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HipChat vs. Slack: Der Kampf um die Team-Kommunikation der Zukunft hat begonnen

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t3n Magazin Nr. 38

12/2014 - 02/2015

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HipChat vs. Slack: Der Kampf um die Team-Kommunikation der Zukunft hat begonnen

(Grafik: t3n)

und präsentieren sich als moderne Chat-Dienste für Unternehmen. So sind sie einerseits eine Alternative zu klassischen Enterprise-Lösungen aus der PC-Ära, andererseits zu Consumer-Produkten wie oder . Ihr Ziel: die Zusammenarbeit und Kommunikation im Team neu definieren.

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Unternehmen zum Ziel gesetzt, ihre Business-Kommunikation zu verbessern. Dabei verfolgen sie unterschiedliche Ansätze: Task-Management-Tools mit Fokus auf Kommunikation wie Asana und Producteev werden nicht nur bei KMUs, sondern auch im Enterprise-Sektor immer beliebter. Solche Anwendungen konkurrieren mit sozialen Netzwerken für Unternehmen wie Yammer und Chatter.

Anwender schätzen dabei vor allem die Möglichkeit, flexibel miteinander kommunizieren zu können, ohne auf eine inhaltliche Struktur verzichten zu müssen, die ihnen später bei der Suche nach Konversationen und Dokumenten hilft. Neben den ganzheitlichen All-In-One-Lösungen für effektive, oft abteilungsübergreifende Business-Collaboration, sind eine Reihe schlanker Chat-Tools unter Business-Teams ebenfalls stark im Kommen. Hierzu zählen neben Klassikern wie  Campfire von 37Signals auch zunehmend Newcomer wie Hall, Kato, Huddle und allen voran HipChat und Slack.

Der professionelle Chat-Markt steht noch ganz am Anfang

Im Privatleben haben wir uns an eine schnelle und einfache Kommunikation sowie einen reibungslosen Austausch von Informationen und Dokumenten aller Art längst gewöhnt. Umso stärker frustriert sind wir, wenn es bei der Arbeit immer so kompliziert ist. Viele Unternehmen verwenden immer noch Legacy-Systeme, die für die zunehmend flexible und mobile Arbeitswelt von heute nicht geeignet sind. Wer in der Firma Skype, iMessage, Whatsapp und Co. einsetzen darf, kann sich im Vergleich zu den Kollegen, die mit Lotus Notes und ähnlichen Systemen aus der PC-Ära arbeiten müssen, glücklich schätzen. Doch solche Consumer-Produkte sind keine optimale Lösung für Unternehmen – im Gegenteil.

Vor diesem Hintergrund steigt der Bedarf an modernen Kommunikationsdiensten wie HipChat und Slack. „Traditionelle Collaboration-Lösungen sind über die Jahre immer komplexer geworden. Häufig hat die IT-Abteilung sie ausgewählt, ohne auf die Wünsche und Bedürfnisse der Anwender einzugehen. Deshalb sind sie oft an der mangelnden Akzeptanz der Nutzer gescheitert,” berichtet Bernardo de Albergaria, General Manager Collaboration beim HipChat-Anbieter Atlassian.

Die 2002 in Sydney gegründete Softwareschmiede hat sich mit anspruchsvollen Collaboration-Tools für Entwickler in der Branche einen Namen gemacht – der Marktwert des Unternehmens liegt derzeit bei schätzungsweise rund 3,3 Milliarden US-Dollar. Vor rund zwei Jahren hat Atlassian das kalifornische Startup übernommen, das HipChat entwickelte. Mit dieser schon damals vielversprechenden Lösung adressiert Atlassian nun nach eigenen Angaben Millionen von Business-Teams, die immer noch mit Legacy-Systemen oder Consumer-Produkten arbeiten.

HipChat bietet Unternehmen neben privaten und öffentlichen Chat-Räumen File-Sharing, Sprach- und Videoanrufe sowie Screensharing. (Screenshot: HipChat)
HipChat bietet Unternehmen neben privaten und öffentlichen Chat-Räumen File-Sharing, Sprach- und Videoanrufe sowie Screensharing. (Screenshot: HipChat)

HipChat: IRC für Nicht-Nerds

HipChat präsentiert sich als ein moderner Chat-Service, der auf dem Konzept des klassischen Chat-Systems IRC (Internet Relay Chat) aufbaut, das unter Entwicklern als Defacto-Standard für Echtzeitkommunikation galt. Die Anwendung ist jedoch so einfach und intuitiv in der Bedienung, dass man kein Nerd sein muss, um sie nutzen zu können. So kommt HipChat nach Aussagen von Albergaria längst nicht nur in Software-Teams, sondern auch in Firmen jeder Größe und Branche zum Einsatz – von kleinen Redaktionen über mittelständische E-Commerce-Anbieter bis hin zu multinationalen Pharmakonzernen.

Das Tool bietet einen einfachen Weg, sich mit beliebig vielen Kollegen in Chat-Räumen auszutauschen und Dateien miteinander zu teilen. Sämtliche Konversationen speichert das Tool persistent, so dass man sie jederzeit durchsuchen kann. Solche virtuellen Arbeitsräume eignen sich zum Bespiel für einzelne Projekte, Teams oder ganze Abteilungen. Dabei können Anwender kontrollieren, wer an welchen Diskussionen teilnimmt. Neben privaten und öffentlichen Chat-Räumen bietet HipChat auch 1-zu-1-Text-Chats, Sprach- und Videoanrufe sowie Screen-Sharing.

Slack: Konkurrenz zur E-Mail

Derlei multimediale Kommunikations-Tools sucht man bei Slack vergeblich. Der erst im Februar dieses Jahres gelaunchte Dienst fokussiert sich auf Text-Chats. „Der Hauptkonkurrent von Slack ist die berufliche E-Mail“, bringt es James Sherrett, Director of Accounts bei Slack, auf den Punkt.

„Der Hauptkonkurrent von Slack ist die berufliche E-Mail“, sagt James Sherrett, Director of Accounts bei Slack.
„Der Hauptkonkurrent von Slack ist die berufliche E-Mail“, sagt James Sherrett, Director of Accounts bei Slack.

Flickr-Mitgründer Stewart Butterfield hat das dahinter stehende Startup in San Francisco gestartet und bereits stolze 180 Millionen US-Dollar Risikokapital von Top-Investoren wie Andreessen Horowitz, Google Ventures und Accel Partners eingesammelt. Binnen kürzester Zeit hat Slack sich als ernstzunehmende HipChat-Alternative im umkämpften Messenger-Markt positioniert. Die Entwicklung des jungen Startups ist selbst für Silicon-Valley-Verhältnisse erstaunlich: Seit seinem Launch im Februar 2014 hat das Tool mehr als 30.000 Teams und fast 270.000 Nutzer insgesamt für sich gewonnen. Mit einer Wachstumsrate von drei bis fünf Prozent pro Woche bezeichnet Slack sich als das „am schnellsten wachsende SaaS-Startup aller Zeiten“.

HipChat versus Slack: Der Kampf der Vorreiter in der Team-Kommunikation

Was die Kernfunktionalität angeht, gibt es zwischen beiden Kontrahenten kaum Unterschiede. Sowohl bei HipChat als auch bei Slack steht eine offene, reibungslose und partizipative Chat-Kommunikation mit dem ganzen Team im Vordergrund. Öffentliche Diskussionen lassen sich bei Slack in Channels gruppieren, die sich mittels Hashtag identifizieren lassen und für jeden Mitarbeiter zugänglich sind. Diese sollten etwas mehr Flexibilität bieten als die öffentlichen Chat-Räume von HipChat und in erster Linie dazu dienen, die Transparenz im Team zu erhöhen und den Wissensaustausch zu fördern.

Slack wartet mit einem modernen User-Interface auf, das mit viel Liebe zum Detail umgesetzt ist und mit vielen nützlichen Extras punkten kann. (Screenshot: Slack)
Slack wartet mit einem modernen User-Interface auf, das mit viel Liebe zum Detail umgesetzt ist und mit vielen nützlichen Extras punkten kann. (Screenshot: Slack)

Auch die Plattformunabhängigkeit schreiben beide Dienste groß: Sie sind für Web, Desktop und Mobile erhältlich. HipChat bietet native Clients für Windows, Mac und Linux, Slack ist hingegen auf dem Desktop bis jetzt nur für Mac OS X erhältlich. Dieser Mac-Client ist allerdings keine native App, wie bei HipChat, sondern eine Webbasierte App, die das Look-and-Feel der Web-Version hat. Mobile schenken sich beide Anbieter dagegen nichts: Beide Tools gibt es für iOS und Android. Und beide überzeugen in puncto Usability und Interface-Design gleichermaßen.

File-Sharing einfach gemacht

„HipChat dient als zentrale Kommunikationsdrehscheibe für jedes Business-Team, da es alle Mitarbeiter und Tools der täglichen Arbeit Geräte-unabhängig verbindet“, sagt Bernardo de Albergaria, General Manager Collaboration von Atlassian.
„HipChat dient als zentrale Kommunikationsdrehscheibe für jedes Business-Team, da es alle Mitarbeiter und Tools der täglichen Arbeit Geräte-unabhängig verbindet“, sagt Bernardo de Albergaria, General Manager Collaboration von Atlassian.

Einfaches und intuitives File-Sharing spielt bei der effizienten Zusammenarbeit eine zentrale Rolle. Dementsprechend bieten beide Lösungen Werkzeuge an, mit denen dies reibungslos klappen sollte. Dokumente lassen sich intuitiv perDrag-and-Drop in das jeweilige System hochladen und mit anderen Nutzern schnell und einfach teilen. Dateien synchronisieren die Tools automatisch in der Cloud und stellen sie umgehend auf allen Geräten zur Verfügung.

Beide Anwendungen unterstützen zudem die Inline-Anzeige von Dokumenten und Bildern in den Chat-Diskussionen. Dadurch lassen sich die Dateien leichter kommentieren und vom Team besprechen. In diesem Bereich kann Slack allerdings mit zwei netten Funktionen punkten, die vor allem bei Entwicklern und Designern gut ankommen dürften: Snippets und Posts. Bei den Snippets kann es sich beispielsweise um Log-Files oder Code-Schnipsel handeln. Mit Hilfe der Post-Funktion können Anwender ihre Texte besser formatieren als bei üblichen Chats möglich ist.

Suchen und Organisieren

Eine mächtige Suchfunktion ist ebenfalls für die Effizienz der Zusammenarbeit entscheidend. Hier kann Slack mit einer Reihe weiterführender Features punkten, die HipChat nicht in petto hat. Slack indiziert nämlich nicht nur alle Chat-Nachrichten für die Suche, sondern auch die Inhalte von Dokumenten (etwa Word- oder PDF-Dokumente), die Nutzer hochgeladen oder über integrierte Cloud-Storage-Dienste wie Dropbox und Google Drive importiert haben. Ebenfalls praktisch: Mit einfachen Suchoperatoren wie „from“ oder „in“ kann man bei Slack leicht nach Nutzern, Diensten und weiteren Kriterien filtern.

Die zahlreichen Integrationsmöglichkeiten sind ebenfalls eines der zentralen Argumente beider Lösungen: Alle Notifications, die die vom Team eingesetzten Tools versenden, zeigen Slack und HipChat in vordefinierten Chat-Räumen an. Damit finden alle geschäftsrelevanten Diskussionen – wie offene Aufgaben, Dokumente, Bugs, Code-Commits, Support-Tickets und vieles mehr – an einem zentralen Ort statt. Zu den Online-Diensten, die die Apps unterstützen, zählen zum Beispiel Projekt- und Task-Management-Lösungen wie Basecamp und Trello, Help-Desk-Tools wie Zendesk und Help Scout sowie Cloud-Storage-Dienste wie Dropbox und Google Drive.

Freemium macht viral

Beide Unternehmen verfolgen beim Pricing eine aggressive Freemium-Strategie, die auf maximale Viralität abzielt und oft als „Free Forever“ vermarktet wird. Die wichtigsten Features sind für alle Nutzer auf unbegrenzte Zeit kostenlos. Dabei bietet die Gratis-Version von HipChat die grundlegenden Chat-Features ohne Einschränkungen. Wer auf Videokonferenzen und Screen-Sharing nicht verzichten möchte, muss zwei US-Dollar pro User und Monat auf den Tisch legen.

Die kostenlose Slack-Version können Teams beliebiger Größe ebenfalls ausgiebig nutzen. Einschränkungen gibt es hier bei der Anzahl der Integrationen (maximal fünf) und der Nachrichten, die die Gratis-Nutzer archivieren und durchsuchen können (maximal 10.000 Nachrichten). In beiden Fällen ist der Speicherplatz bei den kostenlosen Versionen auf fünf Gigabyte beschränkt. Wer sich für die uneingeschränkte Slack-Version entscheidet, zahlt ab rund sieben US-Dollar pro Nutzer und Monat.

HipChat und Slack gibt es als Mobile App jeweils für iOS und Android mit gleichermaßen überzeugender Usability und Interface-Design. (Screenshot: HipChat/Slack )
HipChat und Slack gibt es als Mobile App jeweils für iOS und Android mit gleichermaßen überzeugender Usability und Interface-Design. (Screenshot: HipChat/Slack )

Fazit

Die Gemeinsamkeiten von HipChat und Slack sind größer als ihre Unterschiede. Zudem sind die Unternehmen für einen starken Produktfokus bekannt, der sich in den tollen Apps und in der hohen Software-Qualität beider Dienste widerspiegelt. Dies in Kombination mit den aggressiven Preisstrategien sorgt für ein virales Wachstum, das man bei Business-Lösungen eher selten sieht.

Wer seine unternehmensinterne Chat-Kommunikation nicht auf fremde Cloud-Server auslagern will, der sollte nach lokal installierbaren Lösungen Ausschau halten. HipChat bietet in einer öffentlichen Beta genau das an. Auch andere Lösungen wie etwa Protonet Soul, das Betriebssystem des entsprechenden Serverprodukts, warten mit entsprechenden Chat-Funktionen auf. In der kommenden Ausgabe präsentieren wir euch deshalb die besten Cloud-Alternativen für interne Chat- und Kollaborationsdienste.

Hinweis: Gerade bei Slack hat sich in letzter Zeit einiges bewegt. So soll der Chat-Dienst um Screen-Sharing und Voice-Chats erweitert werden. In diesem Artikel von t3n-Redakteur Kim Rixecker findet ihr alle Informationen zum Thema.

Vergleichstabelle Slack vs. HipChat

Mit einem Klick auf den unten stehenden Ausschnitt öffnet ihr die komplette Übersichtstabelle. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um einen Artikel und eine Tabelle aus dem t3n Magazin Nr. 38. Die Daten können sich daher inzwischen geändert haben.

team-kommunikation tabelle teaser

 

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8 Antworten
  1. von Jens am 05.02.2015 (13:10 Uhr)

    Und Microsoft Lync und Jabber stehen in der Ecke und sabbern

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  2. von Nikolai am 05.02.2015 (16:08 Uhr)

    Alles Kinderkram. Echte Kerle nutzen Bitrix24 :-)

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  3. von Ben am 05.02.2015 (18:45 Uhr)

    Hat niemand damit Probleme sein ganze Firmenkommunikation über deren Server laufen zu lassen? Gibt es keine brauchbaren Tools, die man sich einfach auf dem eigenem Server installieren kann?

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  4. von martin1966 am 17.07.2016 (14:17 Uhr)

    Falls hier noch jemand vorbei kommt und auch nach einer Lösung sucht, die Lösung: einfach den Fachhandel ansprechen wir haben alle Arten von Collaborations Lösungen im Lieferprogramm aller namhaften Hersteller, Beratung inklusive. Eine Lösung könnte der eigene kleine Server mit Chat und Collaborations Funktionen sein, inkl. Webinare, Schulungen, Videokonferenz und Telepresence Funktionalitäten (nach webinar365 suchen). Wir sind für unsere Kunden da.

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