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TYPO3 im kommunalen Einsatz

Aus dem
t3n Magazin Nr. 4

06/2006 - 08/2006

Die Darstellung einer kommunalen Verwaltung lässt sich leicht mit einer ABC-Liste realisieren.

In Zeiten ständig wachsender IT-Infrastrukturen und gleichzeitig schrumpfender Budgets stehen Städte, Kreise und Gemeinden vor der schwierigen Aufgabe, ihren Bürgern zeitgemäße Dienstleistungen anzubieten. Zwei Stichworte fallen in diesem Zusammenhang schon seit einiger Zeit: Verwaltungsstrukturreform und E-Government.

Verwaltungsstrukturreform und E-Government, die beiden Begriffe liegen gar nicht so weit auseinander, wie man zunächst denken könnte. In Zeiten, in denen nicht mehr in jedem Ort und in jeder Gemeinde alle kommunalen Dienstleistungen physikalisch zur Verfügung stehen, müssen andere Wege eingeschlagen werden. Schließlich besteht weiterhin die Notwendigkeit, die Daseinsvorsorge der Bürger aufrechtzuerhalten. Hier bietet sich geradezu die Installation von Bürgerinformationsdiensten auf den kommunalen Webseiten an. Um den Pflegeaufwand im erträglichen Rahmen zu halten, setzen kommunale Webseitenbetreiber seit einigen Jahren vermehrt auf Content-Management-Systeme.

eignet sich aus vielerlei Gründen ganz besonders dazu, die diversen kommunalen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Zum einen stehen heute nahezu alle Kommunen finanziell mit dem Rücken zur Wand - hier kommt ihnen das kostenfreie Lizenzmodell von TYPO3 entgegen, welches der GPL unterliegt. Darüber hinaus bietet TYPO3 Unabhängigkeit wie kaum ein anderes CMS, denn wer TYPO3 einsetzt, ist nicht von einem speziellen Anbieter abhängig. Zum anderen bietet TYPO3 ein großes Maß an Sicherheit und Stabilität. Nicht zuletzt sorgt die beständige Weiterentwicklung dafür, dass keine aktuelle Entwicklung im IT-Bereich verschlafen wird. Allerdings stellt sich die Frage, ob TYPO3 wirklich alle kommunalen Bedürfnisse bedient. Werfen wir einmal einen Blick auf die wichtigsten Kriterien, welche ein kommunaler Webauftritt heute erfüllen muss.

Die Anforderungen

Aktualität ist sicherlich das oberste Ziel einer kommunalen Webseite. Jedoch muss der kommunale Betreiber, der E-Government-Dienste anbieten möchte, auch sicherstellen, dass diese zu jeder Zeit verfügbar sind. Das ist zwar in erster Linie die Aufgabe des Providers, der performante Webserver einsetzen muss. Doch gerade bei umfangreichen kommunalen Webseiten wird daraus schnell eine große Belastungsprobe für das Content Management System, denn mitunter müssen viele hundert Anfragen pro Tag bedient werden. Das System muss darüber hinaus in der Lage sein, große Mengen an Text- und Bildinformationen zu verwalten und gegebenenfalls eine Reihe an Funktionalitäten zur Verfügung zu stellen. Zum Beispiel können ein „elektronischer“ Veranstaltungskalender und ein Bereich mit aktuellen Neuigkeiten die Bürger über das Geschehen in ihrer Kommune informieren. Lebenslagen müssen abgedeckt und Ansprechpartner gefunden werden können. Darüber hinaus besteht vermehrt der Wunsch, Anträge und Formulare online zu lesen und auszufüllen. Aufgrund der föderalen Strukturen in Deutschland und der sich daraus ergebenden regionalen Besonderheiten und Bedürfnisse ist dafür nicht selten die Entwicklung von Speziallösungen gefragt.

Außerdem gibt es gesetzliche Anforderungen, die zwingend erfüllt werden müssen. Viel zu wenig bekannt ist in diesem Zusammenhang immer noch die Anforderung an die Barrierefreiheit von Webauftritten der öffentlichen Hand. Unter Webentwicklern gehört dieses Thema – zwar noch zögerlich, aber immerhin – schon zum guten Ton, kommunale Webseitenbetreiber hingegen

werden spätestens seit Anfang 2006 in die Pflicht genommen, ihre Inhalte barrierefrei anzubieten.

Zu guter Letzt soll der Aspekt der unkomplizierten und einfachen Verwaltung und Pflege der Inhalte angesprochen werden. Häufig handelt es sich dabei um Aufgaben, die neben der normalen täglichen Arbeit in einer Kommune erledigt werden müssen. Daher ist eine hohe Benutzerfreundlichkeit im administrativen wie auch im redaktionellen Bereich wünschenswert. Es stellt sich also die Frage, wie die oben genannten Anforderungen mit TYPO3 umgesetzt werden können.

Die Praxis

Das als enterprisefähiges CMS bekannte TYPO3 bietet spätestens seit der Version 3.5 Stabilität, Sicherheit und Performanz auch für sehr umfangreiche Webauftritte. Die gut durchdachte Oberfläche des Backends mit seinem logischen und assoziativen Aufbau (Seitenbaum, Dateiliste, Navigation) stellt außerdem eine hohe Benutzerfreundlichkeit her. Dies bezieht sich auf die Administration der Webseite, aber ganz besonders auch auf redaktionelle Tätigkeiten. Hierbei werden keine Programmier- oder tief greifenden Computerkenntnisse beim Erstellen, Ändern, Löschen – also beim Verwalten von Inhalten – vorausgesetzt. Die Administration bietet darüber hinaus sehr vielfältige und flexible Konfigurationsmöglichkeiten, die ebenfalls (zumindest bei einfach gehaltenen Webauftritten) nur wenige Kenntnisse in TypoScript voraussetzen. Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang auch die kontextsensitive Hilfe, welche die Anforderung an eine hohe Benutzerfreundlichkeit elegant abrundet.

Eine der größten Stärken von TYPO3 ist das leichte Einbinden von Erweiterungen. Bereits über 1000 Entwicklungen für die verschiedensten Bedürfnisse wurden mittlerweile freigegeben und sind über die Projektseite www.TYPO3.org ebenfalls frei erhältlich.

Darunter finden sich viele Extensions, welche die Benutzerfreundlichkeit der Backend-Bedienung noch weiter verbessern, wie z. B. htmlArea, Save and new, BE Login und Date2cal.

Verwendet man Skins, kann der TYPO3-Editor htmlArea schnell an das gewohnte Aussehen von Office-Anwendungen angepasst werden.

Verwendet man Skins, kann der TYPO3-Editor htmlArea schnell an das gewohnte Aussehen von Office-Anwendungen angepasst werden.

Der RTE-Ersatz htmlArea soll an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden, denn er bietet eine an bekannte Office-Programme angelehnte Oberfläche und ermöglicht Redakteuren auf diese Weise eine schnelle Einarbeitung sowie mannigfaltige und flexible Möglichkeiten in der Gestaltung von Inhalten. Nicht ohne Grund hat sich dieser Editor zum Standard in der aktuellen Version TYPO3 4.0 etabliert.

Gerade die funktionalen Anforderungen an kommunale Webseiten lassen sich durch TYPO3-Erweiterungen sehr gut abdecken: Aktuelle Nachrichten werden mit dem News-Modul angelegt und verwaltet, während sich Veranstaltungskalender beispielsweise mit mbl_newsevent oder mjseventpro realisieren lassen. Für Gästebücher steht das bewährte ve_guestbook von Stanislas Rolland, dem Programmierer von rtehtmlarea, zur Verfügung. Auch ein kleines Forum lässt sich einfach umsetzen. Und schließlich können komplette virtuelle Verwaltungen mit der in dieser Zeitschrift schon vorgestellten Erweiterung O.S.I.R.I.S. verwirklicht werden. Diese Extension eignet sich besonders zur Abbildung von Lebenslagen, Zuständigkeiten und zum Bereitstellen von Formularen.

Im Virtuellen Rathaus mit O.S.I.R.I.S. geht es strukturiert und übersichtlich zu.

Im Virtuellen Rathaus mit O.S.I.R.I.S. geht es strukturiert und übersichtlich zu.

Viele Anforderungen können allerdings auch schon mit TYPO3-Boardmitteln realisiert werden, was sich besonders eindrucksvoll an der Abbildung von Lebenslagen und Zuständigkeiten demonstrieren lässt: Diese kann man nämlich auch ohne spezielle Extensions, nur durch den Bau einer ABC-Liste und die durchdachte Verlinkung der Contentelemente erstellen. Auch Formulare sind mit Basiswerkzeugen herstellbar. Werden diese dann mit einem von Kommunen häufig eingesetzten PDF-Server kombiniert, entspricht der Webauftritt schnell den Zielen des E-Governments.

Oft allerdings sind Speziallösungen gefordert, die sich nicht über Boardmittel oder eine der zahlreichen Extensions abdecken lassen. In diesen Fällen müssen dann neue Erweiterungen entwickelt werden. TYPO3 bietet hierfür geeignete Schnittstellen und ein gut dokumentiertes Framework, wodurch es Webentwicklern einfach gemacht wird, eigene Entwicklungen in den Webauftritt einfließen zu lassen. Kommunen, die ihre Haushaltsmittel oftmals an Ausschreibungen binden müssen, kommt hierbei die große Anzahl von verfügbaren Entwicklern zugute.

Auch in puncto Barrierefreiheit wird TYPO3 weitgehend den Anforderungen gerecht. Die Grundlage hierfür ist die flexible Möglichkeit, Design-Templates wie gewohnt mit XHTML und CSS barrierefrei zu erstellen. Wirkliche Barrierefreiheit erlangt der Webauftritt allerdings erst durch den Einsatz geeigneter Erweiterungen. Auf diese Weise werden Inhalte mit Hilfe der Extensions CSS_styled_content und cron_cssstyledimgtext ohne Tabellen zur Anordnung von Texten und Bildern gerendert. Menüs werden über die Erweiterung cron_accessiblemenus in nummerierter Listenform dargestellt und mit Accesskeys ausgestattet. Die Ausgabe von Formularen geschieht allerdings erst ab der Version 4.0 von TYPO3 barrierefrei. Vorausgesetzt, die kommunalen Redakteure werden entsprechend geschult, so ist auch weiterhin die barrierefreie Erstellung von Inhalten, z. B. durch das konsequente Ausfüllen von Titeln, Summary und Alt-Tags sichergestellt.

Natürlich entstehen auch Probleme beim Einsatz von TYPO3 in kommunalen Webauftritten. Zu nennen wäre hier unter anderem der Import von Dokumenten aus Office-Programmen, die nicht auf XML-Technologie aufsetzen: Die Texte müssen im Editor oftmals qual- und mühevoll umformatiert werden. Ein Ende des Problems ist jedoch durch den zunehmenden Einsatz von XML in Officelösungen (z. B. OpenOffice, MS-Office 2003) in Sicht.

Fazit

Es gibt sicherlich noch viele Anforderungen und Lösungen, die in diesem Artikel nicht genannt oder nur angerissen wurden. Aber halten wir fest: Bezogen auf die kommunalen Bedürfnisse positioniert sich TYPO3 an einer führenden Stelle im Vergleich zu anderen Content-Management-Lösungen, wenn es diesen nicht sogar um eine Nasenlänge voraus ist.

In Zukunft wird E-Government (man denke an das Schlagwort Verwaltungsstrukturreform) eine bedeutendere Rolle spielen und weitere Anforderungen an ein Content-Management-System stellen. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Erweiterung O.S.I.R.I.S. gewidmet werden, denn sie bietet großes Potenzial. Werden hier Lösungen für neue E-Government-Anforderungen wie beispielsweise die verschlüsselte Datenübertragung implementiert, so wird TYPO3 auch in der Zukunft eine große Rolle im kommunalen Bereich spielen. Es ist also wichtig, dass die Entwicklung hier nicht stehen bleibt. Wir schauen gespannt auf die Weiterentwicklung des CMS unserer Wahl und blicken erwartungsvoll auf kommende Versionen.

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