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Tipps zu Inkasso-Verfahren im E-Commerce: Zahlungsausfälle minimieren

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Die vier Inkasso-Optionen

Muss eine Forderung trotz aller Bemühungen zu einem Inkassodienstleister, gibt es vier Möglichkeiten: Die erste ist ein Treuhand-Inkasso, das als Dienstleister im Namen des Shop-Betreibers die Forderungen einzieht. Die zweite ist das Factoring. Hier wechselt rechtlich gesehen der Gläubiger, das bedeutet der Kunde muss an ein anderes Unternehmen zahlen – nämlich an den Factoring-Dienstleister. Als dritte Möglichkeit lässt sich mit einem Inkassobüro eine Zahlungsgarantie vereinbaren, was defacto einem Factoring mit verlängertem Zahlungsziel gleichkommt.

Die vierte und letzte Option besteht darin, ausgebuchte Forderungen zu verkaufen. Dabei muss der Onlinehändler einen Abschlag von mindestens 50 Prozent in Kauf nehmen. Alle Inkasso-Optionen haben neben den Vorteilen auch ihre Haken. „Wer vor der Wahl einer dieser Optionen steht, sollte sich beraten lassen“, meint daher Frank Dietel.

Eine Untersuchung des Beratungs- und Forschungsinstituts ibi research zeigt, wie Onlinehändler in Deutschland auf Zahlungsausfälle reagieren. Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. (Bild: ibi research)

Treuhand-Inkasso

Seit dem 1. November 2014 müssen Inkassounternehmen dem Schuldner klar und verständlich den Namen oder die Firma des Auftraggebers sowie den Forderungsgrund, bei Verträgen den Vertragsgegenstand und das Datum des Vertragsschlusses mitteilen. Ob die Hauptforderung überhaupt berechtigt ist, wird laut Tatjana Halm, Rechtsreferentin bei der Verbraucherzentrale Bayern, während des Inkassoverfahrens allerdings nicht überprüft. Es reicht, dass der Kunde in Zahlungsverzug ist.

 

In Verzug ist jeder Kunde, der eine Rechnung mit festgelegtem Zahlungsdatum (zum Beispiel Zahlung bis Freitag, den 13.07.2012) oder mit errechenbarem Zahlungsdatum (beispielsweise Zahlung innerhalb von 14 Tagen nach Rechnungserhalt) nicht zahlt. Eine gesonderte Mahnung ist dann nicht erforderlich. Wenn der Kunde dem Vollstreckungsbescheid des Inkassobüros nicht innerhalb von zwei Wochen widerspricht, ist dieser sogenannte Titel 30 Jahre lang gültig. Zudem werden Inkassokosten fällig.

Derartige Kosten können das Verhältnis zwischen Händler und Kunden belasten, denn viele Verbraucher ärgern sich über Inkassokosten. Beim Berechnen der Gebühren müssen sich Inkassobüros an der Rechtsanwaltsgebührentabelle orientieren. Bis 500 Euro Rechnungssumme dürfen Inkassodienstleister gemäß dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) maximal 45 Euro Gebühr abrechnen. Doch zu den Gebühren kommen noch weitere Inkassokosten – und um die zu produzieren, hat sich die Inkassoindustrie in den vergangenen Jahren mitunter sehr erfinderisch gezeigt. Es gibt nicht nur Einigungsgebühren, sondern auch Kontoführungsgebühren, Bearbeitungsgebühren – wenn der Schuldner mehr zahlt als vereinbart war – oder Reaktivierungsgebühren für Vorgänge, die längere Zeit geruht haben.

All diese Posten können die Inkassofirmen nur in Rechnung stellen, solange die ursprüngliche Forderung noch besteht. So wenden sie gerne die umgekehrte Verrechnungsreihenfolge an: Der Händler erhält zunächst seine Hauptforderung und den Verzugsschaden, danach behält das Inkassobüro seine Inkassokosten und aufgelaufenen Zinsen ein. Dem Kunden gegenüber berechnet das Inkassobüro jedoch nach Paragraf 367 Absatz I BGB zuerst die Kosten für das Inkasso, dann die Zinsen für den Zahlungsverzug und erst zum Schluss den eigentlichen Rechnungsbetrag. Für den Kunden bedeutet das, dass erst einmal lange Zeit Zinsen für die noch offene Rechnung auflaufen, weil er ja erst die Inkassokosten und Zinsen bedienen muss. Über diese Zinsen finanziert sich Inkasso.

Viele Kunden klagen gegen die als zu hoch empfundenen Inkassokosten. „Ob ein Kunde diese tatsächlich bezahlen muss, lässt sich nicht pauschal sagen“, so Martin Rätze, 
Experte für E-Commerce-Recht bei Trusted Shops. Das sei eine Frage des konkreten Einzelfalls. „Zunächst ist etwa zu prüfen, ob sich der Schuldner überhaupt im Zahlungsverzug befindet, denn nur dann kann ein Verzugsschaden überhaupt geltend gemacht werden, zu dem auch Inkassogebühren zählen“, erklärt er. Die Höhe der Kosten ist gesetzlich gedeckelt, weil es zuvor viele unseriöse Inkassodienstleister gab, die völlig überzogene Gebühren verlangten.

Links und Literatur

  1. Die Zahlungsmoral in Deutschland 2015

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1 Reaktionen
Florian.Kappert
Florian.Kappert

Gute Übersicht im Allgemeinen. Ich finde lediglich die Übersicht der Inkasso-Unternehmen am Ende irreführend. Mir fallen spontan 20+ Inkasso-Unternehmen ein, die sehr wohl auch für Händler arbeiten... die Übersicht würde ich mir deutlich ausführlicher wünschen.

Aus der Praxis kann ich sagen, dass viele Händler das Scoring für den KaR selbst machen. Als Scoring-Faktoren werden gerne Kombinationen aus z.B. folgenden Möglichkeiten genommen:
- Anzahl der Käufe
- Anzahl Käufe in Zeitraum x
- Umsatz
- Umsatz in Zeitraum x
- Bestellwert
- Retourenquote
- Durchschnittlicher Bestellwert
- Anzahl an Lieferadressen
- natürlich demografische Angaben falls man daraus etwas ableiten kann
- wenn möglich dann Kennzahlen wie DSO (Zeit zur Zahlung)

Darüber lassen sich in allen guten, gängigen Shop-Lösungen eigene Kriterien bauen die, je nach Anwendungsfall, ein externes Scoring in weniger Fällen wichtig macht.

Grundsätzlich macht es sicherlich auch Sinn darüber nachzudenken ob man ein eigenes Scoring mit einem automatischen Mahnwesen und Inkasso-Schnittstelle einsetzt. Das ist dann hilfreich wenn die Margen des Händlers so klein sind, dass sich ein Scoring ggf. nicht lohnt. Dienstleister wie Bilendo (ja ja, Werbung... schon gut, ich bin einer der Gründer) übernehmen für Händler dann den gesamten Prozess nach Rechnungsstellung. Das funktioniert natürlich auch mit vorgeschaltetem Scoring - kommt einfach auf den Dienstleister an. Hinten raus, also wenn das Mahnwesen im Einzelfall nichts eingebracht hat, können Händler ein Inkasso-Unternehmen als Partner einschalten und die Forderungen per 1-click oder voll-automatisch weitergeben.

Wer hier meiner Argumentation weiter folgen möchte gerne meinen Artikel zum Thema Mahnwesen & Inkasso lesen:
https://www.bilendo.de/blog/warum-es-sinn-macht-erst-bilendo-zu-nutzen-und-spater-einen-inkasso-dienstleister-einzuschalten

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