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Amazon auf die Pelle gerückt: Wie zwei Deutsche im Silicon Valley den E-Commerce aufmischen

    Amazon auf die Pelle gerückt: Wie zwei Deutsche im Silicon Valley den E-Commerce aufmischen

Shippo mischt den E-Commerce auf. (Foto: Florian Blaschke)

Studium beendet, Startup gegründet, Millionen kassiert: Laura Behrens und Simon Kreuz leben ihn, den amerikanischen Gründertraum. Von San Francisco aus machen sie mit Shippo, einer Technologie für den einfachen und günstigen Paketversand, die Welt der kleinen Online-Händler ein großes Stück besser. Eine deutsche Erfolgsstory mit vielen Überraschungen.

Lieber Startup als Urlaub

Der Plan, mit dem Laura Behrens und Simon Kreuz vor anderthalb Jahren durch die gläserne Drehtür am Flughafen von San Francisco treten, ist so einfach: zwei Monate Urlaub machen, sich die kalifornische Sonne auf den Pelz brennen lassen, nebenbei ein bisschen Praktikum. Heute lachen sie über diesen Plan. Heute hocken beide in einem ehemaligen Fabrikgebäude unweit einer Autobahnauffahrt in South of Market, dem angesagten Startup-Viertel der Stadt, und machen ihr eigenes Ding.

Wo früher Aufkleber für Obstkisten hergestellt wurden, flimmern jetzt Apple-Bildschirme in die konzentrierten Gesichter von Menschen, die die teils noch unverputzten Wände mit markigen Parolen geschmückt haben: „Dreams don’t work unless you do“ ist in Großbuchstaben auf einer von ihnen zu lesen, „Time to get ship faced“ auf einer anderen. Sie erinnern Behrens, Kreuz und ihre 13 Mitarbeiter an das, was sie hier eigentlich tun: Amazon ärgern.

Im magischen Sog des Tals

Will man deutsche Gründer im Silicon Valley treffen, muss man nicht lange suchen. Es hat sich herumgesprochen, dass er hier auch für Ausländer funktioniert, der amerikanische Gründertraum. Laura Behrens und Simon Kreuz aber stechen in ihren dunkelblauen Kapuzenpullis noch als kleines Paradebeispiel aus der Masse hervor. Sie, 23, geboren in Bonn, wächst als Diplomatenkind unter anderem in Peking und Ecuador auf. Er, 25, die Eltern Heizungsunternehmer, kommt aus Schnaittach, einem Dorf bei Nürnberg.

Irgendwann bringt ein BWL-Studium in der Schweiz zusammen, was auf dem Papier nicht so recht zusammenpassen will. Herausgekommen ist statt zwei geplanter Karrieren bei Roland Berger ein potentes deutsches Startup mit Millionen-Finanzierung am anderen Ende der Welt. Nein, gewollt haben Behrens und Kreuz das alles nicht. Doch wenn man wie sie in der Rückschau offen zugibt, bezahlte Flugtickets zurück in die Heimat guten Gewissens in den Müll geworfen zu haben, ist sicher: Die magische Sogwirkung, die das Gründer-Biotop in und um San Francisco auf Menschen mit einer guten Geschäftsidee ausübt, hat auch sie nicht verschont.

Eine Technologie beglückt die kleinen Online-Händler

Damit sind wir auch beim eigentlichen Thema: Erfolgreich im Silicon Valley gründen und noch dazu ein bisschen Amazon auf die Pelle rücken? Ja, das passt zu Behrens und Kreuz. Immerhin erleichtern sie einer rasant wachsenden Zahl von Menschen ohne nennenswertes E-Commerce-Know-how das Geschäft im Internet, wie Behrens mit ordentlich Feuer in ihren braunen Augen erklärt.

„Wir machen den Versand von Paketen endlich simpel und günstig“, sagt sie. Die Idee der beiden klingt mit Shippo etwas drollig, ist aber eine ernstzunehmende Technologie, die kleine Online-Händler mit großen Versanddienstleistern auf Augenhöhe bringt. „Der Vorteil für Händler ist, dass sie mit Shippo über eine einzige App auf Paketdienste wie UPS, FedEx oder DHL zugreifen und gleichzeitig von unseren Rabatten beim Druck ihrer Versandmarken profitieren können“, sagt Behrens.

In einem ehemaligen Fabrikgebäude in San Franciscos Startup-Viertel South of Market arbeiten die beiden Gründer mit mittlerweile 13 Mitarbeitern an ihrer Geschäftsidee. (Foto: Florian Blaschke)
In einem ehemaligen Fabrikgebäude in San Franciscos Startup-Viertel South of Market arbeiten die beiden Gründer mit mittlerweile 13 Mitarbeitern an ihrer Geschäftsidee. (Foto: Florian Blaschke)

Kleine Online-Shops, Rabatte, Versandmarken. Man muss ehrlich sein: Für eine Gegend, die mit schrillen Datenbrillen, selbstfahrenden Autos und smarten Thermostaten nie um eine gute Schlagzeile verlegen ist, klingt das ungewohnt unspektakulär. Dass im Silicon Valley aber auch noch Probleme gelöst werden können, das beweisen Behrens und Kreuz. Ihr Produkt verhilft Menschen, die regelmäßig im Internet verkaufen wollen, aus einem großen Dilemma. Dann nämlich, wenn sie nicht in den Mengen verkaufen, für die ausliefernde Paketdienste an ihrer Preisschraube drehen würden. Die Konsequenzen sind unangenehm. Erstens: kein Rabatt für den Händler. Also zweitens: kein kostenloser Versand für den Kunden. „Genau das setzt der Verbraucher aber voraus“, sagt Behrens. Das bedeutet drittens: weniger Bestellungen. Schuld daran sei, so Behrens, vor allem Amazon. Der Versandriese habe den Menschen mit seiner Marktmacht zu einer „Kostenlos-Kultur beim Versenden und Retournieren von Waren“ erzogen.

Dank Shippo kommen auch kleine Händler in den Genuss günstiger Versandoptionen bei vergleichsweise geringem Bestellvolumen. Diese kleinen Händler sind typischerweise auf Plattformen wie Shopify, Magento oder Etsy zu finden und verzeichnen im Schnitt bis zu 5.000 Bestellungen im Monat. Die Software von Shippo funktioniert dabei wie eine virtuelle Postfiliale zum Andocken: Einmal mit dem Shop verknüpft, importiert sie alle Bestellungen automatisch und wandelt sie per Mausklick in druckreife Versandmarken um – Rabatte von bis zu 80 Prozent gegenüber herkömmlichen Postfilialen inklusive.

„Das erlaubt Ersparnisse von bis zu fünf Euro pro Paket“, sagt Kreuz. „Damit bieten wir Online-Händlern eine einfache, ohne Programmierkenntnisse zu bedienende Technologie, die sicherstellt, dass die verkaufte Ware schnell und günstig vor der Haustür ihrer Kunden landet.“ Ein Konzept, das Kreuz zusammen mit Behrens künftig zu einem tragfähigen Geschäft ausbauen will.

So schön kann E-Commerce sein: Laura Behrens und Simon Kreuz (rechts) schwärmen im Gespräch von der Mentalität im Silicon Valley, die das Gründen so viel einfacher macht als hierzulande. (Foto: Florain Blaschke)
So schön kann E-Commerce sein: Laura Behrens und Simon Kreuz (rechts) schwärmen im Gespräch von der Mentalität im Silicon Valley, die das Gründen so viel einfacher macht als hierzulande. (Foto: Florain Blaschke)

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5 Reaktionen
Badspiegel
Badspiegel

endlich mal leute die amazon paroli bieten super jungs macht weiter so

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Thomas
Thomas

Eine interessante Geschichte. E-commerce ist heutzutage eine echte Goldgrube.

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Erwin
Erwin

Für welche Länder ist dieser Service verfügbar? Ist Italien auch dabei?

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Ladenthin
Ladenthin

shippo.com ... zeigt bei mir was anderes

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Daniel Hüfner

Hi Ladenthin,

wir korrigieren das umgehend. Danke für Deinen Hinweis!

Daniel

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