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Süddeutsche.de-Chef Stefan Plöchinger im Interview: „Mauern passen nicht zum Netz“

Aus dem
t3n Magazin Nr. 29

09/2012 - 11/2012

Stefan Plöchinger ist Chefredakteur von Süddeutsche.de. Der 36-Jährige war bereits in führenden Positionen bei Financial Times Deutschland und Spiegel Online tätig, bevor es ihn zurück zur Süddeutschen Zeitung zog. Im mit t3n gibt er Einblicke in seine tägliche Arbeit, outet sich als großer Fan von Datenjournalismus und erklärt, warum Zeitungs- und Verlagshäuser im Netz ihre Medienmarken stärken müssen.

Süddeutsche.de-Chef Stefan Plöchinger im Interview: „Mauern passen nicht zum Netz“

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Chefredakteur Stefan Plöchinger meint, dass Verlage und Zeitungshäuser ihre Medienmarken im Netz deutlich mehr stärken müssen.

t3n Magazin: Was muss ein Journalist heute an digitalem Handwerkszeug mitbringen, um in der von Digitalisierung geprägten Medienwelt bestehen zu können?

Stefan Plöchinger: Diese neue Umgebung fordert Journalisten dazu auf, ihr Bewusstsein für neue Entwicklungen zu sensibilisieren. Es ist ein Wesenszug eines Journalisten, dass er neugierig ist. Das muss er heute mehr denn je sein. Vor zwei Jahren galt es, sich in Twitter einzuarbeiten. Viele haben das bisher noch nicht getan – und hinken heute hinterher. In zwei Jahren ist es wahrscheinlich wieder nötig, sich in etwas Neues einarbeiten zu müssen. Das halte ich für die eine wesentliche Veränderung. Eine andere ist: Menschen rezipieren Medien anders. Auf Twitter kann ich heute mit Lesern völlig selbstverständlich kommunizieren. Die alte, journalistische Eigenart des Welterklärens funktioniert nur noch bedingt. Wenn der Leser etwas nicht versteht oder etwas anders sieht, kann er ziemlich schnell Kontakt mit uns aufnehmen. Journalisten müssen lernen, dass Leser so etwas wie Dialog- und Kommunikationspartner sind – und eben nicht nur einfache Empfänger.

t3n Magazin: Wie schaffen Sie persönlich Ordnung in der digitalen Nachrichtenflut? Welche Tools, Services und Infrastruktur nutzen Sie dafür?

Stefan Plöchinger: Ich nutze RSS-Feeds, um alle Branchennews zu scannen. Ansonsten lese ich viel auf dem iPad, vor allem die digitale Version unserer gedruckten Zeitung. Zudem besuche ich drei bis vier mal am Tag die Websites der großen deutschen Nachrichtenseiten. Das sind Süddeutsche.de, Spiegel Online, Zeit Online, manchmal noch FAZ.net, im internationalen Kontext Guardian und New York Times. Also da, wo mich die Medienmarken interessieren, konsumiere ich sie direkt, rufe die entsprechenden Websites auf. Und bei Blogs und anderen Geschichten nutze ich RSS-Reader und Twitter.Ich selbst reise zudem sehr viel und habe deshalb auch keinen festen Bürorechner mehr, sondern ein MacBook Air. Im Büro nutze ich ein Thunderbolt-Display als Dockingstation. Simpel zu bedienende, gut miteinander synchronisierende Arbeitsgeräte – namentlich iPhone, iPad und MacBook – sind immens wichtig für mich. Da macht es mir auch nichts aus, um Mitternacht noch eine E-Mail zu beantworten. Das wäre sicher anders, wenn ich dafür die ganze Zeit an einen festen Rechner sitzen müsste. E-Mails jederzeit beantworten zu können, ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Aufgaben-Infrastruktur.

t3n Magazin: Wie kann man sich denn einen klassischen Arbeitsalltag von Stefan Plöchinger vorstellen?

Stefan Plöchinger: Wenn ich nicht unterwegs bin, komme ich um 8 Uhr ins Büro – und bleibe meistens bis um 18 Uhr. Wenn ich auf Reisen bin, ist das nochmal ganz anders. Zwischendurch beantworte ich eigentlich immer E-Mails. Ich verfolge das Zero-Inbox-Prinzip, was für mich ein sehr wichtiges Organisationsprinzip ist. Ich schaue halt, dass ich immer möglichst schnell meine E-Mails abarbeite. Manchmal beantworte ich bereits beim Aufstehen morgens erste E-Mails, weil ich dann schnell meinen Posteingang prüfe. Eine klassische Aufteilung von Arbeit und Freizeit gibt es bei mir insofern nicht – außer am Wochenende. Wobei ich mir auch dann ein bis zwei Time-Slots pro Tag gebe und E-Mails beantworte.

t3n Magazin: Sie sind also 24 Stunden Online. Oder gibt es auch Tage, wo Sie das iPhone weglegen und offline sind?

Stefan Plöchinger: Ich lasse das iPhone jetzt nicht bewusst zu Hause, um mich davon lösen zu können. Ich schaue dann auch einfach mal zwei Stunden nicht drauf, das bekomme ich gut hin. Dadurch, dass Nutzer eines Smartphones die Welt immer in der Hosentasche dabei haben, sind sie stets in Versuchung, mit dieser Welt zu kommunizieren. Man muss sich dazu zwingen, nicht zu kommunizieren. Das funktioniert bei mir mittlerweile ziemlich gut.

t3n Magazin: Vor allem im angelsächsischen Raum versucht die Zeitungs- und Verlagsbranche mit Vorreitern wie dem Guardian und der New York Times ein brauchbares Geschäftsmodell für die Zukunft zu entwickeln. Welche Modelle finden Sie persönlich am spannendsten?

Stefan Plöchinger: Es sind tatsächlich Guardian und New York Times, die in dieser Hinsicht am meisten probieren und am intensivsten versuchen, mit dieser neuen Welt umzugehen. Der Guardian verfolgt den Ansatz eines offenen Journalismus, der sich dem Leser öffnet und versucht, mit Transparenz und Innovation zu punkten. Diesen Ansatz finde ich in der Tat unheimlich spannend, weil er nicht die simple Strategie verfolgt, Leser zu zwingen, für die angebotenen Inhalte zu bezahlen. Vielmehr will der Guardian erreichen, dass Leser den Wert ihrer journalistischen Arbeit erkennen und schätzen lernen, indem sie sehr offen mit den Lesern reden – und sie so von Lesern zu Fans werden und dann vielleicht bereit sind, Geld zu zahlen. Das finde ich deutlich sympathischer als die Idee einer Paywall, die Inhalte hinter Mauern sperrt – was ich für etwas sehr unjournalistisches halte. Wir wollen ja eigentlich versuchen, einen demokratischen Beitrag zu leisten – Mauern passen da nicht wirklich zu.Interessant finde ich auch das New-York-Times-Modell. Die Verantwortlichen dort haben einen Grenzwert ermittelt, der die Masse von den Fans trennt. Auf Basis dieses Grenzwerts haben sie folgendes Modell entwickelt: Die Masse an Lesern kann die Website der New York Times besuchen und alle Artikel uneingeschränkt lesen. Und die Leser, die oft auf die Website kommen und wirklich Fans der Marke sind, sollen zahlen. Diesen Ansatz finde ich aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehr klug. Ich verbaue mir nicht das große Geschäft, nutze aber aus, dass Leute gerne für die Nutzung zahlen würden.

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4 Antworten
  1. von Chefpraktikant am 02.09.2012 (20:56 Uhr)

    Peinlich, ausgerechnet in einem Artikel über die Süddeutsche gleich drei sz-Fehler (dass/das) zu finden. Ändert zwar nichts am interressanten Inhalt, ist aber einfach unprofessioneller Journalismus.

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  2. von Jan Christe am 27.01.2013 (22:31 Uhr)

    @Chefpraktikant Danke für den Hinweis. Die Fehler sind korrigiert.

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  3. von Luczi Knox am 29.01.2013 (14:37 Uhr)

    Alles nicht ohne Hand und Fuß soweit, bis auf den platten Apple-Werbeblock im 4. Absatz:
    WIR waren schon 'mobil', als Hr. Plöchinger noch seine [Markenname]Superabsorbers getorturetestet hat, und Apple ... who?

    Aber - Chuzpe! - wie er da stolz seine Prinzenrolle in die Kamera hält, wo man uns 50plusses jede Lachfalte im Gesicht per Abmahnung dokumentiert.
    Öfter um den Block laufen hält länger 'hip' ...

    Artikel wertig, ungeachtet dessen.
    :)

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  4. von Daniel am 29.01.2013 (19:29 Uhr)

    "Mauern passen nicht zum Netz" - und gleichzeitig Apple bejubeln, die durch Zensur und Patent-Terror genau diese Mauern schaffen. Wenn's nicht so traurig wäre könnte man fast drüber lachen.

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