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Upcload: Die virtuelle Umkleidekabine im Portrait

Aus dem
t3n Magazin Nr. 31

03/2013 - 05/2013

Wer mag schon Umkleidekabinen? Wäre es nicht praktisch, wenn man einmalig seine Körpergröße ermittelt und anschließend eine Software bei jedem künftigen Onlinekauf die passende Größe bei Kleidungsstücken automatisch auswählt? Genau ein solches System hat das Berliner Startup Upcload entwickelt. Es könnte den E-Commerce mit Kleidung radikal vereinfachen.

Upcload: Die virtuelle Umkleidekabine im Portrait

Ganz anders, als man sich das in der Regel von Berliner Startups vorstellt, sitzt Upcload im Dachgeschoss eines Universitätsgebäudes der Humboldt-Universität zu Berlin. Loft-Atmosphäre fehlt hier ebenso wie eine stylische Inneneinrichtung. Aber gerade deshalb kommt vielleicht noch stärker das Gefühl auf, dass hier was entsteht, dass die komplette Aufmerksamkeit des Teams auf das Produkt gerichtet ist. Und ohnehin trügt der erste Blick: Begibt man sich nämlich durch eine schmale Tür mit Mini-Treppe auf das Dach des Gebäudes, eröffnet sich ein fantastischer Blick auf Berlin: Der Dom lässt grüßen, dahinter der Fernsehturm – ein wunderschönes Panorama, das inspirierend wirkt und Ideen fördert.

Die Technologie von Upcload: Objekterkennung und Körpervermessung

Ideen haben die Gründer von Upcload nicht wenige. So hat das Berliner Startup ein System entwickelt, mit dem Nutzer per Webcam ihre Körpermaße vermessen können. Das geht komplett vom heimischen Rechner aus – das Vermessen dauert ein paar Minuten, am Ende steht ein Upcload-Account mit hinterlegten Körpergrößen. Wer sich nicht von seiner Webcam kartographieren lassen möchte, kann übrigens einfach seine Körpergröße eingeben. Allerdings ist diese Methode nicht ganz so genau wie das Prozedere mit der Webcam.

Der Vorteil des Upcload-Systems: Online-Shopper, die sich neue Klamotten kaufen möchten und ihre Körpergröße mithilfe der Upcload-Software ermitteln ließen, brauchen keine Befürchtungen zu haben, dass die Kleidung nicht passt. Die Software wählt automatisch die richtige Bekleidungsgröße aus. Voraussetzung ist allerdings, dass der entsprechende Shop das Upcload-System unterstützt. Das System berücksichtigt auch den Umstand, dass Kleidung unterschiedlicher Anbieter jeweils anders ausfällt. Mag der Pullover der Marke A in Größe „L“ beispielsweise perfekt passen, ist die gleiche Größe von Marke B viel zu eng.

In dieser Ungenauigkeit liegt auch die Ursprungsidee begründet: „So etwas hat mich immer extrem genervt. Ich bin geizig und habe gerade als Student deshalb immer Klamotten bei Ebay gekauft. Doch leider musste ich oftmals feststellen, dass die Kleidung nicht passt – also habe ich sie zurückgeschickt“, erklärt Asaf Moses. Der 30-jährige Israeli wollte das unbedingt ändern. Die Idee: eine Art eBay mit Körpermaßen – das Vermessen der Körpermaße sollte ursprünglich nur ein kleines Feature sein. „Wir kamen frisch aus der Uni und hatten von gar nichts eine Ahnung – sowohl was Firmengründung, als auch was die entsprechende Technologie wie beispielsweise Objekterkennung angeht.“

Wir – das ist neben Asaf Moses der 25-jährige Sebastian Schulze. Die beiden haben sich beim Wirtschaftsstudium an der Humboldt-Universität kennen gelernt. Beim ersten Versuch ihrer Ideenumsetzung verrannten sie sich komplett: „Wir haben in den ersten sechs Monaten ein Tool entwickelt, dass einfach nicht funktioniert hat. Wir sind da ein wenig naiv an die Sache herangegangen. Aber diese sechs Monate waren äußerst lehrreich: Wir haben gemerkt, wie komplex ein solches System zur Körpervermessung tatsächlich ist. Uns wurde aber auch bewusst, dass das System – wenn es richtig funktioniert – extrem großen Potenzial hat“, erklärt Asaf.

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Mitgründer Asaf Moses und sein Team sind momentan dabei, internationale Partner für Upcload zu finden.

Beim zweiten Versuch holten sich die beiden Gründer deshalb Unterstützung von Experten. Dr. Mor Amitai, früherer CEO des Nasdaq-Unternehmens Compugen und Fachmann für Objekterkennung aus Tel Aviv, entwickelte mit seinem Team den Algorithmus, der heute hinter Upcload steckt. „Die externe Unterstützung war einfach nötig, um das bestmögliche System zu entwickeln. Man muss unheimlich viele Faktoren berücksichtigen, um eine gut funktionierende Körpererfassung zu entwerfen. Auf die ganzen Schwierigkeiten stößt man erst im Laufe der Entwicklung“, so Asaf Moses.

Der komplizierteste Faktor der Systementwicklung sei gewesen, dass es eben nicht nur um Code ging. Entwickelt man moderne Webservices wie Twitter beispielsweise, müsse man gute und kreative Entwickler und Programmierer haben, so Asaf. Beim Upcload-System gehe es aber nicht nur um Programmcode, sondern auch um Menschen mit verschiedensten Proportionen. Dieser Umstand machte die Systementwicklung äußerst komplex. Die Unterstützung durch Amitais Team markierte schließlich den Durchbruch für Upcload.

Finanzierung und Internationalisierung

Seit Ende 2011 ist das Produkt auf dem Markt. Anfangs haben vor allem kleinere Online-Shops Upcload integriert. Im August 2012 konnten die Gründer dann den ersten großen Kunden von ihrem System überzeugen: Otto integrierte Upcload für die Marke „Melrose“. „Das war extrem wichtig für uns, um zu zeigen, dass wir mit unserer Technologie keine Spielerei anbieten, sondern ein ernsthaftes Produkt, das auch von den Großen der Branche ernst genommen und eingesetzt wird“, erklärt Asaf.

Mittlerweile sind die beiden Gründer extrem viel unterwegs, um neue Partnerschaften zu vereinbaren. Einige namhafte Kunden wie The North Face sind dazugekommen, weitere Gespräche laufen. Überhaupt ist die Internationalisierung das aktuell wichtigste Vorhaben der Berliner. Je mehr Modemarken und Bekleidungsunternehmen Upcload einsetzen, desto mehr ergebe das System Sinn. Leicht zu verstehen: Weiß der Kunde, dass er mit seinen Upcload-Daten in vielen Shops einkaufen kann, ist die Schwelle, seinen Körper zu vermessen, viel niedriger. Vielkäufer bräuchten sich um Körpergröße beim Klamottenkauf im Netz zukünftig keine Sorgen mehr zu machen. Sind erstmal genug Anbieter dabei, könnte im Idealfall ein Selbstläufer draus werden.

„Die Forschungszeit ist vorbei. Wir haben ein Produkt, dass wir jetzt vertreiben müssen und zwar weltweit“, erklärt Asaf. Für eine schnelle „internationale Skalierung“ sei Risikokapital aber unumgänglich. Es sind mehr Ressourcen nötig, um das Produkt zu bewerben und entsprechende Gespräche zu führen. Bisher hat sich aber kein Risikokapitalgeber finden können. „Unser Produkt ist eben sehr komplex, viele Investoren wollen erstmal abwarten und schauen, wie wir uns weiterentwickeln“, schätzt Asaf die Lage ein.

Aktuell steht die Finanzierung des Startups auf drei Säulen. Es gibt private Einzelinvestoren. Zudem hat Upcload die einschlägigen Gründerprogramme anzapfen sowie Preisgelder gewinnen können. Und drittens verdient das Unternehmen bereits Geld – für jede Nutzung des System seitens des Users innerhalb eines Shops erhält Upcload einen kleinen Betrag. Diese Einnahmen reichen allerdings nicht, um Gewinne einzufahren.

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Eine Antwort
  1. von anti am 17.07.2013 (19:19 Uhr)

    gähnnnn

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