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Tipps zu Inkasso-Verfahren im E-Commerce: Zahlungsausfälle minimieren

    Tipps zu Inkasso-Verfahren im E-Commerce: Zahlungsausfälle minimieren

(Bild: David W / Photocase)

Zahlungsausfälle sind für Onlinehändler ein Ärgernis. Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt? Shop-Betreiber sollten die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Inkasso- und Factoring-Verfahren kennen.

Es gibt gute Nachrichten: Seit fünf Jahren sinkt in Deutschland die Zahl der Verbraucherinsolvenzen. Im ersten Halbjahr 2015 setzte sich diese Entwicklung fort. Die Creditreform Wirtschaftsforschung registrierte in der ersten Hälfte des letzten Jahres 40.200 insolvente Verbraucher – fast 4000 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Auch der Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen e. V. (BDIU) stellte anhand einer Umfrage fest, dass sich die Zahlungsmoral weiter verbessert hat. Der Grund ist die gute Konjunktur. Man registrierte immer weniger Insolvenzen von Firmen und Verbrauchern. Die Branche verzeichnete 2015 einen Rückgang von mindestens fünf Prozent.

Bis Ende 2015 prognostizierte der BDIU rund 22.500 Verfahren (2014 waren es 24.085) und der Kreditversicherer Euler Hermes schätzt, dass die Insolvenzen in Deutschland 2016 noch einmal um zwei Prozent sinken. Für Onlinehändler bleiben Zahlungsausfälle vorerst trotzdem ein ernstzunehmendes Problem.

Was tun bei Zahlungsausfällen?

Erst wenn ein Shop-Betreiber trotz Mahnungen kein Geld erhält, sollte die Angelegenheit an einen Rechtsanwalt gehen. So können Händler mit ihrem Kunden erst einmal eine Lösung suchen und verprellen ihn nicht. Da Kunden ihre Rechnungen sehr häufig dann nicht bezahlen, wenn sie von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sind Ratenvereinbarungen meist eine gute Möglichkeit. Wichtig ist dabei die Sechs-Monats-Grenze: Nach dieser Frist sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde noch zahlt, rapide.Der zweite Weg führt über ein Inkassobüro, das heißt ein Dienstleister bemüht sich um die Begleichung der Rechnung. Doch wie erkennt man dabei einen seriösen Dienstleister? Grundsätzlich sollte dieser im Rechtsdienstleistungsregister aufgeführt sein – denn amtlich zugelassene Inkassodienstleister brauchen vom zuständigen Gericht eine entsprechende Genehmigung, um ihre Dienste anbieten zu können. Auch die Mitgliedschaft im BDIU ist eine Art Gütesiegel: Verbandsmitglieder müssen geordnete wirtschaftliche Verhältnisse sowie umfangreiche theoretische und praktische Rechtskenntnisse nachweisen.

Das Risiko berechnen

Wer Zahlungsausfälle gar nicht erst in Kauf nehmen will, darf nur die vermeintlich sicheren Bezahlmethoden wie Nachnahme, Vorkasse, Kreditkarte oder Paypal anbieten. Doch in Deutschland ist der Kauf per Lastschrift oder auf Rechnung sehr beliebt. Das heißt, es kann einen Shop Kunden kosten, wenn er diese Optionen nicht anbietet.

Somit stellt sich die Frage, ob eine Bonitätsprüfung der Kunden sinnvoll ist. Dies lässt sich genau durchrechnen: Angenommen, 95 Prozent der Kunden zahlen brav und pünktlich, doch bei 5 Prozent kommt es im Schnitt zu Zahlungsausfällen. Da eine Bonitätsprüfung 40 Cent bis 1,35 Euro pro Bestellung kostet, lässt sich leicht errechnen, wie hoch die Kosten sind, würde man jeden Kunden prüfen. Nur wenn dieser Betrag unter dem des Forderungsausfalles liegt, lohnt sich die Prüfung wirklich.

Wer beispielsweise Software, Streaming-Services oder andere virtuelle Dienste vertreibt, hat niedrige Investitionskosten in Waren und in der Regel eine hohe Marge. „Er ist daher gut beraten, Kauf auf Rechnung anzubieten und im Falle eines Falles ein Inkassoverfahren einzuleiten“, meint Frank Dietel, Vorstand der Inkasso 24 AG.

Offen ist dabei jedoch, wie viel Geld ein Shop-Betreiber via Inkasso tatsächlich zurück bekommt – wie hoch also die so genannte Rückflussquote ist, ein gut gehütetes Geheimnis der Inkassoanbieter. „Im Versandhandel liegt sie bei unter 50 Prozent. Sie können sogar von Glück reden, wenn Sie 30 Prozent zurückbekommen“, sagt ein Brancheninsider gegenüber t3n. Es kann sich also lohnen, seine offenen Forderungen an zwei oder drei Inkassodienstleister zu geben und die Performance zu vergleichen.

Wie hoch sind eigentlich die Erfolgsquoten von Inkassoanbietern? Nicht alle Dienstleister legen das wie Inkasso 24 offen. Eine Beurteilung des Partners kann daher gegebenenfalls erst nach einiger Zeit erfolgen. (Bild: Inkasso 24 AG)

Links und Literatur

  1. Die Zahlungsmoral in Deutschland 2015

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1 Reaktionen
Florian.Kappert
Florian.Kappert

Gute Übersicht im Allgemeinen. Ich finde lediglich die Übersicht der Inkasso-Unternehmen am Ende irreführend. Mir fallen spontan 20+ Inkasso-Unternehmen ein, die sehr wohl auch für Händler arbeiten... die Übersicht würde ich mir deutlich ausführlicher wünschen.

Aus der Praxis kann ich sagen, dass viele Händler das Scoring für den KaR selbst machen. Als Scoring-Faktoren werden gerne Kombinationen aus z.B. folgenden Möglichkeiten genommen:
- Anzahl der Käufe
- Anzahl Käufe in Zeitraum x
- Umsatz
- Umsatz in Zeitraum x
- Bestellwert
- Retourenquote
- Durchschnittlicher Bestellwert
- Anzahl an Lieferadressen
- natürlich demografische Angaben falls man daraus etwas ableiten kann
- wenn möglich dann Kennzahlen wie DSO (Zeit zur Zahlung)

Darüber lassen sich in allen guten, gängigen Shop-Lösungen eigene Kriterien bauen die, je nach Anwendungsfall, ein externes Scoring in weniger Fällen wichtig macht.

Grundsätzlich macht es sicherlich auch Sinn darüber nachzudenken ob man ein eigenes Scoring mit einem automatischen Mahnwesen und Inkasso-Schnittstelle einsetzt. Das ist dann hilfreich wenn die Margen des Händlers so klein sind, dass sich ein Scoring ggf. nicht lohnt. Dienstleister wie Bilendo (ja ja, Werbung... schon gut, ich bin einer der Gründer) übernehmen für Händler dann den gesamten Prozess nach Rechnungsstellung. Das funktioniert natürlich auch mit vorgeschaltetem Scoring - kommt einfach auf den Dienstleister an. Hinten raus, also wenn das Mahnwesen im Einzelfall nichts eingebracht hat, können Händler ein Inkasso-Unternehmen als Partner einschalten und die Forderungen per 1-click oder voll-automatisch weitergeben.

Wer hier meiner Argumentation weiter folgen möchte gerne meinen Artikel zum Thema Mahnwesen & Inkasso lesen:
https://www.bilendo.de/blog/warum-es-sinn-macht-erst-bilendo-zu-nutzen-und-spater-einen-inkasso-dienstleister-einzuschalten

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