allen, die es sich so ausgesucht haben, viel Spaß bereitet. Und es birgt auch ganz eigene Rewards – beispielsweise wenn ich mir das Hitfox-Team anschaue, das in den letzten Jahren auf fast 300 angewachsen ist. Das gibt mir ein extrem gutes Gefühl.

t3n Magazin: Ein großes Team – aber auch große Verantwortung. Viele andere starten in deinem Alter, mit Anfang 30, gerade erst ins Berufsleben. Setzt dich das manchmal unter Druck?

Beckers: Ich bin mittlerweile seit elf Jahren Unternehmer, da hat man sich an gewisse Sachen gewöhnt. Aber klar: Eine große Aufgabe ist es auf jeden Fall. Ich muss mich nicht nur um mich selbst kümmern, sondern auch um den Erfolg und die Weiterentwicklung vieler anderer. Sie haben sich Hitfox im Vertrauen auf ein stabiles Arbeitsumfeld angeschlossen, in dem sie von richtig guten Unternehmern lernen können – wir stellen hohe Anforderungen an unsere Bewerber, da haben sie umgekehrt auch jedes Recht, viel von uns zu erwarten. Aber als Druck würde ich das nicht bezeichnen. Eher als Ansporn.

t3n Magazin: Was darf in deinem Arbeitsalltag auf keinen Fall fehlen – und auf was würdest du gerne verzichten?

Beckers: Die drei wichtigsten Apps, die ich aus meinem Berufsleben nicht mehr wegdenken kann, sind MyTaxi, Evernote und Contactually, ein cleveres Kontaktmanagement-Tool, das man auch unterwegs gut nutzen kann. Wovon ich mir ein bisschen weniger wünschen würde, sind E-Mails: Ich weiß, dass sie wichtig sind, aber ich glaube wir alle schreiben viel zu viele.

Die Verantwortung für 300 Mitarbeiter empfindet Beckers nicht als Druck – aber als Ansporn.
Die Verantwortung für 300 Mitarbeiter empfindet Beckers nicht als Druck – aber als Ansporn.

t3n Magazin: Was tust du, um abends abschalten zu können?

Beckers: Es kommt öfter mal vor, dass mir abends irgendeine heiße Idee im Kopf herumschwirrt, über die ich noch stundenlang nachdenken könnte. Dagegen helfen mir vor allem Sport und Sauna – wenn ich nach einem Arbeitstag sogar beides hinbekomme, schlafe ich wie ein Baby.

Dieser Artikel stammt aus dem neuen t3n Magazin Nr. 38 mit dem Schwerpunkt Produktivität. (Grafik: t3n)
Dieser Artikel stammt aus dem neuen t3n Magazin Nr. 38 mit dem Schwerpunkt Produktivität. (Grafik: t3n)
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Eine Reaktion
BigBen
BigBen

Bleibt da nicht die Glaubwürdigkeit gegenüber dem Kunden in das Produkt aufgrund des Geschäftsfeld-Jojos nicht auf der Strecke? Das ist alles andere als nachhaltig im Kontext der mittel- bis langfristigen Kundenbindung.

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