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Warum wir uns vor den Maschinen der Zukunft nicht fürchten müssen

Aus dem
t3n Magazin Nr. 28

06/2012 - 08/2012

Kaum ein Mensch möchte heutzutage noch ohne Maschinen, Computer, Roboter und das Internet leben. Technologie hat in nahezu alle Lebensbereiche Einzug gehalten und wird immer intelligenter. In naher Zukunft schon könnten uns die Maschinen in Punkto Intelligenz, Kreativität und Leistungsfähigkeit übertrumpfen. Das birgt unglaubliche Chancen für die Menschheit – aber auch Risiken.

Warum wir uns vor den Maschinen der Zukunft nicht fürchten müssen

Unsere Gesellschaft würde ohne Maschinen, Computer, Roboter und das Internet zusammenbrechen. Wollte schon vor Jahrzehnten keiner mehr auf Digitaluhren, Taschenrechner oder Computer verzichten, sind wir heutzutage ohne sie nahezu aufgeschmissen. Und die Entwicklung geht rasant weiter.

Wissenschaftler und Science-Fiction-Experten verkünden bereits: Die Menschheit nähere sich der technologischen Singularität – dem Punkt also, ab dem Maschinen dem Menschen überlegen sind, und zwar in den Bereichen Intelligenz, Kreativität und Leistungsfähigkeit.

Auch wenn Singularität im Wortsinn nur Einzigartigkeit bedeuted, wird der Begriff keinesfalls neutral verwendet. Die Angst vor der Dominanz der Maschinen gibt es seit der frühen Industrialisierung. Schon Ende der 1950er warnte der Mathematiker Stanislaw Ulam vor einer Veränderung der Menschheit durch die Technik. 1993 veröffentlichte der US-amerikanische Mathematiker und Computerexperte Vernon Vinge einen Essay, in dem er proklamierte: „Innerhalb von dreißig Jahren wird es die Technologie geben, übermenschliche Intelligenz zu kreieren. Kurz darauf wird die Menschheit am Ende sein.“

Vinge nennt vier Wege, in denen sich diese Singularität ausdrücken werde: intelligente Computer, die nach seinen Worten „wach“ sein werden, also über eine Art Bewusstsein verfügen; Netzwerke, in denen diese Computer miteinander agieren; Mensch-Maschine-Interfaces sowie biologisch erzeugte, übermenschliche Systeme.

Chance oder Bedrohung für die Menschheit?

Ray Kurzweil
Singularitäts-Vordenker Ray Kurzweil.

Mit jeder Maschine, die uns Arbeit abnimmt, wächst nicht nur unsere Freiheit, sondern auch unsere Abhängigkeit. Die Entwicklung folgt einer einfachen Logik: Arbeit wird, sobald es möglich ist, von Maschinen übernommen.

Als Henry Ford Anfang des 20. Jahrhunderts das Fließband in seinen Autofabriken einführte, waren es noch Menschen, die Millionen Autos konstruierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen das immer mehr Maschinen. Heute haben Roboter an vielen Stellen menschliche Arbeiter verdrängt.

Lutz Prechelt, Professor für Mathematik und Informatik an der Freien Universität Berlin, sieht den Anfang dieser Entwicklung sogar viel früher. „Als im 19. Jahrhundert mechanische Webstühle eingeführt wurden, gab es massenhaft Proteste gegen diese Technik, die Menschen arbeitslos machte.“ Ab den 1810er Jahren kam es immer wieder zu so genannten Maschinenstürmen, bei denen Arbeiter mechanische Produktionsketten zerstörten. „Tatsächlich wurden durch diese erste industrielle Automation viele Menschen arbeitslos“, erklärt Lutz Prechelt. „Mittelfristig gesehen war es jedoch eine sinnvolle Entwicklung.“ Die automatische Massenproduktion machte die Produkte günstiger.

Technologischer Fortschritt ist unaufhaltsam. Ein Versuch, ihn zu stoppen, ist zwecklos. Raymond Kurzweil, berühmtester Prophet der technologischen Singularität [1], sah das ähnlich. Schon in den 1990er Jahren skizzierte er sehr genau, welchen Einfluss der technologische Fortschritt in der Zukunft haben wird – immer auf der Grundlage der Machbarkeit.

Als Fundament seines Denkens zieht er das Mooresche Gesetz heran, wonach die Leistungsfähigkeit von Transistoren und Rechnern exponentiell wächst. So hat Kurzweil sogar ein Datum gesetzt, ab dem es möglich sein wird, das menschliche Hirn in einem Rechner zu simulieren: 2029 soll demnach der erste Computer genauso leistungsfähig sein wie ein menschliches Hirn – der Mensch hätte damit künstliche Intelligenz erschaffen.

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