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„Wir wollen eine Milliarde Menschen mit Bildung versorgen“

    „Wir wollen eine Milliarde Menschen mit Bildung versorgen“

Foto: Udacity

Sebastian Thrun gilt als einer der begnadetsten Wissenschaftler der Welt. Aus einer Online-Vorlesung an der Stanford-Universität entstand das Startup Udacity. Wir haben mit ihm über seine Ziele gesprochen.

t3n Magazin: Sebastian, mit deinem Startup Udacity lassen sich weltweit Unikurse online abrufen. Wenn es ein solches Angebot schon zu deinen Studentenzeiten gegeben hätte – hättest du es genutzt?

Sebastian Thrun: Ja, auf jeden Fall. Ich bin jemand, der gern Neues lernt. Es ist immer mein Traum gewesen, einen Job im Silicon Valley zu bekommen, schon als kleiner Junge. Udacity gab es nicht, fundiertes Spezialwissen war damals nur über Bücher zugänglich, also habe ich viel Zeit in Bibliotheken verbracht und mein eigenes Geld gespart, um nach Amerika gehen zu können. Sich dieses Wissen anzueignen, wäre heute durch Angebote wie Udacity auf jeden Fall deutlich einfacher.

t3n Magazin: Udacity will mit Massive Open Online Courses, kurz MOOC, möglichst vielen Menschen einen Zugang zu Hochschulvorlesungen verschaffen. Laut Erkenntnissen von 2013 schließen aber nur sieben Prozent der Studenten die Kurse auch tatsächlich ab. Warum so wenige?

Sebastian Thrun: MOOC sind ein bisschen wie Bücher: Es werden nur wenige ganz von vorne bis hinten durchgelesen. Bei Onlinekursen ist das ähnlich: Auch dort werden nur wenige von vorne bis hinten geguckt.

t3n Magazin: Woran liegt das?

Sebastian Thrun: Weil sie sich zwar durch schicke Videos und interaktive Tests auszeichnen, aber eigentlich nur aus „Inhalten“ bestehen. Bildung ist aber viel mehr als Inhalte. Es kommt auf Angebote wie Mentoring, personalisiertes Feedback und Bewertungen an.

t3n Magazin: Experten sehen das E-Learning wegen der hohen Abbrecherquoten trotzdem kritisch.

Sebastian Thrun: Wenn man sich die Abbrecherquoten bei den Onlinekursen ansieht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass sie sich nicht eins zu eins mit den Abbrecherquoten an der Präsenz-Hochschule vergleichen lassen. An den Top-Universitäten wird nur eine kleine Anzahl von Studenten zugelassen – und die sind dementsprechend topmotiviert. Bei Udacity ist das anders. Wir lassen jeden zu. Die Abbrecherquote ist vielleicht nicht unbedingt die beste Messgröße für Erfolg.

t3n Magazin: MOOC sind also besser als klassische Bildung?

Sebastian Thrun: Ich denke, dass Online-Lernen in vielerlei Hinsicht bereits besser als konventionelle Bildung ist, in mancher Hinsicht jedoch noch nicht ganz so gut. Es ist wie mit Film und Theater: Es gibt beides, aber Filme sind kommerziell erfolgreicher.

t3n Magazin: Wie wollt ihr es bei Udacity schaffen, die Studenten zum Durchhalten zu bewegen?

Sebastian Thrun: Vor allem durch ein individualisiertes Angebot. In der Zeit während ihres Studiums erhalten unsere Nutzer sofortiges Feedback und direkte Unterstützung von unseren Instruktoren und Coaches.

t3n Magazin: Und das hilft?

Sebastian Thrun: Unseren Erkenntnissen zufolge ja. Bei einigen unserer Kurse liegt die Abschlussquote bei mehr als 80 Prozent.

t3n Magazin: Ihr habt euer Geschäftsmodell vor einiger Zeit geändert, heute geht es stärker um die Kurse, die Unternehmen wie Google, Facebook, Nvidia oder Salesforce für ihre Mitarbeiter und Außenstehende entwickeln. War es für dich eine schwierige Entscheidung, deine ursprüngliche Idee aufzugeben?

Sebastian Thrun: Es war nicht einfach, aber es war der richtige Schritt. Wenn man nichts lernt, kann man nicht erfolgreich sein. Und wir haben eine Menge bei diesem Prozess gelernt. Veränderung ist häufig schmerzhaft, aber ich bin stolz darauf, dass wir das gemacht haben. Das Unternehmen würde es sonst so nicht geben.

t3n Magazin: Was ist von deiner ursprünglichen Vision übrig geblieben, Bildung für alle zugänglich zu machen?

Sebastian Thrun: Die Vision ist dieselbe geblieben: Bildung zu demokratisieren. Udacity ist eine Wortschöpfung aus „audacious“ – was auf Deutsch so viel heißt wie „wagemutig“, „frech“ oder „verwegen“ – und „university“. Im Sinne von: „Wir sind wagemutig für euch Studenten.“ Bildung war früher nur an den US-amerikanischen Elite-Universitäten für eine relativ kleine Anzahl von Studenten gegen sehr hohe Studiengebühren erhältlich. Wir haben es gewagt, sie für alle, die sich dafür interessieren, erschwinglich und zugänglich zu machen. Viele gingen davon aus, dass MOOC die endgültige Lösung sind, aber tatsächlich waren sie erst der Anfang. Die Vision einer globalen Demokratisierung von Bildung ist heutzutage stärker als je zuvor. Das Medium entwickelt sich ständig weiter. Wir alle lernen jeden Tag dazu.

t3n Magazin: Aber jetzt geben bei Udacity die Unternehmen den Ton vor. Was hat das noch mit Demokratisierung zu tun?

Sebastian Thrun: Unsere Unternehmenspartner wissen am besten, welche Fähigkeiten und welches Know-how gerade benötigt werden, um auf dem Arbeitsmarkt gefragt zu sein. Mit unseren Nanodegrees erhalten die Studenten einen Abschluss, mit dem sie bestens für eine Karriere in der Technologie-Branche ausgebildet sind.

t3n Magazin: Du hast einmal gesagt, dass sich die höhere Bildung in den kommenden zehn Jahren so stark verändern wird, dass mehr als 50 Prozent der höheren Bildung von zehn oder weniger Institutionen vermittelt wird. Bist du davon immer noch überzeugt?

Sebastian Thrun: Ja, ich stehe immer noch dahinter und Udacity hat die einzigartige Möglichkeit, eine dieser Institutionen zu werden. Es wird immer auch Nischenanbieter geben, aber durchsetzen werden sich nur wenige große.

t3n Magazin: Was macht dich da so sicher?

Sebastian Thrun: Das Gleiche ist bereits in der Filmindustrie mit wenig großen Studios und der Automobilbranche mit sehr wenig großen Konzernen passiert. Das wird auch im Bankwesen passieren und im Bereich Bildung. In dem Moment, in dem Produkte global werden, gibt es eine Konsolidierung.

t3n Magazin: Im vergangenen Jahr habt ihr mit Udacity in einer Finanzierungsrunde 105 Millionen US-Dollar eingesammelt, eure Bewertung beträgt seitdem eine Milliarde US-Dollar. Wie geht es nun weiter?

Sebastian Thrun: Das ist erst der Anfang. Wir geben keine Ruhe, bis wir eine Milliarde Menschen in der Welt mit Bildung versorgt haben. Das wird aber eine Weile dauern.

t3n Magazin: Bevor du Udacity gegründet hast, hast du bei Google in einer einzigartigen Position gearbeitet – du durftest als Wissenschaftler die spannendsten technologischen Entwicklungen der vergangenen Jahre vorantreiben, unter anderem das selbstfahrende Auto. Warum hast du das aufgegeben, um ein Bildungsunternehmen zu gründen?

Sebastian Thrun: Bildung ist der allerbeste Weg, um die Gesellschaft voranzubringen. Davon bin ich überzeugt. Ich hatte das Gefühl, wenn ich das nicht mache, dann passiert das nicht oder nur sehr langsam. Zu dem Zeitpunkt waren Google-Projekte wie das selbstfahrende Auto bereits weit genug vorangeschritten, sodass andere damit weitermachen konnten.

t3n Magazin: Lass uns über Künstliche Intelligenz sprechen, eines deiner Spezialgebiete. Es wird heute viel über KI gesprochen und diskutiert – mal verheißungsvoll, dann auch wieder mit vielen Ängsten. Glaubst du an das dystopische Szenario, dass uns Roboter wie das selbstfahrende Auto künftig beherrschen werden?

Sebastian Thrun: Ich bin vom Gegenteil überzeugt: Künstliche Intelligenz wird die Leute zu Supermenschen machen. Genau wie Autos, Mobiltelefone und Flugzeuge uns bereits zu Supermenschen gemacht haben.

t3n Magazin: Was meinst du mit „Supermenschen“?

Sebastian Thrun: Durch künstliche Intelligenz wird es uns möglich sein, noch stärker als bisher über die natürlichen biologischen Grenzen unserer Sinne und Fähigkeiten hinauszugehen. Wir werden uns an alles erinnern, jeden kennen, wir werden Dinge erschaffen können, die uns jetzt noch völlig unmöglich oder gar undenkbar erscheinen.

t3n Magazin: In welchen Bereichen wird uns die künstliche Intelligenz vor allem helfen?

Sebastian Thrun: Künstliche Intelligenz wird das tun, was einfach und repetitiv ist. Wir Menschen sollten keine repetitiven Dinge tun müssen, um Geld zu verdienen. Dafür sind wir doch zu schade.

t3n Magazin: Künstliche Intelligenz schlägt uns zwar in Schach und Go, hat aber noch Schwierigkeiten, eine Tür zu öffnen. Wie lange braucht es noch, bis Roboter für uns kochen und uns im Haushalt zur Hand gehen?

Sebastian Thrun: Roboter? Ich denke, dass sich die Leute bei diesem Thema zu sehr auf Humanoide konzentrieren. Man versucht, Menschen zu kopieren. Roboter sollten die Menschen aber ergänzen. Das machen sie am Ende auch heute schon. Ich habe beispielsweise einen tollen Roboter in meiner Küche, er nennt sich Spülmaschine.

t3n Magazin: An welcher Technologie, an der du bisher nicht gearbeitet hast, würdest du unbedingt noch mitentwickeln wollen?

Sebastian Thrun: Ich denke ab und zu darüber nach, wie sich das menschliche Leben verlängern lässt. Das ist für mich eine der spannendsten Fragen der Zukunft. Eine Lösung habe ich aber noch nicht gefunden.

t3n Magazin: Was treibst du eigentlich, wenn du Feierabend machst und abends nach Hause kommst? Wie schaltest du ab?

Sebastian Thrun: Es gibt keinen Schalter. Meine Familie und ich streben gemeinsam danach, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

t3n Magazin: Was fasziniert dich abseits von Technologie und Bildung?

Sebastian Thrun: Menschen. Mich fasziniert, wie Menschen denken, organisieren, interagieren. Ich bin der Meinung, dass wir Menschen von größter Bedeutung auf dieser Erde sind.

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2 Reaktionen
Jayy
Jayy

Wenn die Studenten auf die Vorlesungen freiwillig verzichten und lieber im Park in der Sonne liegen, warum sollte der Rest sich für die trockenen Theorien der Vorlesungen interessieren. Es macht nur Sinn, wenn Kurse von renommierten Universitäten in interessanten Fächern gegeben werden. Den Rest kann man sich auf Youtube zusammenkleistern.

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Jan Wiedemann

Kompliment zur Initiative von Udacity. Doch wie läst sich der Globalanspruch mit dem zunehmenden Bedarf nach Spezialwissen vereinbaren? Daher sehen wir durchaus Chancen für Nischenanbieter. Wir gehen diesen Weg seit 2012 und bieten praxisorientierte Online-Fortbildung für Mediziner und medizinisches Personal an. Dabei ist die mediale Aufbereitung durchaus relevant. "Spannend" aufbereitete Inhalte erzielen durchaus Abschlußquoten im Bereich von 80 Prozent.

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